1. Lengericher Klimaforum
Von Greta bis „Fast Fashion“

Lengerich -

In der Gempt-halle hat am Freitag das 1. Lengericher Klimaforum stattgefunden. Schätzungsweise über 400 Menschen waren dabei. Bürgermeister Wilhelm Möhrke rief zum Handeln auf: „Wie unsere Zukunft aussieht, hängt davon ab, was wir heute tun.“

Samstag, 09.11.2019, 08:45 Uhr aktualisiert: 10.11.2019, 13:48 Uhr
In und auch vor der Gempt-Halle wurde intensiv diskutiert und auch informiert.
In und auch vor der Gempt-Halle wurde intensiv diskutiert und auch informiert. Foto: Gernot Gierschner

Zum Start schauten die Verantwortlichen der Stadt am Freitag zufrieden auf das, was sich da in der Gempt-Halle tat. Die Verwaltung hatte zusammen mit der Bertelsmann-Stiftung zum 1. Lengericher Klimaforum eingeladen. Als Bürgermeister Wilhelm Möhrke dann gegen 10 Uhr seine Begrüßungsworte sprach, hörten ihm schätzungsweise über 400 Menschen zu.

Darunter waren viele Schüler, deren Kommen im Vorfeld ebenso feststand wie die Teilnahme einiger Auszubildender Lengericher Betriebe. Darüber hinaus kamen aber auch viele Erwachsene, um sich an der Veranstaltung zu beteiligen.

Möhrke machte in seiner kurzen Rede deutlich, dass aus seiner Sicht der Klimawandel zum Handeln zwingt. „Wie unsere Zukunft aussieht, hängt davon ab, was wir heute tun“, lautete seine Botschaft. Kathleen Berger , die als Moderatorin dabei war, erzählte, dass sie unter anderem kein Fleisch esse und keine „Fast Fashion“ kaufe. Doch nicht zuletzt durch weltweites Reisen in jüngeren Jahren habe auch sie längst einen zu großen ökologischen Fußabdruck auf der Erde hinterlassen. Ihre Ansage ans Publikum: „Keiner von uns ist nachhaltig perfekt.“

Vor allem sollte es in den kommenden Stunden darum gehen, konkret zu diskutieren, was jeder einzelne zum Klimaschutz und zum bewussteren Konsum beitragen kann. „Wir müssen darüber nachdenken, ob wir etwas verlieren, wenn wir zu Weihnachten auf Erdbeeren und Spargel verzichten.“ So lautete beispielsweise ein Satz am Ende, als Berger noch einmal die Verantwortlichen der Thementische zu einer Schlussrunde auf die Bühne holte. Die Bewertung der Ergebnisse aus den einzelnen Bereiche fiel durchaus unterschiedlich aus.

Oliver Haubner von der Bertelsmann-Stiftung sprach von einem zunächst zähen Beginn der Diskussion, aber auch von einer erfrischenden Offenheit der Teilnehmer. So habe sich gezeigt, dass für viele junge Schüler das Thema Nachhaltigkeit im Alltag noch keine Rolle spiele. Von ähnlichen Erfahrungen berichteten die regionalen Landwirte, die es nicht immer einfach hatten, mit den Schülern ins Gespräch zu kommen.

Lebhaft ging es am Tisch „Plastik(-verpackung) nur Teufelszeug“ zu. Dort hatten sich die Firmen W&H und B+K der durchaus kontroversen Diskussion um Verpackung und Recycling gestellt. „Gehört die Schlangengurke in eine Plastikhülle oder nicht?“ war eine der spannenden Fragen in dieser Runde. Die Verpackungsspezialisten stießen bei den Besuchern auf großes Interesse, wurden in den Diskussionsrunden aber auch tatkräftig von ihren Mitarbeitern unterstützt. Die Problematik der schwierigen Mülltrennung von verschiedenen Verpackungsmaterialien versuchen die Firmen zum Beispiel mit der Erforschung von Monoverpackungen (nur ein Werkstoff) zu lösen.

Der Thementisch Mobilität hatte unter anderem die Frage gestellt „Lengerich autofreie Mobilität – ist das möglich?“ Dort zeigte sich, dass auch „der“ Lengericher nur ungern auf sein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor verzichten möchte. Da müssen die Vertreter der Stadtwerke und des Zukunftsnetzes Mobilität noch viel Überzeugungsarbeit leisten und die Kommune ihr Nahverkehrsangebot verbessern, lautete eine Meinung aus der Gesprächsrunde.

Außer an den „offiziellen“ Thementischen fanden die Besucher viele weitere Möglichkeiten, um sich auszutauschen. In vielen kleinen Runden diskutierten die Lengericher zum Beispiel die von Oliver Haubner referierten Fakten. Etwa das Ergebnis einer Bertelsmann-Umfrage, wonach drei Viertel der Bürger bereit wären, sich zum Schutz des Klimas einzuschränken. „Da muss die Politik mutiger sein“, so die einhellige Meinung in diesem Gesprächskreis.

„Es geht am Ende immer um Generationengerechtigkeit. Was die jungen Leute auf die Beine stellen ist bewundernswert“, lobte ein älterer Besucher das Gebotene. Da passte es gut, dass die Schüler der Gesamtschule sich in ihrem Schlussstatement klar hinter Greta Thunberg stellten Und sie versprachen, die ein oder andere der präsentierten Anregungen sofort umzusetzen.

„Anregungen geben, genau darum ging es in dieser Veranstaltung“, fasste Moderatorin Kathleen Berger am Ende zusammen. „Wir sind nicht perfekt, aber wir können was tun.“

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