Silvester-Premiere des ThiK-Ensembles
Ein wahnwitziges Lügengebäude

Lengerich -

Mit einer turbulenten Komödie um einen unerwarteten Geldsegen hat das Ensemble des Theaters in der Klinik (Thik) das Zwerchfell der Besucher am Silvesterabend im Festsaal der LWL-Klinik unter Dauerfeuer genommen. Das „Funny Money“ des britischen Autors Ray Cooney entwickelte sich zu einer Gala-Vorstellung.

Donnerstag, 02.01.2020, 06:12 Uhr aktualisiert: 02.01.2020, 16:46 Uhr
Turbulenzen – nicht nur in dieser Szene mit (von links) Sergeant Slater (Maximilian Klimek), Jean Perkins (verdeckt, Elvira Sumin), Henry Perkins (Björn Kölling), Vic (Thomas Bongard) und Betty (Ute Hilder) – kommen immer wieder vor bei „Funny Money“.
Turbulenzen – nicht nur in dieser Szene mit (von links) Sergeant Slater (Maximilian Klimek), Jean Perkins (verdeckt, Elvira Sumin), Henry Perkins (Björn Kölling), Vic (Thomas Bongard) und Betty (Ute Hilder) – kommen immer wieder vor bei „Funny Money“. Foto: Detlef Dowidat

„Lange nicht mehr so viel gelacht“, wischte eine Besucherin ihre Tränen weg. „Tolle Leistung des Ensembles. Alle haben ihr Bestes gegeben“, bekundete ein anderer Besucher. Der Beifall wollte kaum enden.

Karlheinz Arndt, Grandseigneur der Lengericher Theaterszene, musste mehrfach zu seinem Schlusswort ansetzen: „Ich entnehme, dass es Ihnen gefallen hat. Das Stück hat sieben Minuten länger gedauert als bei den Proben. Das lag einzig und allein daran, dass Sie so viel gelacht haben.“

Damit traf Arndt den Nagel auf den Kopf. Was sein Ensemble, in dem der Regisseur auch wieder in einer kleinen, aber ganz entscheidenden Rolle mitwirkte, leistete, war grandios. Dazu lieferte Erfolgsautor Ray Cooney mit seiner Vorlage ideale Voraussetzungen. Mit akribischer Genauigkeit konstruierte er eine absurd erscheinende, aber mit zwingender Logik ablaufende nervenaufreibende und verrückte Komödie, bei der er die Figuren im atemberaubenden Tempo von einer Notlüge in die nächste, von einer Klemme in die nächste treibt. Das Stück strotzt vor absurden Wendungen – weil alle lügen und täuschen müssen, um ihre Haut zu retten.

Das Thik-Ensemble legt gleich richtig los. Frohgemut tänzelt Jean Perkins (Elvira Sumin) durchs Wohnzimmer und schwenkt eine Flasche. Auf ihrem Kopf trägt sie ein Hütchen. Eine Party steht ins Haus. Doch wo bleibt ihr Mann? Als er ausgerechnet an seinem Geburtstag arg verspätet auftaucht, sich wie in Schockstarre auf die Couch fallen lässt und seine Aktentasche umklammert, schwant der Gattin: „Mit Henry stimmt etwas nicht.“

Statt einer Erklärung greift er zum Telefon und bucht zwei Flüge erster Klasse ab Düsseldorf. Noch heu-    te. Egal wohin.         Mallorca, Barcelona? Gut. Und nein, kein Rückflug: „Wir kommen nicht mehr zurück.“ Was um Himmels willen ist hier los? Jean gerät in Panik. Bis Henry Perkins (Björn Kölling) sein prall gefülltes Köfferchen aufschnappen lässt und ihr fast die Augen aus dem Kopf fallen. „735 000 Pfund“, verkündet er. Die Aktentasche des Buchhalters hatte er in der U-Bahn mit einer gleich aussehenden vertauscht. Nun hält der kreuzbrave Kerl einen Schatz in den Händen, wild entschlossen, ihn festzuhalten: „Das ist unser neues Leben. So eine Chance bekommt man nur einmal.“

Damit beginnt ein abenteuerliches Verwechselspiel. Der Knoten der Verwicklungen wird immer dicker und scheint kaum mehr lösbar zu sein. Mit nahezu jedem gesprochenen Satz wächst das wahnwitzige Lügengebäude, mit dem Henry Perkins seinen unverhofften Reichtum vor dem Zugriff der Polizei – es tauchen sogar zwei Kommissare auf – schützen will. Herrlich, wie Björn Kölling in der Figur des Perkins von Gier beflügelt zum hyperaktiven Manager des heimischen Katastrophengebiets wird.

