Ungewöhnlicher Gast bei Probe des MGV „Heimatklang“
Deutsches Liedgut für einen Brasilianer

Lengerich -

Vor knapp 100 Jahren ist sein Vorfahr nach Brasilien ausgewandert. Friedrich Saatkamp stammt aus der Bauerschaft Ringel. Jetzt hat sein Enkel dem MGV „Heimatklang“ Settel einen Besuch abgestattet. Die Gelegenheit ergab sich, weil Dr. Eno Saatkamp beruflich nach Europa gekommen war. Die Sänger erfüllten seinen Wunsch nach deutschem Liedgut.

Donnerstag, 06.02.2020, 18:40 Uhr aktualisiert: 07.02.2020, 16:34 Uhr
Bei der jüngsten Probe des MGV „Heimatklang“ war Eno Saatkamp (erste Reihe, Mitte) aus Brasilien zu Gast.
Bei der jüngsten Probe des MGV „Heimatklang“ war Eno Saatkamp (erste Reihe, Mitte) aus Brasilien zu Gast. Foto: Günther Tierp

Beim jüngsten Probe-Abend des MGV „Heimatklang“ Settel gab es einen besonderen Gast. Dr. Eno Saatkamp aus Santa Maria im Bundesstaat Rio Grande do Sul in Brasilien weilte zum Verwandtenbesuch in Lengerich. Da die 1924 nach Übersee ausgewanderte Familie sehr musikalisch war, verwundert es nicht, dass Eno Saatkamp seine Liebe für die deutsche Volksmusik entdeckt hat.

„Leider habe ich kein Instrument gelernt und kann – so sagt man – auch nicht singen, aber ich höre die Lieder doch sehr gern,“ erklärte der promovierte Elektroingenieur schmunzelnd. „Dein Opa konnte fantastisch Mundharmonika spielen“, erinnerte sich Ernst Saatkamp, worauf der Gast aus Brasilien erklärte, dass diese Mundharmonika sich noch in seinem Besitz befinde.

Dein Opa konnte fantastisch Mundharmonika spielen.

Ernst Saatkamp

Der Professor der Universität in Santa Maria – er befasst sich mit der Verbesserung von GPS-Systemen – nutzte einen beruflichen Aufenthalt in der Schweiz, um in Europa Spurensuche zu betreiben. 1924 wanderten die Setteler Nachbarjungen Friedrich Saatkamp (21) und Friedrich Riesenbeck (19) aufgrund der Armut und den Folgen der Hyperinflation nach Brasilien aus. Sie stammten aus der Heuer der Höfe Mersmann beziehungsweise Johann to Settel.

30 Hektar Urwald gerodet

In Brasilien wurde ihnen in der Region Aratiba im Bundesstaat Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens eine Parzelle steiniges Land zugewiesen. Es muss dort eine große Plackerei gewesen sein, ohne Aussicht auf ein ausreichendes Auskommen. Erst im circa 800 Kilometer nördlich gelegenen Palotina im Bundesstaat Parana fanden die Beiden ihr Glück. Mit Landwirtschaft wie Soja-, Mais- und Weizenanbau sowie Milchwirtschaft erarbeiteten sie sich einen bescheidenen Wohlstand.

Erstes Wiedersehen nach 30 Jahren

 

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Während Eno Saatkamp die Wurzeln seiner Familie erkundet, bereiten die Verwandten in Brasilien unter der Federführung von Paolo Saatkamp ein großes Familientreffen vor. Am 22. Februar werden sich über 300 Verwandte aus Brasilien, Paraguay, Nordamerika und Europa in Concordia SC treffen, um die Ahnen zu ehren, die Geschichte der Familie fortzuschreiben und die familiären Bindungen zu stärken, heißt es in einer Ankündigung.

Suche nach einem Familienzweig in Tecklenburg

Eno Saatkamp erklärte, wie sehr die sozialen Netzwerke die Suche und den Kontakt zu neuen und alten Verwandten erleichtert habe. Mit Hilfe der Historikerin Brigitte Jahnke vom Gesprächskreis Familienforschung Tecklenburger Land will er klären, ob es auch eine verwandte Linie der Saatkamps in Tecklenburg gegeben hat.

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