Bischof + Klein erwartet Rückenwind vom neuen Innovationszentrum
Kontinuierliches Wachstum als Ziel

Lengerich -

Im vergangenen September ist bei Bischof + Klein in Lengerich ein Innovationszentrum eröffnet worden. Das soll wesentliche Impulse für das weitere Wachstum liefern, erläutert B+K-Vorstandsvorsitzender Dr. Tobias Lührig. Gegenüber den WN äußert er sich zu den Zielen des Unternehmens.

Freitag, 07.02.2020, 16:34 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 16:04 Uhr
Im Innovationszentrum hat Bischof + Klein Entwicklung, Datenanalyse, Versuche und Austausch mit Kunden und Lieferanten zusammengeführt. Patrik Punco (links), Julia Rüttering und Waldemar Repp (rechts) arbeiten im Excellence Hub. Vorstandsvorsitzender Dr. Tobias Lührig erwartet in diesem Jahr ein leichtes Umsatzwachstum beim Verpackungsmittelspezialisten.
Im Innovationszentrum hat Bischof + Klein Entwicklung, Datenanalyse, Versuche und Austausch mit Kunden und Lieferanten zusammengeführt. Patrik Punco (links), Julia Rüttering und Waldemar Repp (rechts) arbeiten im Excellence Hub. Vorstandsvorsitzender Dr. Tobias Lührig erwartet in diesem Jahr ein leichtes Umsatzwachstum beim Verpackungsmittelspezialisten. Foto: Michael Baar

Zwar ist der Umsatz 2019 leicht zurückgegangen, auf 540 Millionen Euro, doch erwartet das Familienunternehmen Bischof + Klein für 2020 und die Folgejahre ein kontinuierliches Wachstum. „Wir peilen einen Zuwachs von zunächst mindestens drei Prozent an“, erklärt Vorstandsvorsitzender Dr. Tobias Lührig im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten . Er ist vorsichtig optimistisch, was die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in Europa angeht, und überzeugt von den Vorteilen der flexiblen Kunststoffverpackung. Aller Kritik am Werkstoff Kunststoff zum Trotz: „Die flexible Kunststoffverpackung bietet die größten Entwicklungschancen für mehr Nachhaltigkeit.“

Wesentliche Impulse für Wachstum und Innovation soll das im vergangenen September am Stammsitz Lengerich eröffnete Innovationszentrum liefern. Dieses gliedert sich in zwei Bereiche: Im „Excellence Hub“ arbeiten Entwickler, Datenanalysten und die Abteilung „Excellence“ zusammen. Es dient zugleich als Forum für den Austausch zwischen Kunden, Lieferanten, B+K-Experten und Wissenschaftlern. Im „Innovation Lab“ fahren Techniker und Ingenieure auf einer Laboranlage Versuche mit neuen Folien. Weitere Maschinen sollen folgen.

„Wir haben traditionell gute Entwickler“, so Tobias Lührig stolz. Sie bekommen nun noch mehr Unterstützung. Dafür sorgt eine umfassende Aufbereitung aller Daten aus dem gesamten Unternehmen, auch aus dem Werk Konzell. Daran arbeitet Datenanalyst Patrik Punco: „Ich erstelle beispielsweise Dashboards, mit denen wichtige Informationen übersichtlich dargestellt werden. Dafür werden Zahlen aus unterschiedlichen Datenquellen entnommen, und das zum Teil fast in Echtzeit.“ Das Excellence-Team entwickelt außerdem zusammen mit anderen Unternehmensbereichen wie Produktion, Vertrieb oder Einkauf neue Programme und Strategien, um Trends frühzeitig zu erkennen, Qualität und Effizienz zu steigern.

Tobias Lührig: „Die Ansprüche unserer Kunden werden immer spezifischer, und sie erwarten Lösungen immer schneller.“ Da hilft das Innovationszentrum. Hier können Kunden ein neues Produkt ansehen. Im integrierten Labor wird es geprüft, und gewünschte Änderungen lassen sich auf der Laboranlage schnell ausprobieren. „Wenn wir bisher neue Materialien testen wollten, mussten wir auf freie Zeiten an einer der Produktionsanlagen warten“, erläutert der Entwicklungsingenieur David Köppe. Was schon mal mehrere Wochen dauern konnte. Dieses Handicap fällt jetzt weg. Stattdessen hat Tobias Lührig eine ganz andere Vision: „Wir wollen durch die Konzentration aller Kräfte die Wünsche unserer Kunden erfüllen und ihre Probleme lösen, noch bevor sie sie selbst erkannt haben.“

Viel ändert sich bei Bischof + Klein auf dem Weg zu Industrie 4.0. Kommunikation ist wichtig, um alle 2800 Mitarbeiter mitzunehmen und auf dem Laufenden zu halten. Für die rund 2100 deutschen Mitarbeiter wurde deshalb in eine eigene App fürs Smartphone investiert. „ B+K to go“ hat eine öffentliche Seite, die aktuelle Informationen zum Unternehmen liefert. Im internen Bereich können Mitarbeiter sich direkt zu Projekten austauschen und erfahren, was bei B+K läuft. Dieser neue Kommunikationskanal kommt gut an: In den ersten eineinhalb Monaten haben bereits über 800 Mitarbeiter die App aufs Smartphone geladen.

Brandneu ist eine von B+K-Mitarbeitern selbst entwickelte App, die den Vertrieb unterstützen soll: „Damit können unsere Kollegen sich jederzeit einen Überblick verschaffen, wie der Entwicklungsstand eines Produkts für einen Kunden ist oder wie weit die Verhandlungen für einen Auftrag sind. Und sie können direkt beim Kunden vor Ort wichtige Informationen weitergeben“, so Dr. Tobias Lührig, der die Entwicklung der App gespannt mitverfolgt hat.

Allein in die Bündelung der Kräfte für Innovation und Digitalisierung hat das Unternehmen im vergangenen Jahr über eine Million Euro investiert. In diesem Jahr liegen die Investitionen in Deutschland insgesamt bei circa 25 Millionen Euro. Dazu gehört eine geplante Transportbrücke über den Hullmanns Damm. Sie soll für eine bessere Anbindung der Produktion an das Lager von LSL (Logistik Service Lengerich) sorgen und den internen LKW-Verkehr deutlich reduzieren.

Zwar sei die Stimmung in der Industrie eher gedämpft, so Tobias Lührig. Trotzdem blieb die Kurzarbeit, die Ende vergangenen Jahres in zwei Bereichen beantragt werden musste, nur ein kurzes Kapitel. Sie wurde wie geplant in dieser Woche beendet. Knapp 100 Mitarbeiter waren ursprünglich betroffen, zuletzt aber nur noch 20.

Die Gründe für den Einschnitt beschreibt der Vorstandsvorsitzende im Gespräch mit den WN so: „Insgesamt haben Unwägbarkeiten wie der Brexit und die Zollstreitigkeiten zwischen den USA und China die Wirtschaft belastet. Hinzu kam eine schwache Nachfrage bei unseren Kunden insbesondere bei Vorprodukten der Automobilindustrie. Und zum Jahresende haben Kunden ihre Lager abgebaut.“

Auf den Brexit hat B+K sich seit Monaten vorbereitet. Das Tochterunternehmen B+K UK ist einer der großen Anbieter von flexiblen Konsumverpackungen im britischen Markt. „Vorsichtshalber haben wir Hallen angemietet und dort Rohstoffe eingelagert“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Die würden für mehrere Wochen reichen. „Aber wenn eine Farbe oder ein Zusatzstoff nicht verfügbar wäre ...“, lässt Tobias Lührig den Satz unvollendet. Bei den Kunden in Großbritannien sei die Stimmung allerdings recht entspannt.

Heiß diskutiert wurden in der Verpackungsbranche im vergangenen Jahr die Recyclingfähigkeit und der Einsatz von Recyclingmaterial in Kunststoffverpackungen. Auch Bischof + Klein hat sich intensiv damit auseinandergesetzt. „Umweltfreundliche Verpackungen liegen vielen Verbrauchern am Herzen, gleichzeitig sind sie häufig nicht ausreichend informiert über die ökologischen Vorteile von flexiblen Kunststoffverpackungen“, bedauert Tobias Lührig. Der Vorstandsvorsitzende nennt zwei Beispiele: Folienverpackungen sind in den vergangenen Jahren um bis zu 30 Prozent dünner geworden und haben oft einen besseren ökologischen Fußabdruck als Papier oder Glas. Und viele Verpackungen von B+K bestehen vollständig aus Polyethylen, einem Material, das sich hervorragend recyceln lässt. Paradebeispiel ist der B+K Twister Plus, der außerdem mit 30 Prozent Rezyklat hergestellt wird. Diese Verpackung für Toilettenpapier wurde 2019 mit dem Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Gleichbleibender oder noch besserer Schutz von hochwertigen Produkten wie zum Beispiel Kaffee oder Tiernahrung, weniger Materialeinsatz und mehr Recycling – ein schwieriger Spagat. Und eine Übung, die das 127 Jahre alte Familienunternehmen bestens beherrscht. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Tobias Lührig verweist auf die entsprechenden Entwicklungen im Haus. „Wir bleiben am Ball“, lacht der B+K-Chef. Zahlreiche Zertifikate und Auszeichnungen belegen das. Wie´s weitergeht? Das will er (noch) nicht verraten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7245446?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Belohnung nach Explosion in Lienen ausgesetzt
5000 Euro für Hinweise : Belohnung nach Explosion in Lienen ausgesetzt
Nachrichten-Ticker