Ein großer Haufen Brötchen und Brotscheiben
Reich gedeckte „Tafel“ am Straßenrand

Lengerich -

Wer die Ladung Brötchen und Brotscheiben auf der Bankette am Sonnehügeldamm abgeladen hat, wird sich wohl nicht ermitteln lassen. Eine WN-Leserin hat das der Redaktion gemeldet. Die hat bei Bäckern nachgefragt, was mit alten Backwaren geschieht.

Donnerstag, 06.02.2020, 19:52 Uhr aktualisiert: 07.02.2020, 16:34 Uhr
Der Haufen aus Brötchen und Brotscheiben erweckt nicht den Eindruck, versehentlich aus einem fahrenden Wagen herausgefallen zu sein.
Der Haufen aus Brötchen und Brotscheiben erweckt nicht den Eindruck, versehentlich aus einem fahrenden Wagen herausgefallen zu sein. Foto: Michael Baar

Gut 50 Brötchen – Weizen und Körner gemischt – dazu noch weit mehr Brotscheiben. Was an einen gedeckten Frühstückstisch für eine große Gruppe denken lässt, ist in Wahrheit eine Sauerei. Die Backwaren liegen als Haufen auf der Bankette am Sonnenhügeldamm, kurz vor der Autobahnbrücke. Entdeckt hat das eine WN-Leserin am Donnerstagmorgen und ist zurecht empört über diesen Fund.

Das ist eine Ordnungswidrigkeit.

Martin Pogrifke, Stadt Lengerich

Der Verursacher für diesen nicht zu fassenden Umgang mit Lebensmitteln wird sich vermutlich nicht ermitteln lassen. Diese Einschätzung teilt Martin Pogrifke, Leiter des Fachdienstes Sicherheit und Ordnung in der Stadtverwaltung. Bei der Tat handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße ab 50 Euro aufwärts geahndet wird. In diesem Fall werden die Mitarbeiter des Baubetriebshofes der Stadt die Backwaren entsorgen müssen.

Retouren werden in den Bäckereien gesammelt

Ob die einzelne Tüte, die im Haufen liegt, einen verlässlichen Hinweis gibt? Zweifel sind erlaubt. Der Aufdruck weist auf die Bäckerei Kiepenkerl hin. Das Grevener Unternehmen unterhält eine Filiale in Lengerich. Ein Anruf in der Emsstadt ergibt wenig Konkretes. „Der Chef ist krank“, heißt es am Telefon. Ergänzt um die Hinweise, dass nicht verkaufte Backwaren als Retoure zurück in die Zentrale kommen. Dort werden sie inspiziert, Teile eventuell zu Paniermehl weiterverarbeitet.

Grund genug, stichprobenartig bei anderen Bäckern nachzufragen. „Die Retouren werden in den einzelnen Geschäften eingesammelt und zurückgebracht“, erläutert Pascal Klinker das Prozedere. Im Stammhaus der Bäckerei Blömker an der Ladberger Straße werden die Rückläufer kontrolliert. Da kommt es darauf an, ob die Backwaren noch in einwandfreiem Zustand sind. „Einen großen Teil geben wir an die Tafel weiter“, sagt der Inhaber. Ein sehr geringer Teil werde zu Paniermehl weiterverarbeitet. „Das hat heute längst nicht mehr die Bedeutung wie früher.“ Der Rest müsse entsorgt werden, was über eine Firma erfolge.

Einen großen Teil geben wir an die Tafel weiter.

Pascal Klinker, Inhaber der Bäckerei Blömker

„Ich bin schockiert“, sagt Anja Meister zu dem Vorfall und fügt hinzu: „Kein Bäcker wird Brot auf die Straße werfen.“ Die Chefin der in Bad Iburg ansässigen Bäckerei Mittelberg hat einen anderen Weg gefunden, wie die Rückläufer aus den Filialen – unter anderem in Lengerich – weiterverwertet werden. „Die Retouren kommen nicht wieder in die Backstube, sondern werden vorsortiert“, erläutert die Bäckermeisterin. Zu fast 100 Prozent gehen die Reste dann an einen Familien-Bauernhof im Emsland. Dort werden die Backwaren mit Molke gemischt und als Schweinefutter eingesetzt. „Ich habe mir das angeschaut und war begeistert, wie das alles läuft“, sprudelt es aus ihr heraus.

Da bekommt der Begriff „Schnitzelbrötchen“ gleich eine ganz andere Bedeutung . . .

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