Negativzinsen: Noch keine Entscheidung bei der Stadtsparkasse
Geld zahlen fürs Geldanlegen

Lengerich/Tecklenburger Land -

Schon lange fährt die Europäische Zentralbank den Kurs billigen Geldes. Die jüngte Strafzinserhöhung hat nun dazu geführt, dass die VR-Bank Kreis Steinfurt Negativzinsen verlangt. Bei der Stadtsparkasse Lengerich und der Kreissparkasse ist darüber noch nicht entschieden worden

Montag, 13.01.2020, 05:08 Uhr aktualisiert: 13.01.2020, 05:10 Uhr
Die Zinsen kannten zuletzt nur eine Richtung und die zeigte nach unten.
Die Zinsen kannten zuletzt nur eine Richtung und die zeigte nach unten. Foto: Colourbox

Die Stadtsparkasse Lengerich hat nach Angaben von Achim Glörfeld in Sachen Negativzinsen noch keine Entscheidung getroffen. Der Vorstandsvorsitzende kündigte aber an, dass diese bald fallen werde – und ließ durchblicken, dass das örtliche Geldinstitut möglicherweise ähnlich handelt wie die VR-Bank Kreis Steinfurt.

Die hat nach der jüngsten EZB-Strafzinserhöhung zum Jahreswechsel ihre Preisliste angepasst und erhebt nun Negativzinsen. Das bestätigte Marcus Börgel, Bereichsdirektor Vertriebsmanagement, auf Nachfrage. Bei der Kreissparkasse Steinfurt ist der Stand nach Auskunft ihres Pressesprechers Thorsten Laumann ähnlich wie bei der Stadtsparkasse: Noch sei nicht geklärt, wie mit der jüngsten EZB-Strafzinserhöhung umzugehen ist.

Bei der VR-Bank werden nun auf Einlagen minus 0,5 Prozent Zinsen fällig, auf Zahlungsverkehrskonten (Girokonten) ein gleichhohes Verwahrentgelt. Allerdings wird es wohl für die wenigsten Privatkunden überhaupt dazu kommen, dass sie diese Negativzinsen zahlen müssen.

Zum einen liegt das daran, dass diese Zinsen nur Neuverträge betreffen; bestehende Verträge müssten gesondert angepasst werden. Zweitens werden diese Zinsen für Privatkunden erst ab 100 000 Euro Guthaben fällig, für Firmenkunden liegt die Grenze bei 250 000 Euro. Bei Firmenkunden gab es bereits zuvor Vereinbarungen, die einen Negativzins ab Einlagen von einer Million Euro vorsahen. Sparbücher, so Marcus Börgel, sind gar nicht betroffen. „Die gesetzliche Sparordnung sieht es nicht vor“, erklärt er, warum es dort keine negativen Zinsen geben wird.

Auch Stadtsparkassen-Vorstand Achim Glörfeld betont: „Den kleinen Sparer gilt es zu schützen.“ Aber er macht auch kein Hehl daraus, dass die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zum Handeln zwingen und somit bei „größeren Volumina“ Konsequenzen haben könnte.

Vor zwei Jahren, blickt er zurück, habe es am Markt noch den Glauben gegeben, 2019 könnten die Zinsen endlich wieder steigen. Doch stattdessen sei es noch einmal in die Gegenrichtung gegangen. Und angesichts der Lage sowohl innerhalb des Euroraums als auch darüber hinaus hegt Glörfeld momentan wenig Hoffnung, dass die Währungshüter in Frankfurt ihre Linie des billigen Geldes in absehbarer Zeit ändern könnten.

Der Chef der Stadtsparkasse verweist auf kränkelnde wichtige Euro-Volkswirtschaften wie Italien und die angespannte internationale Lage. Beispielsweise könnten die bestehenden Konflikte zu steigenden Ölpreisen führen, was wiederum „nicht förderlich“ für die Weltwirtschaft wäre. Eine maue Konjunktur hätte wiederum (weiter) niedrige Zinsen zur Folge.

Wie unsicher er die Lage bewertet, macht Glörfeld mit einem saloppen Satz deutlich: „Man weiß ja nicht, was Trump morgens twittert.“ Diese fehlende Verlässlichkeit habe auch zur Folge, dass Unternehmen bei Investitionen Zurückhaltung übten. Ebenfalls Gift für die Konjunktur.

Die nun eingeführten Negativzinsen haben vor allem den Zweck, die Geldhäuser vor dem Zufluss weiteren Geldes zu bewahren, das zuvor bei anderen Banken geparkt war, die nun ihrerseits zusätzliche Gebühren oder Zinsen eingeführt haben. Gerade im Bereich der Firmenkunden habe man diese Zuflüsse bereits beobachtet, erklärt Markus Börgel für die VR-Bank.

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