Anke Stelling stellt ihren Roman „Schäfchen im Trockenen“ vor
Eine beißende Milieu-Studie

Lengerich -

„Im bunten Strauß der Lesungen im Kulturforum ist das heute ein besonderer Höhepunkt. Wir haben mit Anke Stelling eine Autorin mit einer außergewöhnlichen Biografie zu Gast, die uns in ihrem gesellschaftskritischen Roman radikal den Spiegel vorhält“, erklärte Achim Glörfeld bei der Begrüßung.

Freitag, 31.01.2020, 19:32 Uhr aktualisiert: 03.02.2020, 18:07 Uhr
Ging auf die Fragen aus dem Publikum ein, ließ aber offen, ob sie in dem Roman „Schäfchen im Trockenen“ ihr eigenes Leben beschreibt: Autorin Anke Stelling.
Ging auf die Fragen aus dem Publikum ein, ließ aber offen, ob sie in dem Roman „Schäfchen im Trockenen“ ihr eigenes Leben beschreibt: Autorin Anke Stelling. Foto: Detlef Dowidat

Der Vorstand der Stadtsparkasse, die das Kulturforum als Stiftung betreibt, blickte ein wenig auf den Werdegang und die jüngsten Erfolge der Schriftstellerin zurück, um dann festzustellen: „Einiges aus ihrem persönlichen Leben ist in ihr neues Werk eingeflossen“.

Mit „Schäfchen im Trockenen“ ist Anke Stelling ein sozialkritisches Werk gelungen, das im vergangenen Jahr mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. „Eine beißende Milieu-Studie“, ergänzte Achim Glörfeld . Die Autorin bemerkte zu Beginn der Lesung, die leider vor sehr kleinem Publikum stattfand, dass es nicht ganz einfach sei, den Inhalt in diesem engen Zeitrahmen vorzustellen. Daher griff sie zwischendurch zu Erklärungen.

Anke Stelling machte auch deutlich, dass es zwischen der Protagonistin des Romans, Resi, und ihr viele Gemeinsamkeiten gebe, so dass durchaus der Verdacht aufkommen könne, es sei ihre eigene Biografie. Beide Frauen stammen aus Schwaben, beide hat es früh nach Berlin verschlagen, um alternativ zu leben, beide sind Schriftstellerinnen, beide sind verheiratet. Resi hat vier Kinder, Anke Stelling drei.

Die Frage aus dem Publikum, ob die Autorin ihr eigenes Leben beschreibt, wurde nicht ganz eindeutig beantwortet, also auch nicht eindeutig dementiert. Die Ähnlichkeiten sind nicht zu übersehen, dass wurde in der 50-minütigen Lesung deutlich. Beide haben einen Roman über das wohlstandsverwahrloste Baugruppen-Milieu in Berlin geschrieben, zu dem sie – wenigstens an den Rändern – selbst gehören. Die darin porträtierten Freunde haben das sehr übel genommen.

Bei Anke Stelling haben sich die Wogen gut drei Jahre nach dem Romanerfolg von „Bodentiefe Fenster“ wieder halbwegs geglättet, Resi hatte weniger Glück. Sie wird als Nestbeschmutzerin hart abgestraft: Ein einstiger Kumpel kündigt ihrer sechsköpfigen Familie eingeschnappt den Untermietvertrag. Und weil Einlenken Resis Sache nicht ist, bleibt nur der Umzug an den äußersten Rand der Stadt.

Ihren schonungslosen Bericht adressiert Resi an das älteste ihrer vier Kinder, die 14-jährige Bea, die nicht in die gleichen Fallen tappen soll wie ihre Mutter. Der Roman „Schäfchen im Trockenen“, der auch verfilmt wird, ist nicht zuletzt auch eine Milieu-Beschreibung, die die steigenden Berliner Innenstadt-Mieten ins Visier nimmt.

Die Autorin stand nach der Lesung den Besuchern noch lange für Fragen zur Verfügung. Anke Stelling machte keinen Hehl daraus, dass ihr Buch aufrütteln soll und sehr unterschiedlich gelesen wird. „Für die Privilegierten ist es schmerzhafter, die einfachen Leute nehmen den Inhalt leichter auf“, stellte die Schriftstellerin fest, die im März einen Kinderroman auf der Leipziger Buchmesse präsentieren wird.

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