Gestaltung der Fußgängerzone
Fragen gehen in die Details

Lengerich -

Die Vorstellungen von der Umgestaltung der Fußgängerzone hat Landschaftsarchitekt Franz Reschke bei der Bürger-Infoveranstaltung in der Gempt-Halle erläutert. Anschließend hatten die Lengericher Gelegenheit, Anregungen und Kritik zu äußern.

Donnerstag, 05.12.2019, 06:27 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 06:30 Uhr
So stellt sich das Büro Franz Reschke die Gestaltung der Fußgängerzone vor mit Sitzmöbeln, einem Betonpflaster in drei Grautönen, einer Wasserrinne in der Straßenmitte als Leitlinie und mit Bäumen und Wasser an den vier Plätzen. Im Hintergrund ist der Kreuzungsbereich Bahnhofstraße/Alte Gießerei zu sehen. Präsentiert wurden die rund 100 Zuhörern in der Gempt-Halle auch die Gestaltungsvorschläge für die Brunnen auf drei Plätzen (Bild links).
So stellt sich das Büro Franz Reschke die Gestaltung der Fußgängerzone vor mit Sitzmöbeln, einem Betonpflaster in drei Grautönen, einer Wasserrinne in der Straßenmitte als Leitlinie und mit Bäumen und Wasser an den vier Plätzen. Im Hintergrund ist der Kreuzungsbereich Bahnhofstraße/Alte Gießerei zu sehen. Präsentiert wurden die rund 100 Zuhörern in der Gempt-Halle auch die Gestaltungsvorschläge für die Brunnen auf drei Plätzen (Bild links). Foto: Michael Baar

Sequenzen unterschiedlicher Erlebnisse soll die neu gestaltete Fußgängerzone erhalten. „Aufenthaltsangebote“, sagt Franz Reschke , „sind ein wesentlicher Teil der Gestaltung“. Hinzu kommen zwei neue Brunnen, einer auf dem Bodelschwinghplatz, der zweite als Trinkbrunnen im Kreuzungsbereich Bahnhofstraße/Alte Gießerei. So skizziert der Landschaftsarchitekt seine Vorstellung von der Umgestaltung der Innenstadt.

Rund 100 Zuhörer haben sich am Dienstagabend in der Gempt-Halle eingefunden. Der Gewinner des freiraumplanerischen Wettbewerbs erläutert, zusammen mit seinem Mitarbeiter Helge Frevert , Details der geplanten Änderungen. Wesentlich verändern werden sich, das ist nach seinen ersten Worten klar, der Bodelschwingh- und der Wapakonetaplatz.

Am westlichen Ende der Fußgängerzone soll eine Reihe Parkplätze weichen, um unter anderem Raum für einen Brunnen zu schaffen. Auf dem Wapakonetaplatz wird der Dyckerhoff-Brunnen optisch in ein neues Umfeld eingegliedert. Das sieht unter anderem eine Grünfläche mit Sitzmöglichkeiten vor der Südwand des Markt-Karrees vor.

Von den in der 650 Meter langen Fußgängerzone stehenden Bäumen sollen 16 erhalten bleiben. 13 oder 14 neue Bäume sollen den Verlust von neun Bäumen kompensieren, die im Zuge der Umgestaltung gefällt werden sollen.

Fahrplan

3. Dezember: Bürgerinformation12. März 2020: Ausschuss Planung und Umwelt; Beschluss Entwurfsplanung, Stufe 2n Architektenvertrag4. Juni: Ausschuss Planung und Umwelt; Beschluss Ausführungsplanung, Stufen 3 und 4, ArchitektenvertragJuli: Beginn AusschreibungSeptember: Veröffentlichung Ausschreibung 1. BauabschnittOktober: Submission, Vorbereitung VergabeDezember: VergabeJanuar 2021: möglicher Baubeginn erster Abschnitt

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In der Erarbeitung befindet sich nach den Worten von Franz Reschke derzeit das Lichtkonzept für die Fußgängerzone. Vier bis fünf Meter hohe Lampen mit LED-Technik sollen für eine gleichmäßige Ausleuchtung sorgen. Baudenkmäler und historische Fassaden könnten unter Einsatz von Strahlern beleuchtet werden.

Eine Weihnachtsbeleuchtung wird an den neuen Laternen angebracht werden können unter Verzicht auf die derzeit an den Laternen sichtbaren Steckdosen, beantwortet der Planer eine Frage von Hartmut Grünagel (Werbegemeinschaft). Ob dessen Anregung, zum Brunnenfest die Fassadenbeleuchtung in wechselnden Farben zu ermöglich, realisiert werden kann, lässt Franz Reschke offen.

