Trägerverein soll psychisch kranken Menschen helfen
Zweite Chance für das Unikat

Lengerich -

Am 20. Dezember vergangenen Jahres ist der Schlüssel im Unikat an der Münsterstraße umgedreht worden. Aus „wirtschaftlichen Gründen“, so der Reha-Verein, habe das Arbeits- und Beschäftigungsprojekt nach gut zehn Jahren geschlossen werden müssen. Sylvia Mathäa will das so nicht hinnehmen. Zehn Jahre hat sie die Einrichtung geleitet. Dass der Schlussstrich so kurzfristig gezogen wurde, hat sie auch überrascht.

Freitag, 17.01.2020, 06:13 Uhr aktualisiert: 17.01.2020, 06:20 Uhr
Sylvia Mathäa (links) strebt einen Neustart für das Unikat an, allerdings nicht in den bisherigen Räumen an der Münsterstraße. Darauf hoffen auch Iwona Musiol, Otto Müller, Simone Schönig und Rosel Wolf (von links), die die ehemalige Unikat-Leiterin unterstützen..
Sylvia Mathäa (links) strebt einen Neustart für das Unikat an, allerdings nicht in den bisherigen Räumen an der Münsterstraße. Darauf hoffen auch Iwona Musiol, Otto Müller, Simone Schönig und Rosel Wolf (von links), die die ehemalige Unikat-Leiterin unterstützen.. Foto: Michael Baar

„25 Menschen waren im Unikat tätig, einschließlich der Ehrenamtlichen. Für die ist auf die Schnelle nichts Neues zu finden gewesen“, sagt sie im Gespräch mit den WN . Relativ problemlos sei die ganze Sache für die acht Personen auf den Werkstatt-Arbeitsplätzen über die Bühne gegangen. Die hätten neue Jobs in Werkstätten gefunden. Wobei sicherlich die Tatsache, dass der Reha-Verein zu den Ledder Werkstätten gehört, hilfreich gewesen sei.

Härter getroffen hat das „Aus“ nach ihren Worten die drei Beschäftigten, die direkt beim Unikat an ihrer Wiedereingliederung gearbeitet haben. „Die sind damit nicht klar gekommen, sind erkrankt“, erzählt sie. Die sechs Personen, die auf Zuverdienst-Basis an der Münsterstraße beschäftigt waren – „wir wissen noch nicht, wo wir die unterbringen können“, bedauert Sylvia Mathäa . Dabei hätten sich diesen Menschen durch die Arbeit im Unikat „toll stabilisiert und sind seit Jahren nicht mehr in der Klinik gewesen“. Und dann sind da noch zwei Beschäftigte, die einen Brücken-Job hatten.

„Wenn wir früher Bescheid gewusst hätten, wäre der Laden zu halten gewesen“, beklagt sie die kurzfristige Information. Mit einem anderen Konzept und weniger Leuten hätte das klappen können. Davon ist sie überzeugt und will das jetzt angehen.

Erste Gespräche hat sie geführt. „Ein Förder- oder Trägerverein ist die Lösung“, sagt Sylvia Mathäa. Derzeit werde in Kooperation mit dem Paritätischen die Satzung erarbeitet. Auf diesem Weg könnte sich eine Tür öffnen, um Unterstützung durch die Aktion Mensch zu erhalten. „Würden wir von der gefördert, wäre der Betrieb für fünf Jahre gesichert“, hat sie ausgerechnet.

Dazu gehört allerdings auch der Wegzug von der Adresse Münsterstraße, allein schon aus finanziellen Gründen, „weil die Miete nicht zu schultern ist“. Sylvia Mathäa hat sich bereits in der Stadt umgeschaut. Zwei Objekte seien von den Räumen her sehr geeignet. Aus ihrem Favoriten macht sie keinen Hehl: „Das ehemalige Kontor an der Bahnhofstraße.“ 70 Quadratmeter Verkaufsfläche plus Nebenräumen, „einfach ideal“, schwärmt sie. Zumal auch die Miete für den Förder- oder Trägerverein zu stemmen wäre.

Was die Unikat-Leiterin sehr gefreut hat in den vergangenen Wochen, waren die Rückmeldungen von Kunden. „Ich hatte Anrufe, da haben mir die Personen gesagt, sie würden jährlich 500 Euro spenden, damit das Unikat weiterlaufen kann.“ Und auch das Team der Ehrenamtlichen habe durch die Bank zugesagt, weiter zur Verfügung zu stehen.

Es soll wiederbelebt werden, allerdings mit einem anderen Konzept. Nähen, Upcycling und Nachhaltigkeit sollen im Vordergrund stehen. Der Second-Hand-Bereich wird zurückgefahren, Textilien nur noch als Spende und nicht mehr in Kommission angenommen.

Niederschwellige Arbeitsmöglichkeiten für psychisch kranke Menschen

Ziel des am 9. April 2009 eröffneten Unikats war es, Menschen mit psychischen Erkrankungen marktnahe Arbeitsplätze in Zuverdienstform auf Basis niederschwelliger Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten und diese Personen in eine öffentliche Umgebung eingliedern. Auf dieser Basis soll auch das neue Unikat arbeiten. Zielgruppe bleiben diese Menschen, die krankheitsbedingt weder einer Erwerbstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachgehen können noch die bestehenden beruflichen Integrationsinstrumente zu nutzen. Im Fokus stehen Personen mit schizophrenen und affektiven Psychosen, Persönlichkeitsstörungen, Neurosen oder Depressionen. Ergänzend könnten Menschen mit anderen psychiatrischen Erkrankungen im Unikat beschäftigt werden.Ein wichtiger Aspekt ist, diesen Menschen weiterhin das gewohnte Milieu und eine Anlaufstelle anzubieten. In einem geschützten Rahmen soll den Mitarbeitenden geholfen werden, ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Gefördert werden soll dadurch die Stabilisierung des psychischen Zustand dieser Menschen. Dieser Prozess mündet idealerweise in eine Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt.

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Das Vorstandsteam für den zu gründenden Verein hat Sylvia Mathäa zusammen. Anfang Februar hat sie als Termin für die Gründungsversammlung anvisiert. Läuft danach alles wie geschmiert, könnte das neue Unikat im Frühsommer öffnen. „Den Namen darf ich weiter nutzen“, freut sich die Initiatorin. Allerdings werde der einen Zusatz erhalten. Vielleicht ja „Unikat im Kontor“.

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Die Versammlung zur Vereinsgründung findet am Mittwoch, 12. Februar, ab 18 Uhr im Römer statt. Informationen bei Sylvia Mathäa (' 01 76/41 54 47 08).

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