Orkan-Bilanz in Lengerich
„Sabine“ verursacht kaum Schäden

Lengerich -

Orkan „Sabine“ hat auch in Lengerich Spuren hinterlassen. Allerdings wurden bei Weitem nicht so viele Schäden registriert wie noch bei „Kyrill“ (2007) und „Friederike“ (2018).

Montag, 10.02.2020, 16:38 Uhr aktualisiert: 11.02.2020, 17:28 Uhr
Auf der Sudenfelder Straße musste die Feuerwehr zwei Bäume von der Fahrbahn holen.
Auf der Sudenfelder Straße musste die Feuerwehr zwei Bäume von der Fahrbahn holen. Foto: Freiwillige Feuerwehr Lengerich/Paul Meyer zu Brickwedde

Ein voll gelaufener Keller, der leer gepumpt werden musste, eine Brandmeldeanlage, die einen Fehlalarm ausgelöst hat, zwölf Einsätze wegen umgestürzter Bäume – für die Lengericher Feuerwehr hielt Orkan „Sabine“ durchaus Arbeit bereit. Aber aus Sicht von Thorsten Budzinski kam die Stadt angesichts der Prognosen der Wetterexperten glimpflich davon. Die für den Leiter der Freiwilligen Wehr wichtigste Nachricht: „Es ist niemand zu Schaden gekommen.“

Seit den Nachmittagsstunden am Sonntag war seinen Worten zufolge ein Zug mit 20 Einsatzkräften damit beschäftigt, die Folgen des Unwetters zu beseitigen. Da die Meldungen über Orkanschäden „nicht schlagartig“, sondern nach und nach in der Wache ankamen, habe die Feuerwehr alles kontinuierlich abarbeiten können. Bis 4 Uhr in der Früh sei das Gröbste erledigt gewesen. Budzinski lobte in diesem Zusammenhang auch „die gute Zusammenarbeit mit der Polizei.

Ein Schwerpunkt waren seinen Worten die Waldstücke im Teuto. Sowohl auf der Osnabrücker Straße als auch auf der Sudenfelder Straße mussten umgestürzte Bäume zerlegt und beiseite geräumt werden. Gerade in Hohne sei das eine durchaus „gefährliche Situation“ gewesen, da man immer darauf habe achten müssen, ob noch weiteres Holz herunterkommt.

Die Ruhe nach dem Sturm herrschte am Montagmorgen an den Lengericher Schulen. Im Laufe des Sonntags war entschieden worden, dass überall der Unterricht ausfallen sollte. Offenbar sprach sich das bei nahezu allen Betroffenen rechtzeitig rum. Christina Büscher , stellvertretende Leiterin der Grundschule Stadtfeldmark, sagte den WN, dass man sich lediglich um zwei Kinder kümmern musste. An der Gesamtschule ließ sich gar kein Schüler blicken, so Dr. Werner Peters. „Ich kann endlich Dinge erledigen, zu denen ich sonst nicht komme“, lautete der Kommentar des Schulleiters zur „sturmfreien Bude“. Und am Hannah-Arendt-Gymnasium schauten nach Angaben von Erprobungsstufenkoordinator Florian Hölzl lediglich zwei sogenannte DaZ-Schüler – DaZ steht für Deutsch als Zweitsprache – herein, die, als sie vom freien Tag erfuhren, aber sofort wieder kehrt gemacht hätten.

Alle drei Pädagogen berichten, dass die Information am Wochenende nicht nur über die jeweiligen Internetseiten lief, sondern dass auch über Telefon, Whats-app-Gruppen und ähnliches mit den Eltern kommuniziert worden sei. Heute, sagte Jörg Hesselmann, Leiter des städtischen Fachdienstes Schule, Sport und Kultur, soll der Unterricht wieder wie gewohnt laufen.

Wie gewohnt – das mag auch mancher Bahnnutzer gedacht haben. Schließlich werden Pendler und andere Reisende, die nach Lengerich wollen und von Lengerich abfahren möchten, schon seit Langem immer wieder vor Probleme gestellt. Nun also Orkan „Sabine“, der die Deutsche Bahn schon im Laufe des Sonntags dazu veranlasste, den Zugverkehr in NRW einzustellen.

Im Lauf des Montagmorgen ging es im Nahverkehr zwar langsam wieder los, doch ab und nach Lengerich lief es eher ruckelig als glatt. So standen gegen 9.40 Uhr einige Menschen etwas ratlos auf den Bahnsteigen. Würde es sich lohnen, zu warten? Die Eurobahn informierte in einer Pressemitteilung, dass ab 10 Uhr „erste Linien wieder den Betrieb aufnehmen konnten“. Zur RB 66 war online bis in den Nachmittag zu lesen: „Aufgrund einer Streckensperrung kommt es auf dem genannten Streckenabschnitt zu Ausfällen.“ Manche Regionalbahnen fuhren in dieser Zeit, andere wieder nicht. Gegen 13.40 Uhr meldete die Deutsche Bahn über Twitter Positives: „Die Linie #RE2 nimmt den Betrieb zwischen #Düsseldorf Hbf und #Osnabrück mit reduzierter Geschwindigkeit wieder auf.“ Wenig später nahm die Eurobahn dann auch die RB 66 aus ihren Orkan-Meldungen heraus.

Viele wollten bei diesem Bahn-Vabanquespiel offenkundig nicht mitspielen, sie nutzten lieber ihr Auto. So blieben die Parkplätze am Bahnhof ungewohnt leer.

Ganz normal lief indes der Verkehr bei der RVM. Auch die Schulbusse fuhren wie immer, berichtete Sprecher Björn Lindner gegenüber den Westfälischen Nachrichten. Schließlich wollte man sicherstellen, dass Kinder, die trotz Unterrichtsausfalls in den Schulen betreut werden sollten, die auch erreichen konnten.

Welche Schäden „Sabine“ in den hiesigen Wäldern angerichtet hat, konnte Bezirksförsterin Mechthild Gretzmann am Montag noch nicht exakt sagen. Das passiere in den nächsten Tagen, wenn es weniger gefährlich sei, sich unter die Bäume zu wagen. Sie schätzte aber, dass gerade an sonnigen Hängen, in denen der Borkenkäfer sitzt, der Orkan seine Spuren hinterlassen hat. Spaziergängern und Wanderern empfahl sie dringend, auf jeden Fall einige Tage zu warten und erst dann wieder Wälder zu betreten.

Für die Stadtwerke Lengerich stellt Johannes Beckering, Geschäftsbereichsleiter Organisation- und Unternehmensentwicklung, fest, dass „Sabine“ im Vergleich mit ihren Vorgängern „Kyrill“ (2007) und „Friederike“ (2018) nur wenige Probleme bereitet hat. Einige Haushalte im Versorgungsgebiet seien ohne Strom gewesen, weil umstürzende Bäume oder herabfallende Äste auf Freileitungen gelandet sind. Das habe man aber immer schnell wieder in den Griff bekommen.

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