Kämmerin Christiane Bürgin verlässt schweren Herzens Lengerich
„Es ist einfach passiert“

Lengerich -

Sie geht „mit einem deutlich weinenden Auge“. Aber sie geht. Kämmerin Christiane Bürgin. Nach fünf Jahren in der Lengericher Stadtveraltung hat sich die 50-Jährige entschieden, ihren Hut noch einmal anderswo in den Ring zu werfen – und setzte sich durch. Ab dem 1. Februar 2020 ist sie beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Referatsleiterin im Bereich „Inklusion und Soziale Teilhabe“ tätig.

Dienstag, 12.11.2019, 07:00 Uhr
Vor fünf Jahren hat Christiane Bürgin die Gemeindeverwaltung Everswinkel verlassen, um Kämmerin in Lengerich zu werden. Jetzt steht ein erneuter Wechsel an.
Vor fünf Jahren hat Christiane Bürgin die Gemeindeverwaltung Everswinkel verlassen, um Kämmerin in Lengerich zu werden. Jetzt steht ein erneuter Wechsel an. Foto: Bettina Laerbusch

Sie geht. Schweren Herzens. „Es erschreckt mich selbst, wie tief mich das berührt“, sagt sie. Mit einem „deutlich weinenden Auge“ werde sie Lengerich verlassen. Aber die Herausforderung, die da wartet – sie ist zu verlockend. „Es ist einfach passiert“, sagt Christiane Bürgin .

Seit fünf Jahren ist die Everswinkelerin jetzt Kämmerin bei der Stadt Lengerich. „Eine kurze Zeit“, findet sie. Sie wollte nicht weg. „Wir haben viel bewegt in Lengerich. Es gibt ganz aktive Menschen hier. Ich habe die Bürger unheimlich schätzen gelernt.“ Doch dann las sie die Stellenausschreibung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe . Der suchte eine Referatsleiterin beziehungsweise einen Referatsleiter für den Bereich „Inklusion und Soziale Teilhabe“. Der „andere Blickwinkel“ habe sie gereizt. Sie bewarb sich. Christiane Bürgin macht keinen Hehl daraus, dass sie stolz und glücklich ist, aus dem Bewerberkreis ausgewählt worden zu sein.

Will ich das bis zur Rente machen?

In Everswinkel ist sie nach wie vor zu Hause. Dort hat sie ihre Ausbildung als ganz junge Frau begonnen, sich weiterentwickelt und weitergebildet, bis sie Kämmerin war. Dann – sie war 45 – kam die Frage der Fragen, die ganz viele Menschen kennen: „Will ich das jetzt bis zur Rente weitermachen oder wage ich noch einmal etwas Neues?“ Fast drei Jahrzehnte – exakt 28 Jahre – war Christiane Bürgin zu jenem Zeitpunkt bei der Gemeinde Everswinkel im Einsatz. 9500 Einwohner hat Everswinkel. In Lengerich sind es knapp 24 000. Der Etat, den Christiane Bürgin zurzeit verwaltet, umfasst 53 Millionen Euro. Beim Landschaftsverbandsverband Westfalen-Lippe werden es zwei Milliarden Euro sein, die in ihren Verantwortungsbereich fallen. Nein, sagt sie, Angst habe sie vor dieser Zahl nicht, aber Respekt.

Durchstarten mit 50 - „es geht immer!“

Mit 50 noch einmal etwas Neues anzufangen – mit einer sechsmonatigen Probezeit noch dazu –, da braucht man jede Menge Mut. Christiane Bürgin erzählt, dass sie in Everswinkel vor fünf Jahren eine unkündbare Stelle aufgegeben hat. Aber, das fügt sie sofort hinzu: „Wäre ich nicht aus Everswinkel weggegangen, würde ich jetzt nicht Referatsleiterin beim LWL.“ Mit 50 noch einmal durchzustarten – „es geht immer“, sagt sie klar. Und auch diesen Satz (lächelnd): „Ich möchte arbeiten, ich will etwas bewegen – ich hoffe, das geht auch beim LWL.“

Christiane Bürgin wird dabei sozusagen die Seiten wechseln. Jetzt ist sie diejenige, die Geld bereitstellen muss, für die Fachbereiche, die Kindergärten bauen oder Geld für den Straßenbau brauchen. Beim Landschaftsverband ist sie auf der Nehmerseite, muss aber auch dort schauen, ob und wie und wo gespart werden kann.

Sie kann mehr als Zahlen

„Ich kann nichts anderes als Zahlen“, sagt die Noch-Kämmerin der Stadt Lengerich schmunzelnd. Doch wer sich mit Christiane Bürgin auch nur eine kurze Weile unterhält, weiß, dass das so nicht stimmt. Die Menschen dahinter sind ihr wichtig – die Steuerzahler, die das Geld zahlen müssen ebenso wie die Empfänger: Schüler, die Jugendhilfe, Familien, Bürger, die eine Veranstaltungshalle haben möchten...

Keine Frage: Christiane Bürgin ist ein Energiebündel, eine Kämpferin wahrscheinlich auch. Die Kommunen in NRW seien „strukturell unterfinanziert“, sagt ist unmissverständlich. Die Sozialausgaben explodierten. Und am Ende der Kette befänden sich die Kommunen, die nicht wie der Kreis Steinfurt oder auch der Landschaftverband einfach Umlagen erhöhen könnten. Die Grundsteuer A und B sowie die Gewerbesteuer wird die Stadt Lengerich jetzt wohl oder übel erhöhen. Das könne eine Stadt nicht unbegrenzt tun.

Am 1. Februar 2020 geht sie. 20 Minuten seien es mit dem Bus von Everswinkel nach Münster zu ihrem Büro beim Landschaftsverband Westfalen Lippe – „ein Bonbon“ sei das nach der langen Fahrerei täglich von Everswinkel nach Lengerich.

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