LWL-Klinik: Denkmalgeschützter Komplex wird zum Kern des 60 Millionen-Euro-Projektes
Zurück zu den Wurzeln

Lengerich -

Im Sommer 2021 soll ein neues Kapitel in der Geschichte der LWL-Klinik aufgeschlagen werden. Dann, so der Plan des Landschaftsverbands, beginnt eine umfangreiche Modernisierung der Einrichtung mit dem Abriss und Neubau von Gebäuden. Im Zentrum des 60-Millionen-Euro-Vorhabens steht der denkmalgeschützte Komplex aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Mittwoch, 05.02.2020, 17:54 Uhr
Der denkmalgeschützte Bereich der LWL-Klinik ist Kern der Neukonzeption. Dort werden vor allem im nördlichen Bereich zum Teuto Neubauten entstehen, die alten Gebäude werden überwiegend grundlegend saniert und modernisiert, ein kleinerer Teil des Komplexes wird abgerissen.
Der denkmalgeschützte Bereich der LWL-Klinik ist Kern der Neukonzeption. Dort werden vor allem im nördlichen Bereich zum Teuto Neubauten entstehen, die alten Gebäude werden überwiegend grundlegend saniert und modernisiert, ein kleinerer Teil des Komplexes wird abgerissen. Foto: Landschaftsverband Westfalen-Lip

Die LWL-Klinik steht vor einerhistorischen Zäsur. Im Sommer 2021, so der Zeitplan des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe , sollen Bauarbeiten beginnen, an deren Ende eine komplette Neustrukturierung steht. Angestrebt wird eine Konzentration auf den denkmalgeschützten Bereich rund um den Innenhof. Über geschätzt rund zehn Jahre werden in den Standort Lengerich über 60 Millionen Euro investiert.

Thomas Voß , Kaufmännischer Direktor der LWL-Klinik, spricht mit Blick auf die Pläne von einem „fantastischen Kompromiss“. Damit meint er, dass aus Sicht des Landschaftsverbandes einerseits den historischen Gegebenheiten der über 150 Jahre alten Einrichtung Rechnung getragen, andererseits die psychiatrische Klinik zukunftsfähig gemacht wird. Die Zukunftsfähigkeit, so der ärztliche Direktor Dr. Christos Chrysanthou, sei 2008 der Ausgangspunkt für das Projekt gewesen.

Dabei sei auch die Frage diskutiert worden, ob das am Teuto in Lengerich zu gewährleistet ist oder ein Neubau an anderer Stelle möglicherweise die bessere Lösung sein könnte. Schnell sei aber klar gewesen, dass man am Standort festhält.

Zahlen und Fakten

Der Grundstein für die heutige LWL-Klinik wurde 1862 gelegt, die ersten Patienten zogen im Herbst 1864 ein. In der Einrichtung können knapp 300 Patienten mit psychischen Erkrankungen behandelt werden (an allen zum Haus gehörenden Standorten sind es rund 350). Beschäftigte gibt es fast 1000, davon sind nach Angaben des Kaufmännischer Direktor der LWL-Klinik, Thomas Voß, circa 300 Lengericher.

...

Der erfährt nun einen radikalen Wandel. Helmut Gesmann vom LWL-Bau- und Liegenschaftsbetrieb erläutert am Mittwoch, dass mehrere Neubauten an den historischen Baukörper angegliedert werden. Im nördlichen Bereich wird ein Teil der alten Gemäuer aber auch abgerissen. In den neuen Gebäuden will der LWL die Patienten unterbringen und auch einen neuen Haupteingang schaffen. Im Hauptgebäude mit den beiden Türmen soll weiterhin die Verwaltung beheimatet sein, in den Flügeln unter anderem Therapie-Einrichtungen. In den alten Gebäuden 4 und 5 am nördlichen Ende des Innenhofes soll ein Restaurant eingerichtet werden, möglicherweise mit Café, das auch auswärtigen Gästen offenstehen werde, so Thomas Voß. Gedacht ist dabei unter anderem an Wanderer und Pilger. Vorgesehen ist zudem die Sanierung und Entkernung des über 150 Jahre alten Ursprungskomplexes und auch die Neugestaltung des Innenhofes, in dem laut LWL ein „offener, qualitativ anspruchsvoller und angenehmer Raum des Schutzes und des Miteinanders für Patienten, Besucher und Mitarbeiter entsteht“.

Für die nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem westlichen Teil des parkähnlichen Geländes entstandenen Häuser gibt es nach den Worten von Gesmann auf Dauer keine Nutzung mehr, „langfristig“ sei deren Abriss vorgesehen. Das alles hat zur Konsequenz, dass sich die überbaute Fläche von etwa 20 700 Quadratmeter auf rund 11 500 Quadratmeter reduziert und die genutzte Raumfläche von über 71 000 Quadratmeter auf knapp 38 000 Quadratmeter. Diese Verkleinerung führe jedoch weder zu einer Einschränkung der Kapazitäten noch bei der Qualität. Im Gegenteil, versichern die Verantwortlichen: Die komprimierte Bauweise biete kürzere Wege und es ergäben sich viele Synergieeffekte sowie erhebliche Kosteneinsparungen, etwa bei der Energieversorgung.

Wie Gesmann weiter sagt, laufen die planerischen Arbeiten „an allen Fronten auf Hochtouren“. Der Grundsatzbeschluss seitens des LWL für das Projekt ist bereits vor längerer Zeit gefasst worden, in diesem Jahr sei noch der Baubeschluss vorgesehen, so der Mann vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb. Dann wird auch feststehen, wie die Neubauten aussehen werden. Dazu gibt es nach Angaben von Gesmann bereits eine Reihe von Ideen – zum Beispiel Holzfassaden für die dem Teuto zugewandten Gebäude oder die Wiederverwendung alter Ziegelsteine, nach dem Abriss besagter alter Gebäudeteile –, fix sei aber noch nichts. Umgesetzt werden soll das Gesamtvorhaben in drei Abschnitten. Allein für den ersten, der vor allem den Bau eines zweigeschossigen Krankengebäudes für circa 120 Patienten im Nordteil beinhaltet, werden zweieinhalb bis drei Jahre veranschlagt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7241242?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker