Steuerberatungsgesellschaft Stützpunkt setzt auf Digitalisierung
Tablet statt Aktenberge

Lengerich -

Der Schritt in die digitale Welt hat die Arbeitsweise der Steuerberatungsgesellschaft Stützpunkt gravierend verändert. Statt mit Papierunterlagen wird auf Cloud-Nutzung und andere Finessen gesetzt. Zunächst wurde intern nach „neuen Lösungen" gefahndet, dann wurde der Server zu einem IT-Dienstleister ausgelagert. Viele Belege für Buchführung und Lohnabrechnung kommen jetzt online ins Büro.

Dienstag, 14.01.2020, 05:53 Uhr aktualisiert: 14.01.2020, 06:01 Uhr
Dieser hochmoderne Scanner ist für das Geschäftsführer-Quartett Uwe Schöppner, Manfred Deske, Dr. Cord Prigge (von links) und Julia Weigandt sowie Prokurist Martin Mairose ein guter digitaler „Mitarbeiter“. Mit ihm können gleich aktenweise Belege – von der Tankquittung bis zur langen Supermarktrechnung – verarbeitet werden.
Dieser hochmoderne Scanner ist für das Geschäftsführer-Quartett Uwe Schöppner, Manfred Deske, Dr. Cord Prigge (von links) und Julia Weigandt sowie Prokurist Martin Mairose ein guter digitaler „Mitarbeiter“. Mit ihm können gleich aktenweise Belege – von der Tankquittung bis zur langen Supermarktrechnung – verarbeitet werden. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Dr. Cord Prigge nimmt seinen Tabletcomputer in die Hand und sagt: „Das ist alles, was ich heute brauche, wenn ich zu einem Mandanten fahre.“ Er ist einer von vier Geschäftsführern der Lengericher Steuerberatungsgesellschaft Stützpunkt. In seinem Beruf kennt er noch bestens die Zeiten, in denen es ohne das handliche Gerät aus dem Hause Apple gehen musste. Da sei das Auto bei Dienstfahrten manchmal mit Akten derart voll gepackt worden, dass es an seine Beladungsgrenzen gekommen sei. Vor ein paar Jahren sei dann die Entscheidung gefallen „Wir digitalisieren uns“. Ein Schritt, der die Arbeitsweise im Haus gravierend verändert hat.

Prigge und Martin Mairose , Prokurist und Kanzleimanager Digitales, betonen, dass der Steuerberaterberuf so oder so oft zu Unrecht ein „verstaubtes“ Image habe. Aber der eingeschlagene Weg mit Cloud-Nutzung und anderen Finessen habe das Unternehmen attraktiver gemacht, zeigen sie sich überzeugt – sowohl bei den Kunden als auch bei potenziellen Mitarbeitern. Mairose und Prigge verweisen beispielhaft auf einen Auszubildenden, der im vergangenen Jahr während eines Praktikums festgestellt habe, dass die technischen Möglichkeiten am Arbeitsplatz „richtig geil“ seien.

Mairose nutzt ein anderes Vokabular, um den gravierenden Wandel zu beschreiben. In mehreren Schritten sei der vollzogen worden. Zunächst habe man sich zur Aufgabe gemacht, intern „neue Lösungen“ zu finden. Vor rund drei Jahren dann der nächste Meilenstein: Der Server wurde ausgelagert nach Nürnberg zur Firma Datev , einen IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte. „Seitdem“, sagt Cord Prigge, „können wir von jedem Platz der Welt aus arbeiten.“ In der Praxis heißt das unter anderem, dass Mitarbeiter bei Bedarf von daheim aus ihren Job machen können.

Zeitgleich wurde, ebenfalls dank Datev, cloudbasiert die Möglichkeit geschaffen, dass Unternehmen, die Kunden beim Stützpunkt sind, alle Belege für Buchführung und Lohnabrechnung online erfassen und in einem kontinuierlichen Fluss an die Steuerberater übermitteln können. „Wir können die Belege dann jederzeit abrufen und verarbeiten. Papier braucht es keines mehr und Akten müssen nicht mehr hin- und hergebracht werden“, erklärt Prigge.

Martin Mairose spricht von der „totalen Transparenz“, bei der jeder Schritt für den Kunden nachvollziehbar werde und die auch einfacher umfangreiche Analysen zulasse. Für die Lengericher ein besonderer Gewinn, versteht sich die Kanzlei doch auch und nicht zuletzt als Unternehmensberatung. Cord Prigge betont, dass der Digitalisierungsprozess Freiräume geschaffen habe, die nun für dieses „Steckenpferd von uns“ genutzt werden könnten. Die große Datenbasis, die immer und überall zur Verfügung stehe, liefere zudem gute Dienste, wenn es etwa um strategische Fragen in einem Betrieb gehe.

Zur Kundschaft des 35 Personen umfassenden Teams gehören indes nicht nur Konzerne, Mittelständler Handwerksbetriebe und Vereine, sondern auch Otto Normalverbraucher. Was bedeutet die Digitalisierung in der Branche für sie? Einerseits, meint Martin Mairose, „wird da in Zukunft einiges kommen“. Andererseits macht Cord Prigge klar, dass der technische Aufwand bei einer Handvoll Belege wohl kaum lohne. Aber bei Mandanten, die eine Mietwohnung haben, könne der Einstieg in die digitale Steuerwelt das Leben schon leichter machen. So bestehe die Möglichkeit, Rechnungen und anderes einfach mit dem Handy abzufotografieren und ans Steuerberaterbüro zu schicken. Wer das konsequent mache, könne sich das Zusammensuchen der ganzen Papiere später sparen.

Dass es einst auch Mandanten waren, die die Neuausrichtung miteingefordert hätten, verschweigt Cord Prigge nicht. Es sei in der seinerzeitigen Situation wichtig gewesen, „zukunftsorientiert“ zu handeln. Der Geschäftsführer ist wieder beim iPad. Ob das Arbeiten denn auch ihm angesichts all der neuen Möglichkeiten mehr Spaß macht? „Auf jeden Fall“, versichert er – wohlwissend, dass die Zeit des Aktenschleppens vorbei ist.

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