Rettungswache: Rüdiger Kipp übernimmt Leitung von Hartwig Hübner
„Ich wusste, die haben rote Autos“

Lengerich -

Mehr als ein Vierteljahrhundert hat Hartwig Hübner die Rettungswache Lengerich geleitet. Jetzt geht er in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Rüdiger Kipp.

Freitag, 03.01.2020, 06:16 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 06:20 Uhr
Seit vielen Jahren sind Hartwig Hübner (rechts) und Rüdiger Kipp ein eingespieltes Leitungsteam in der Rettungswache an der Schulstraße. Mit Eintritt von Hartwig Hübner in den Ruhestand übernimmt sein bisheriger Stellvertreter Rüdiger Kipp die Leitungsaufgabe.
Seit vielen Jahren sind Hartwig Hübner (rechts) und Rüdiger Kipp ein eingespieltes Leitungsteam in der Rettungswache an der Schulstraße. Mit Eintritt von Hartwig Hübner in den Ruhestand übernimmt sein bisheriger Stellvertreter Rüdiger Kipp die Leitungsaufgabe. Foto: Michael Baar

Das Datum kommt wie aus der Pistole geschossen. „15. April 1979.“ Hartwig Hübner kann ein Grinsen nicht unterdrücken, wenn es um seinen Anfang bei der Feuerwehr geht. „Dass die rote Autos haben, war so ziemlich das Einzige, was ich von der Feuerwehr wusste.“ Der Lernprozess verläuft rasend schnell. Zum 1. Februar 1992 wird der gebürtige Ladberger Leiter der Rettungswache. Zum Jahreswechsel hat er diese Aufgabe an Rüdiger Kipp abgegeben. Der ist ebenfalls Ladberger und war bisher Stellvertreter von Hartwig Hübner.

Dass Hartwig Hübner vor knapp 41 Jahren zur Rettungswache gewechselt ist, war einer Unsicherheit geschuldet. „Ich habe bei Bischof + Klein eine Ausbildung zum Elektroniker gemacht“, erzählt er. „Die Ausbildung war sehr gut, aber es war nicht sicher, ob ich übernommen werde. Da habe ich mich bei der Rettungswache als Feuerwehr-Anwärter beworben.“ Diese Berufsbezeichnung gibt es schon lange nicht mehr. Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Feuerwehrmann, es schließt sich die Qualifikation zum Rettungsdienst-Sanitäter an.

„Das ging relativ schnell, war aber mehreren glücklichen Umständen geschuldet“, blickt er auf die kurze Zeit zurück, in der er vom Auszubildenden zum Chef aufrückte. „Und ganz ehrlich: In den ersten zwei Jahren war das für mich so viel Neuland, dass ich mich gefragt habe, wie man so verrückt sein kann, neben dem Hauptberuf auch noch freiwillig im Rettungsdienst zu arbeiten?“

Eine rhetorische Frage. „Es hat Spaß gemacht, weil es eine gute Gemeinschaft war und immer noch ist“, nennt er den Grund für sein Durchhalten. Dass er laufend Lehrgänge besuchen darf – „Was man kriegen kann, muss man mitnehmen“ – ebnet den Weg in die Führungsposition.

Ein Ereignis wird er nie vergessen. „Ich war noch in der Ausbildung, hatte mich nebenbei auf die Angelprüfung vorbereitet und musste die in Greven im Rathaus ablegen. Dort wartete ich vor der Tür, als der damalige Lengericher Stadtdirektor Helmut Denter vorbeiging. Ich habe ihn gegrüßt, er mich auch.“ Eine Begegnung mit Folgen: Am nächsten Tag wird Hartwig Hübner zum Stadtdirektor gerufen. „Ob ich mich in Greven beworben habe, will er wissen. Ich konnte ihn beruhigen“, schmunzelt er.

In dem Jahr, in dem der heute 59-Jährige die Leitung der Rettungswache Lengerich übernimmt, kommt Rüdiger Kipp dorthin. Der ist seit seinem 15. Lebensjahr Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Ladbergen. Nach einer Ausbildung zum Maschinenschlosser bei Windmöller & Hölscher bewirbt er sich in Münster und Osnabrück bei der Berufsfeuerwehr. Vergeblich. Als in Lengerich eine Stelle in der Rettungswache ausgeschrieben wird, hat der heute 56-Jährige Erfolg. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, strahlt der ausgebildete Feuerwehr- und Rettungsdienst-Mann. Was er für ganz wichtig hält: „Die Familie hat immer hinter mir gestanden, trotz 24-Stunden-, Sonn- und Feiertags-Diensten.“

Seinen Chef Hartwig Hübner kennt er schon aus Jugendzeiten. „Wir haben zusammen Fußball gespielt.“ Beim Aufzählen ihrer Hobbys gibt es nur eine Gemeinsamkeit, das eigene Haus. Hartwig Hübner freut sich schon, mit dem Wohnmobil auf Tour zu gehen. Nicht um zu angeln. Die Rute hat er mit dem Fotoapparat vertauscht. „Das möchte ich intensivieren“, freut er sich auf diesen Freiraum.

Was beide seit Jahren mit Sorge verfolgen, ist die angespannte Personallage im Rettungsdienst. „Der Markt ist leer“, stellt Hartwig Hübner fest und ist keineswegs überrascht. „Früher wurden 120 Rettungs-Assistenten im Jahr ausgebildet. Seit Umstellung der Ausbildung kommen 16 Notfallsanitäter auf den Markt, im Jahr.“

Notarzt-System, neuer Standort und viele unnötige Einsätze

Viel hat sich geändert in den 40 Jahren, seit Hartwig Hübner zur Rettungswache Lengerich gekommen ist. Das Notarzt-System wurde eingeführt, ein zweiter Rettungswagen wurde in der Wache an der Schulstraße stationiert, zwischendurch wurde von Lengerich der Standort Westerkappeln mit bedient. Im Bereich Brandschutz sind Hilfsfristen dekliniert worden. „Das ist ein Orientierungsrahmen und deshalb gut“, stellt Hartwig Hübner fest. In absehbarer Zeit wird die Feuer- und Rettungswache einen neuen Standort beziehen. „Ein großer Vorteil, weil jetzt schon die Anfahrt der Feuerwehrleute ein Problem ist“, freut er sich auf den Umzug, den er nicht mehr mitmachen wird. Die Art der Einsätze hat sich stark verändert. „Wenn ein Mülleimer brennt, wird die Wehr gerufen. Dabei schreibt der Gesetzgeber vor, dass man es erst selbst versuchen muss, zu löschen“, nennt Rüdiger Kipp ein Beispiel. „Wir fahren viele Einsätze, die eigentlich nicht nötig wären“, ergänzt Hartwig Hübner.Die verbale Gewalt gegenüber den Einsatzkräften hat stark zugenommen. „Körperlicher Gewalt sind die Retter zum Glück noch nicht so viel ausgesetzt“, hoffen beide, dass es in diesem Bereich keine Eskalation gibt.

...

Die Lage in der Rettungswache Lengerich ist noch relativ gut. Da sind sich beide einig. Was auch am guten Teamgeist liegt, eine weitere Übereinstimmung. „Früher wurde in der Bereitschaft Schach, Tischtennis oder Karten gespielt“, blickt Hartwig Hübner zurück. Vorübergehend dominierten elektronische Geräte. „Gemeinsame Aktivitäten haben wieder zugenommen“, freut sich Rüdiger Kipp. Beispielhaft nennt er das gemeinsame Kochen der Schicht-Teams. Und wenn ein Alarm dazwischenkommt? „Dann werden die Sachen vom Herd genommen und zur Not anschließend kalt gegessen“, sieht er die Dinge pragmatisch.

Schließlich sind beide – und nicht nur sie – in diesen Beruf gegangen, „weil man mit begrenzten Mitteln anderen Menschen helfen kann. Das gibt ein gutes Gefühl“.

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