Kritik kommt von Holger Paaschen (Blinden- und Sehbehindertenverein). Die in der Straße vorgesehene Wasserrinne zugleich als taktile Linie für Sehbehinderte und Blinde vorzusehen, hält er für untauglich. „Die wird Blinde nicht führen können“, ist er überzeugt. Eine ein oder 1,5 Zentimeter breite Linie soll als tastbare Orientierungshilfe in der Straßenmitte integriert werden, erläutert der Planer. So etwas habe er schon in verschiedenen Kommunen umgesetzt. Dabei müssten die DIN-Vorgaben beachtet werden, gibt ihm Holger Paaschen mit auf den (Planungs)Weg.

Zum jetzigen Zeitpunkt seien genaue Angaben über Dauer und Kosten der Arbeiten nicht möglich, beantwortet der Planer eine weitere Frage. Derzeit, so sein Kollege Helge Frevert, sei an zwei Bauabschnitte gedacht. Einer vom Wapakonetaplatz bis zum Rathausplatz, der zweite von der Altstadt bis zum Bodelschwinghplatz. Grob geschätzt sollten die Arbeiten ein bis eineinhalb Jahre dauern.

Kommentar

Erfolg nur bei gemeinsamem Handeln

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Sind insgesamt über vier Millionen Euro für die Umgestaltung der Fußgängerzone gut investiertes Geld? Politik und Stadtverwaltung sind davon überzeugt, haben das Projekt auf den Weg gebracht.

Einmal mehr haben die Bürger am Dienstagabend Gelegenheit gehabt, Fragen zu dem Vorhaben zu stellen. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Grundidee nur vereinzelt in Frage gestellt wird. Wie die Grautöne der Pflastersteine aussehen, warum sieben Parkplätze wegfallen – das sind Kleinigkeiten im Rahmen des Gesamtprojekts.

Die vorgestellten Ideen lassen das Reden von einer attraktiveren Fußgängerzone nicht als leeres Geschwätz erscheinen.

Die Nagelprobe kommt aber erst, wenn die Arbeiten vor dem Abschluss stehen. Dann muss eintreten, was der Bürgermeister am Dienstagabend mitgeteilt hat: Nur aufgrund der Planungen hätten sich schon Investoren gemeldet, die bauen oder Immobilien kaufen wollen. Um die von Lengerich zu überzeugen, müssen auch die Eigentümer mitspielen.

Nicht zuletzt ist jeder Bürger gefordert. Es gibt noch Fachgeschäfte in der Fußgängerzone. Die müssen die Lengericher aufsuchen, Beratung und Qualität einfordern, um letztlich auch dort zu kaufen.

Nur wenn alle mitziehen, kann die eingangs gestellte Frage mit einem „Ja“ beantwortet werden. Michael Baar

Beide Bauabschnitte sollen in weitere Teilstücke untergliedert werden. So soll die Erreichbarkeit der Geschäfte gewährleistet werden. Für die Oberflächen-Arbeiten rechnet Franz Reschke mit Kosten von rund 2,5 Millionen Euro. Hinzu kämen Nebenkosten und die Mehrwertsteuer.

Was prompt einen Kritiker auf den Plan ruft, der sich nicht vorstellen kann, „dass ein neues Pflaster, ein Bisschen Baum und Bank die Stadt weiterentwickeln“. Er befürchte eine Verdoppelung der Kosten und den Todesstoß für den Einzelhandel durch diese Baumaßnahme. Aussagen, die mit leichtem Beifall bedacht werden.

„Wenn wir nichts machen, geht es so weiter wie in den vergangenen zehn, 15, 20 Jahren“, hält Wilhelm Möhrke dagegen. Eine attraktive Innenstadt werde Händler anziehen. Bestärkt fühlt sich der Bürgermeister in seiner Einschätzung durch Anfragen von Investoren, die aufgrund der Planungen für die Fußgängerzone in der Verwaltung vorgefühlt haben.

Kritik gibt es ebenfalls an dem geplanten Wegfall einer Parkreihe am Bodelschwingh­platz. Auch das Pflaster – vorgesehen sind kleinere Steine in drei Grautönen – findet nicht bei jedem Anwesenden Zustimmung.

Und dann kommt noch der Vorschlag, den Wochenmarkt doch wieder rund um die Stadtkirche anzusiedeln. Eine Idee, deren Realisierung Franz Reschke für „wünschenswert“ hält.

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