Währenddessen steigert Jean Perkins alias Elvira Sumin ihren Kontrollverlust durch übermäßigen Alkoholkonsum. Toll, wie sie diese Rolle über fast die gesamte Zeit ausfüllt. In die sich aufschaukelnden Turbulenzen platzen die verblüfften Geburtstagsgäste Betty und Victor. Ein Heidenspaß, Ute Hilder und Thomas Bongard dabei zuzusehen, wie sie sich immer tiefer in den Irrsinn verstricken und ihn sogar noch auf die Spitze treiben. Liam Keil, ein neues Gesicht im Thik-Ensemble, mimt den bestechlichen Sergeant Davenport mit Pokerface und Sonnenbrille, während Maximilian Klimek den gestrengen Sergeant Slater schön schusselig auf die Bühne bringt. Als aufsässiger Taxifahrer Bill sorgt Christian Korte immer wieder für zusätzliche Verwirrungen.

Silvester-Premiere des Theaters in der Klinik

1/26
  • Das Ensemble: Björn Kölling, Karlheinz Arndt, Elvira Sumin (sitzend, von links), Maximilian Klimek, Ute Hilder, Liam Keil, Thomas Bongard und Christian Korte (stehend von links).

    Foto: Detlef Dowidat
  • Elvira Sumin als Jean Perkins.

    Foto: Detlef Dowidat
  • Björn Kölling spielt den Henry Perkins.

    Foto: Detlef Dowidat
  • Eine tragende Rolle spielt Henry Perkins, dargestellt von Björn Kölling.

    Foto: Detlef Dowidat
  • Der knorrige Sergeant Davenport (Liam Keil) hat Vic (Thomas Bongard) und Henry (Björn Kölling) fest im Griff.

    Foto: Detlef Dowidat
  • Um diesen Koffer mit 735 000 Pfund geht es in der Komödie.

    Foto: Detlef Dowidat
  • Jean Perkins (Elvira Sumin, links) und Betty (Ute Hilder).

    Foto: Detlef Dowidat
  • Jean Perkins (Elvira Sumin) und Vic Johnson (Thomas Bongard) staunen über den Geldsegen.

    Foto: Detlef Dowidat
  • Der Kriminalbeamte Slater (Maximilian Klimek) und Jean Perkins (Elvira Sumin).

    Foto: Detlef Dowidat
  • Mr. Big (Karlheinz Arndt) zielt auf Vic Johnson (Thomas Bongard).

    Foto: Detlef Dowidat
  • Elvira Sumin und Björn Kölling spielen das Ehepaar Perkins.

    Foto: Detlef Dowidat
  • Mr. Big (Karlheinz Arndt) droht Vic (Thomas Bongard).

    Foto: Detlef Dowidat
  • Sergeant Davenport (Liam Keil) mit Henry und Jean Perkins (Björn Kölling und Elvira Sumin) und Betty Johnson (Ute Hilder).

    Foto: Detlef Dowidat
  • Sergeant Davenport (Liam Keil) mit Vic Johnson (Thomas Bongard) und Henry Perkins (Björn Kölling, von links).

    Foto: Detlef Dowidat
  • Sergeant Slater (Maximilian Klimek) mit Henry Perkins (Björn Kölling) und Sergeant Davenport (Liam Keil, von links).

    Foto: Detlef Dowidat
  • Statt Geburtstagsfeier erleben Henry und Jean Perkins nur Turbulenzen.

    Foto: Detlef Dowidat
  • Versteckspiel mit Betty (Ute Hilder), Vic (Thomas Bongard), Henry (Björn Kölling) und Jean (Elvira Sumin, von links).

    Foto: Detlef Dowidat
  • Wer nimmt den Koffer? Betty (Ute Hilder), Vic (Thomas Bongard), Henry (Björn Kölling) oder Jean (Elvira Sumin, von links)?

