Unterwegs mit dem Pilzexperten Siegmar Birken
Ein Schatz an Formen und Farben

Tecklenburger Land -

Geld ließe sich jetzt auf die Schnelle einiges verdienen. „Dafür zahlen Sie auf dem Wochenmarkt in Münster 40 Euro“, sagt Siegmar Birken. Er zeigt auf zwei Steinpilze ein paar Meter voraus. Ziemlich dicke Brocken, „jeder so um die 500 Gramm schwer“, schätzt der 75-Jährige das Gewicht.

Montag, 04.11.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 04.11.2019, 17:55 Uhr
Unterwegs mit dem Pilzexperten Siegmar Birken: Ein Schatz an Formen und Farben
Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Er schaut sich die beiden Prachtexemplare noch etwas genauer an, lässt sie aber stehen. Auf reiche Ernte ist der ehemalige Biologie-Lehrer an diesem Vormittag nicht aus. Er will einfach zeigen, wie vielfältig die Welt der Pilze am Teuto ist. Es wird eine beeindruckende Tour.

Geld ließe sich jetzt auf die Schnelle einiges verdienen. „Dafür zahlen Sie auf dem Wochenmarkt in Münster 40 Euro“, sagt Siegmar Birken . Er zeigt auf zwei Steinpilze ein paar Meter voraus. Ziemlich dicke Brocken, „jeder so um die 500 Gramm schwer“, schätzt der 75-Jährige das Gewicht. Er schaut sich die beiden Prachtexemplare noch etwas genauer an, lässt sie aber stehen. Auf reiche Ernte ist der ehemalige Biologie-Lehrer an diesem Vormittag nicht aus. Er will einfach zeigen, wie vielfältig die Welt der Pilze am Teuto ist. Es wird eine beeindruckende Tour.

Birken, der Pilz-Fachmann in der Region schlechthin, schätzt, dass es im Tecklenburger Land rund 2500 verschiedene Arten gibt. Beim Gang querfeldein durch den Wald entdeckt der Ruheständler ständig einige von ihnen. Dabei erklärt er erst einmal, dass das, was man vom Pilz in der Regel sieht, gar nicht der Pilz ist, sondern der sogenannte Fruchtkörper. Darunter findet sich ein wurzelartiges Mycel genanntes Geflecht – das sei der eigentliche Pilz.

Die Vielfalt der Farben und Formen, die die Pilze haben, ist für einen Laien mehr als überraschend. Es gibt den Amethystblauen Lacktrichterling, der wie sein Name schon sagt, blau ist. Es finden sich Pilze, die aussehen wie Korallen und auch so heißen. Natürlich wird auch der umgangssprachlich als Puffpilz bezeichnete Bovist in die Hand genommen. Wenn man seine Kappe eindrückt, steigt eine kleine Wolke voller Sporen auf. Dann ist da der Hallimasch, der besonders oft in den hiesigen Wäldern zu finden ist. Siegmar Birken erzählt außerdem vom Tauberling, der so scharf ist, dass beim Essen auf der Zunge ein Taubheitsgefühl entsteht, und vom Zunderporling, der seinem Namen alle Ehre macht, wurde er doch früher in Scheiben geschnitten und platt geklopft, um mit ihm dann ein Feuer zu entzünden. „Die sind so leicht brennbar, dafür reicht schon ein Funke“, sagt der Ibbenbürener, der sich seit seiner Kindheit mit Pilzen beschäftigt und über sie bereits mehrere Bücher und während des Studiums auch seine Examensarbeit geschrieben hat.

Dass Birken praktisch auf Schritt und Tritt fündig wird, ist zum einen seinem großen Kenntnisschatz geschuldet, zum anderen aber auch der Tatsache, dass es in diesem Jahr besonders viele Pilze gibt. „Es war im September feucht-warm, das passte“, erklärt Birken den Reichtum dieser Wochen – und fügt dann noch hinzu, dass es Pilze aber durchaus das ganze Jahr gebe – vom Winterrübling, über Morcheln im Frühjahr bis zum Sommer-Steinpilz.

Wie Tiere und Pflanzen haben auch Pilze mit Klimawandel und Veränderungen der Umwelt zu kämpfen. Viele Pilze gehen mit Bäumen eine Symbiose ein oder aber leben parasitär von ihnen. Verschwindet nun also wegen des Borkenkäfers die Fichte aus der Region, bedeute das auch das Aus für manchen Pilz, stellt Birken fest. Beispielhaft nennt er den Fichten-Steinpilz und den Fichtenporling. Den Pfifferling hat dieses Schicksal seinen Worten zufolge schon ereilt. Als Grund dafür nennt er Umwelteinflüsse.

Parallel scheint das Suchen nach Pilzen wieder „in“ zu sein. Das glaubt auch der Ibbenbürener. Seine Einschätzung beruht nicht nur auf den Erfahrungen, die er während seiner Streifzüge durch die Natur macht. Immer wieder lädt Birken zu Exkursionen ein. Über 100 Menschen kommen manchmal zu einem Termin. Das Interesse an Pilzen scheint bei vielen vorhanden zu sein und auch daran, sie als leckeres Gericht auf den Tisch zu bringen.

Über Stock und Stein, Laub und Moos geht es immer weiter durch den Wald. Die 75 sind Siegmar Birken nicht anzumerken. Flott und trittsicher geht es auch an steileren Stellen voran. Der Ibbenbürener ist in seinem Element, gerät mit den Worten „da haben wir aber schöne Funde gemacht“ ins Schwärmen. Einen Pilz hat er bis zum Ende in der Hand. Es ist der einzige, bei dem er nach zwei Stunden und schier unendlich vielen Entdeckungen nicht sicher ist, um welche Art es sich handelt. Nur so viel weiß er: Er gehört zu den hübschen Korallenpilzen.

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