Ungebremst und unter Alkoholeinfluss auf stehenden Wagen aufgefahren
Geldstrafe für den Unfallverursacher

Lengerich/Tecklenburg -

Erinnerungen an den Unfall hat der 27-jährige Ibbenbürener nach eigenen Angaben nicht. Vor dem Amtsgericht Tecklenburg musste sich der Autofahrer jetzt dafür verantworten, dass er am 11. Februar 2019 einem 18-jährigen Lengericher ungebremst in den Wagen gefahren war. Die Vorwürfe an den Ibbenbürener: gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, gefährliche Körperverletzung, fahren ohne Führerschein unter Alkoholeinfluss.

Freitag, 07.02.2020, 06:03 Uhr aktualisiert: 07.02.2020, 16:34 Uhr
Mit hoher Geschwindigkeit war am Abend des 11. Februar 2019 der Angeklagte mit seinem Wagen (rechts) auf das haltende Fahrzeug eines 18-jährigen Lengerichers aufgefahren, der von der Ladberger Straße in eine Grundstückseinfahrt abbiegen wollte.
Mit hoher Geschwindigkeit war am Abend des 11. Februar 2019 der Angeklagte mit seinem Wagen (rechts) auf das haltende Fahrzeug eines 18-jährigen Lengerichers aufgefahren, der von der Ladberger Straße in eine Grundstückseinfahrt abbiegen wollte. Foto: NWM-TV

Er könne sich an nichts erinnern, sagte der 27-jährige Ibbenbürener bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Tecklenburg. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, am 11. Februar 2019 auf der Ladberger Straße in Lengerich einen schweren Unfall verursacht zu haben. Die Anklage lautete auf gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, gefährliche Körperverletzung und fahren ohne Führerschein – unter Alkoholeinfluss. Einzeltaten, die zusammengenommen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe geahndet werden.

Mit hoher Geschwindigkeit aufgefahren

Der Ablauf des Unfalls wurde von der Polizei wie folgt rekonstruiert: Der Unfallgeschädigte, ein 18 Jahre alter Lengericher, wollte mit seinem Wagen nach links in die heimische Grundstückseinfahrt einbiegen. Da ihm aus Richtung Ladbergen ein Fahrzeug entgegenkam, wollte er dieses passieren lassen und hielt seinen Wagen an. Ein in Richtung Ladbergen fahrendes Auto, ein Fiat Lancia, fuhr nach Angaben der Polizei mit hoher Geschwindigkeit ungebremst auf den haltenden Wagen des Lengerichers auf, der sich dabei leichte Verletzungen zuzog. „Ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist“, bemerkte der Richter bei der Sichtung der Unfallfotos.

Ein Wunder, das nicht mehr passiert ist.

Richter beim Betrachten der Unfallbilder

Schon am Unfallort fiel der Tatverdächtige durch seine Aussagen und sein Verhalten auf. Behauptete er zunächst, zufällig als Fußgänger unterwegs gewesen zu sein, erfand er später einen – ihm nicht näher bekannten – „Freund“, der gefahren sei. Diese Aussage hatte zur Folge, dass Polizei und Rettungskräfte stundenlang die Gegend absuchten, auch ein Polizeihubschrauber kam zum Einsatz, ohne Erfolg.

Der arbeitslose Angeklagte begründete seine erheblichen Erinnerungslücken mit seiner Alkoholkrankheit. Inzwischen habe er das Problem erkannt, eine Entgiftung gemacht und beginne bald eine Therapie. Eine Blutprobe am Unfallabend hatte einen Wert von 2,52 Promille Alkohol im Blut ergeben. „Einen Wert, bei dem mancher von uns nicht mehr gerade stehen könnte,“ so der Richter.

Die Beweisaufnahme und die Vernehmung der Zeugen entwarfen für das Gericht ein schlüssiges Bild, um dem Angeklagten die Taten nachzuweisen. Es stellte sich heraus, dass er das Fahrzeug erst wenige Stunden zuvor in Osnabrück gekauft hatte. Ein Zeuge, der als Erster am Unfallort eingetroffen war, schilderte, dass sich außer dem Angeklagten und dem Geschädigten niemand an der Unfallstelle aufgehalten habe.

Widersprüchliche Angaben

Die medizinische Untersuchung des Angeklagten hatte ergeben, dass er frische Verletzungen davongetragen hatte, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem Unfall herrührten. Besonders „Gurtmale“ auf der linken Schulter (Fahrerseite) belasteten den jungen Mann schwer. Auch dass die Beifahrertür seines Wagens sich nach dem Unfall nicht öffnen ließ, sprach nicht für seine Version der Geschichte. Ausschlaggebend aber war die forensische Untersuchung des Fahrerairbags. Dort wurden ausschließlich DNA-Spuren des Angeklagten gefunden.

Das Gericht verurteilte den nicht vorbestraften Mann zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro. Der Richter hielt es für notwendig, deutlich zu machen, dass 1800 Euro für einen Harz IV-Empfänger eine harte Strafe bedeuteten, zumal der Verurteilte auch die Kosten des Verfahrens zu tragen habe. Darüber hinaus wurde dem Mann, der bereits 2012 seinen Führerschein abgeben musste, für ein weiteres Jahr das Erlangen einer Fahrerlaubnis untersagt.

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