Katholische Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen
Der ökofaire Paradigmenwechsel

Lengerich -

Der erste Schritt ist getan, jetzt soll der zweite folgen. Die katholische Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen will sich als ökofaire Gemeinde auf dem Level 2 zertifizieren lassen. „Eine Herausforderung“, bekennt Dr. Alois Thomes.

Dienstag, 21.01.2020, 19:21 Uhr aktualisiert: 21.01.2020, 19:30 Uhr
Pfarrer Peter Kossen, Maria Beumer und Dr. Alois Thomes (von links) erläutern, wie die katholische Pfarrei das zweite Level als Ökofaire Gemeinde erreichen will.
Pfarrer Peter Kossen, Maria Beumer und Dr. Alois Thomes (von links) erläutern, wie die katholische Pfarrei das zweite Level als Ökofaire Gemeinde erreichen will. Foto: Michael Baar

Gemeinsam mit Maria Beumer gehört er der Steuerungsgruppe an, die das Projekt koordiniert. In gut zwei Jahren, so schätzen die beiden und Peter Kossen , könnte die Zertifizierung nach Level 2 in trockenen Tüchern sein,

Zunächst ist jedoch eine Sisyphus-Arbeit angesagt: die Bestandsaufnahme aller Einrichtungen in der Pfarrei. Egal ob Kindergärten, Friedhöfe, Pfarrhäuser oder Kirchen: „Es geht um die Bilanzen in Sachen Energie- und Wasserverbrauch, die Abfallentsorgung, Ökologie und Beschaffung“, zählt Alois Thomes auf. Hilfestellung vom Bistum Münster gibt es in Form einer 56 Seiten umfassenden Checkliste.

Zugleich, darauf legt Peter Kossen als Leitender Pfarrer der Gemeinde Wert, geht es um einen Paradigmenwechsel. „Wir dürfen nicht mehr billig, sondern müssen nachhaltig denken.“ Ein einfaches Beispiel, das in der Pfarrgemeinde bereits umgesetzt worden ist: Druckerpapier muss mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ ausgewiesen sein. Bei größeren Projekten geht es dann um Antworten auf Fragen wie nachhaltige Baustoffe, menschenwürdige und gerechte Bezahlung der Arbeitnehmer und so weiter.

Erhoben werden sollen die Daten in Kleingruppen. „Ladberger kennen sich in ihrem Sprengel einfach besser aus als ein Gemeindemitglied aus Leeden“, beschreibt Maria Beumer den Ansatz, nach dem vorgegangen werden soll. Dass sich Optimierungsbedarf herauskristallisieren wird, steht für das Trio außer Frage. „Der Kindergarten in Ladbergen wird sicherlich dazugehören“, ist Peter Kossen überzeugt.

Die Bestandszahlen werden aus den Kleingruppen an die Steuerungsgruppe weitergegeben, sozusagen das Umwelt-Team der Pfarrgemeinde. Die erarbeitet die Kennzahlen und daraus eine Vorlage für den Pfarreirat und den Kirchenvorstand. Diese legen das endgültige Zahlenwerk dem Bistum vor.

Wie die Umsetzung der Erkenntnisse in die Praxis aussehen könnte, dafür verweist der Pfarrer auf Saerbeck. „Dort ist für die Schule ein Blockheizkraftwerk gebaut worden. Montags bis freitags wird die Schule geheizt, am Wochenende dann die benachbarte Kirche.“ Ein denkbares Modell für die St.-Margareta-Kirche, die in Sichtweite der neuen Gesamtschule steht? Peter Kossen hält sich bedeckt. „Wichtig ist, den Schalter im Kopf der Menschen umzulegen“, formuliert er es neutral.

Schöpfung bewahren, glaubwürdig handeln und darüber reden

Angeschoben wurde der Prozess zur ökofairen Gemeinde vor sieben Jahren bei der Erarbeitung eines lokalen Pastoralplans. Eine der Leitlinien darin: „Bewahrung der Schöpfung“ mit dem Ziel „Zukunft einkaufen“. Die nächsten Schritte lassen sich in drei Kategorien einordnen.Glaubwürdig wirtschaften: Durch Rahmenverträge sollen Ressourcen geschont werden. Dazu zählt die Zusammenarbeit mit der Einkaufsplattform der Wirtschaftsgesellschaft der Kirchen in Deutschland (WGKD) für ökologischen Einkauf von Büromaterial bis Gas und Strom.Zukunft einkaufen konkret: Als Beispiel dient die Gemeinde St. Christophorus Ladbergen, die, ausgehend vom Kindergarten, seit längerem ökofaire Putzmittel verwendet.Tue Gutes und rede darüber: Dabei geht es beispielsweise um nachhaltige Ernährung. Federführend in der Pfarrei Seliger Niels Stensen ist die Frauengemeinschaft (kfd), die in den 1990er Jahren mit dem Verkauf von Fairtrade-Produkten begonnen hat. Mittlerweile umfasst das Sortiment Kaffee und Kaffeepads, Schwarztee und andere Sorten, Rohrzucker, Rosinen, Kräutersalz, Nüsse, Honig, Kakao, Süßwaren, Schokolade, Kekse, Wein und regionale Produkte wie Liköre und Marmeladen.

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In drei Schritten soll das Ziel erreicht werden. Los geht‘s am Dienstag, 28. Januar, mit einer Auftaktveranstaltung im Gemeindehaus St. Margareta. Dort wird das Projekt vorgestellt, sollen idealerweise die Kleingruppen gebildet werden. Diese sollen bis Juli Rückmeldungen geben. Die Auswertung der Ergebnisse soll bis Jahresende der Projektgruppe vorliegen. Mitte nächsten Jahres soll klar sein, wo in der Pfarrei Handlungsbedarf besteht. Eine Umwelterklärung soll erstmals im Herbst 2021 veröffentlich werden. In zwei Jahren soll Bilanz gezogen werden, ein halbes Jahr später könnte die Zertifizierung nach Level 2 Realität werden.

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