HAG-Leiterin Angelika Heitmann geht in den Ruhestand
„Das ist meine Schule“

Lengerich -

Das Hannah-Arendt-Gymnasium – so viel wird im Gespräch mit Angelika Heitmann immer wieder deutlich – ist „meine Schule“. Seit 1985 unterrichtet sie im HAG, nicht nur in ihren Kernfächern Deutsch und Sport. 35 Jahre später haben Management-Aufgaben viel von der Unterrichtszeit abgeknabbert. Am Freitag wird die Oberstudiendirektorin, die 2012 die Leitung des Gymnasiums übernommen hat, in den Ruhestand verabschiedet.

Freitag, 31.01.2020, 06:24 Uhr aktualisiert: 31.01.2020, 06:30 Uhr
Die Oberstudiendirektorin an ihrem Schreibtisch. Heute hat Angelika Heitmann ihren letzten Arbeitstag am Hannah-Arendt-Gymnasium.
Die Oberstudiendirektorin an ihrem Schreibtisch. Heute hat Angelika Heitmann ihren letzten Arbeitstag am Hannah-Arendt-Gymnasium. Foto: mba

„Schlüssel und so, das werde ich alles abgeben“, betont sie im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Ganz weg sein von „meiner Schule“ wird sie aber nicht. „Ich werde Deutsch-Förderunterricht geben, sechs bis acht Stunden in der Woche“ erzählt die 65-Jährige. Eine entsprechende Zusatzqualifikation hat sie im vergangenen Jahr erworben - was viel über den Ehrgeiz der Pädagogin und den Anspruch an sich selbst verrät.

Ursprünglich hat die Hamburger Deern den Wunsch gehabt, Tierärztin zu werden. Geboren in Sichtweite der Landungsbrücken, hat sie danach insgesamt 18 Jahre in Feuerwachen gewohnt. „Mein Opa war in der Feuerwehr , mein Vater auch, da war das halt so“, schmunzelt sie im Rückblick. In Gelsenkirchen besucht sie die Schule, macht das Abitur.

Ihren ursprünglichen Berufswunsch durchkreuzen gleich zwei Fakten: „Bei einem Praktikum war ich fast nur in Schweineställen, das roch nie gut. Und in Münster gab es keinen Studiengang Tiermedizin“, erzählt sie. Die Wahl des Studienortes ergab sich aus der Tatsache, dass ihre Eltern damals in Altenberge wohnten.

Nach reiflicher Überlegung – „ich habe über meine Interessen nachgedacht“ – entscheidet sich Angelika Heitmann fürs Lehramtsstudium in Münster. Dort lernt sie ihren Mann Robert kennen. Das Referendariat macht sie in Coesfeld, ihre erste Stelle tritt sie 1981 am Gymnasium in Borghorst an. 1985 wechselt sie nach Lengerich. „Ich war mit unserem zweiten Kind schwanger und die Fahrerei wurde einfach zu viel“, nennt sie den Grund für den Versetzungsantrag, der Erfolg hat.

In den zurückliegenden 35 Jahre habe sich viel geändert, stellt sie fest. Wobei es eine Konstante gebe: „Semper apertus“, das Motto des Hannah-Arendt-Gymnasiums. „Das wurde und wird gelebt.“ Die Freude über das „immer offen“ ist ihr anzusehen. Der Umgang miteinander, das Austauschen unterschiedlicher Meinungen mit dem Finden gemeinsamer Lösungen – so beschreibt sie dieses Gefühl.

Die Oberstudiendirektorin über . . .

Das Hauptthema in meiner Zeit als Schulleiterin. Dass es im HAG so gut läuft, dafür stehen unter anderem die Fachleute im Kollegium. Seit 2015 ist das HAG die einzige Schule in Lengerich für Kinder der fünften bis neunten Klassen, die oft mit rudimentären Deutschkenntnissen kommen. Das ist ein Riesenaufwand, passt aber zum Schulprofil. Dass unsere Schüler so tolerant sind, hilft enorm. Wir haben am HAG für das Konzept des Landes für zieldifferenzierte Inklusion wichtige Bausteine erarbeitet. Das ist jetzt eine Rolle rückwärts. Aber in den 40 Jahren, in denen ich unterrichte, hat es immer wieder Reformen gegeben, die sich schon längst erledigt haben. Der hat sich sehr verändert, ist abwechslungsreicher geworden, die Schüler sind anspruchsvoller, die Lehrer entscheidend für den Erfolg. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Schüler gut aufgehoben fühlen. Der Beratungsbedarf ist größer geworden, gleichzeitig sind deren Erwartungen an Schule im Bereich Pädagogik/Erziehung gestiegen. Elterngespräche machen ein Drittel meiner Arbeitszeit aus.

...

Ungeachtet dessen habe sich das Leben in der Schule seit den 1980er Jahren „natürlich verändert“. Das strikte Hierarchiedenken sei aufgeweicht worden. Dass Frauen in der Schule eine Führungsposition einnehmen können – diese Erkenntnis habe sich nur langsam durchgesetzt. Angelika Heitmann wird am HAG einen nicht unwesentlichen Anteil an dieser Wende im Kopf gehabt haben. Dass sie Schulleiterin werden wollte, daraus macht sie im Gespräch mit den WN kein Hehl. „Ich hätte sicherlich woanders Leiterin eines Gymnasiums werden können“, gibt sie zu. „Aber ich wollte das nur an meiner Schule.“

Dass mit der Leitungsfunktion viele Managementaufgaben verknüpft sind, hat sie nicht gestört. „Die Schulentwicklung ist eine ständige Evaluation und Umsetzung von Erkenntnissen“, fasst sie die permanente Kommunikation mit Eltern, Schülern, Kollegium und Förderverein zusammen. Die Zusammenarbeit mit ihrem Stellvertreter Ulrich Gerling-Goedert – der nach ihrem Ausscheiden das HAG kommissarisch leiten wird – beschreibt sie mit einem Wort: „klasse“. Dass sie wesentlich zum vertrauensvollen Austausch beigetragen hat, damit rückt Angelika Heitmann erst auf hartnäckiges Nachfragen heraus. Sie steht auf, geht zum Schrank, nimmt einen Aktenordner heraus, schlägt ihn auf. „Ich habe jeden Sonntag eine Mail ans Kollegium geschrieben“, zeigt sie auf die abgehefteten Ausdrucke aus den vergangenen acht Jahren.

Ab Morgen hat sie Zeit für das, was bisher vielleicht gewünscht, aber nicht immer realisierbar war: spontan etwas mit ihrem Mann unternehmen; Sprachkenntnisse auffrischen, um ein englisches Buch lesen zu können, Garten und Freundschaften pflegen; sich ehrenamtlich engagieren. Noch vor dieser Auflistung nennt sie zwei andere Dinge. „Ich werde in diesem Jahr zwei Mal Oma“, strahlt sie. Und Reiten wird sie weiterhin. „Das war für mich bisher immer auch eine Insel, um abzuschalten von der Schule in der Natur um Lengerich.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7228280?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker