Gedenken an die Reichspogromnacht
Zeichen für Toleranz und gegen Gewalt

Lengerich -

Zum Gedenken an die Reichspogromnacht 1938 in Lengerich hatte der DGB zu einer Mahnwache auf dem Rathausplatz eingeladen. Dort sollte an die Gewalt erinnert werden, die jüdischen Mitbürgern angetan wurde.

Sonntag, 10.11.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 11.11.2019, 16:02 Uhr
Der DGB hatte auf dem Rathausplatz zu einem Gedenken an die Gewalttaten in der Reichspogromnacht 1938 in Lengerich aufgerufen.
Der DGB hatte auf dem Rathausplatz zu einem Gedenken an die Gewalttaten in der Reichspogromnacht 1938 in Lengerich aufgerufen. Foto: Gernot Gierschner

„Ein größerer Trupp empörter Volksgenossen drang in die Synagoge ein und zerstörte die gesamte Einrichtung. Die weiteren Aktionen richteten sich gegen die jüdischen Geschäfte und Wohnungen.“ So berichtete der Tecklenburger Landbote über die Ereignisse am 9. und 10. November 1938 in Lengerich.

„Stolpersteine“

Zum 81. Gedenktag der reichsweiten Pogromnacht hielt der DGB Lengerich am Samstag eine Mahnwache auf dem Rathausplatz ab. „Wir erinnern an die Gewalt, die unseren jüdischen Mitbürgern angetan wurde“, so Wilhelm Hüggings, Vorsitzender des DGB Lengerich. Bürgerinnen und Bürger hatten die Gelegenheit, mit ihrer Unterschrift ein Zeichen für Toleranz und gegen Gewalt zu setzen. „Damit die Geschichte sich nicht wiederholt“, stand auf der großen Bodenzeitung, die zur Unterschrift auslag.

Am 9. November 1938 war das Wetter bedeckt bei zwölf Grad, in der Nacht als die Trupps des Lengericher Ortsgruppenleiters Meyer loszogen, hatte es sich ein wenig abgekühlt. Wo heute zwei „Stolpersteine“ an die jüdische Familie Albersheim erinnern, steckte der Mob damals das Haus der Witwe Albersheim in Brand – die Feuerwehr wurde an ihrer Arbeit gehindert.

Damit die Geschichte sich nicht wiederholt.

Überschrift auf einer Bodenzeitung

Der 9. November 2019 war ein trüber verregneter Tag. Vor dem Römer wurde der Holzkohlegrill angeheizt, es roch nach Spiritus und frischen Brötchen aus dem Bäcker-Mobil. Bei vier Grad und Nieselregen hasteten die Menschen über den Rathausplatz, nur wenige blieben stehen, um zu sehen, was es da auf sich hat mit der Gruppe Menschen unter der Platane.

Eine junge Frau mit Kinderwagen hielt kurz an, ließ sich erklären worum es ging. Die Bitte Wilhelm Hüggings den Aufruf zu unterzeichnen lehnte sie ab. „Ich kenne ja die Geschichte,“ gab sie zu Protokoll und hastete weiter.

Litfaßsäule

Im Laufe des Vormittags kamen dennoch einige Unterschriften zusammen und man sprach miteinander, obwohl sich viele Gespräche um das andere wichtige deutsche Ereignis des 9. Novembers – den Mauerfall – drehten. Offenbar ist es einfach, sich an etwas Positives zu erinnern. Doch wurde dabei schnell der Bogen zur heutigen politischen Lage im Land geschlagen.

Auf einer Litfaßsäule erinnerte der DGB mit Zitaten und Aussagen an die Ereignisse vor 81 Jahren. Das Statement von Martin Niemöller fiel besonders ins Auge: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

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