    Foto: Detlef Dowidat
  • Henry Perkins (Björn Kölling) mit Mr. Big (Karlheinz Arndt) und Vic Johnson (Thomas Bongard, von links).

    Foto: Detlef Dowidat
  • Henry Perkins (Björn Kölling, links) im Gespräch mit dem Taxifahrer Bill (Christian Korte).

    Foto: Detlef Dowidat
  • Henry Perkins (Björn Kölling, stehend) klärt die Sache mit den vertauschten Koffern auf.

    Foto: Detlef Dowidat
  • Henry Perkins wird von Björn Kölling gespielt.

    Foto: Detlef Dowidat
  • Henry und Jean Perkins sprechen dem Alkohol zu.

    Foto: Detlef Dowidat
  • Henry und Jean Perkins (Björn Kölling und Elvira Sumin) mit Betty Johnson (Ute Hilder, von links).

    Foto: Detlef Dowidat
  • Bei Vic (links) und Henry dreht sich alles nur ums Geld.

    Foto: Detlef Dowidat
  • Das Ensemble mit dem Backstage-Team.

    Foto: Detlef Dowidat

Und dann ist da noch Karlheinz Arndt, der auch beim 32. Silvesterstück für Regie und Produktion zuständig ist. Auch er taucht wieder auf der Bühne auf. Ganz zum Schluss. Als Passant. Und er muss leiden. Zunächst wird er von einem Auto angefahren. Eine Platzwunde am Kopf ist sichtbares Zeichen. Und dann wird er beim Auftauchen in der Wohnung der Perkins‘ niedergeschlagen, als er radebrechend und mit Pistole immer wieder die „Aktetass“ verlangt.

Ensemble

Jean Perkins, Hausfrau (Elvira Sumin); Henry Perkins, ihr Ehemann (Björn Kölling); Bill, ein Taxifahrer (Christian Korte);Davenport, ein Kriminalbeamter (Liam KeilSlater); noch ein Kriminalbeamter (Maximilian Klimek); Betty Johnson, Hausfrau (Ute Hilder); Vic Johnson, ihr Ehemann (Thomas Bongard); ein Passant, Karlheinz Arndt. Stefan Becks.Karlheinz Arndt- Moritz Dreyer, Max Wittig, Christoph Pahl, Johannes Pahl, Niclas Knemöller, Johannes Lotz, Jakob März, Luisa Knemöller, Merle Brandebusemeyer, Jan Hackmann, Johannes Lohmöller. Arnd Tillmann, Alexandra Kattmann, Ida Rose Oxley.

...

Er entpuppt sich als der gefürchtete „Mr. Big“, der Henry Perkins die gut gefüllte Tasche abjagt und damit dem Geldsegen ein Ende setzt. Wenn da nicht noch der Taxifahrer Bill wäre. Was daraus wird, verrät das sehenswerte turbulente Stück.

„Funny Money“ ist bereits das achte Stück des britischen Erfolgsautors Ray Cooney, inzwischen 87 Jahre alt, das von der Theatergruppe des Thik auf die Bühne gebracht wird: 1995 „Außer Kontrolle“; 1997 „Es kann nur einen geben“; 2004 „Hasch mich, Genosse“; 2011 „Jetzt nicht, Liebling“; 2015 „Wie wär´s denn, Miss Markham“; 2016 „Kein Platz für Liebe“; 2017 „Doppelt Leben hält besser“. Keine Frage: Cooney ist ein Erfolgsgarant auch für die Lengericher Theaterfreunde, die gut gelaunt in die Silvesternacht entlassen wurden.

Zum Thema

Weitere Vorstellungen: Samstag, 4. Januar, 20 Uhr; Sonntag, 5. Januar, 18 Uhr; Samstag, 11. Januar, 20 Uhr; Sonntag, 12. Januar, 18 Uhr. Für diese Vorstellungen gibt es nur noch Restkarten. Vorverkauf: Fotohaus Kiepker, Lengerich; EP Bünemann, Lienen; Salon Becks, Tecklenburg; ab 6. Januar Tourist-Information Ladbergen.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7164814?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker