Aufführung „Missa Votiva“ von Jan Dismas Zelenka
Ein selten gehörter Komponist

Lengerich -

Für die Besucher wird das Konzert zu einem tief bewegenden Musikerlebnis. In der Stadtkirche haben der Mottetenchor, das Kourion-Orchester und die Solisten Charlotte Jarosch von Schweder, Katarina Andersson, Phillip Körner und Nicolas Krüger unter der Leitung von Christoph Henzelmann die „Missa Votiva“ von Jan Dismas Zelenka aufgeführt.

Dienstag, 11.02.2020, 06:20 Uhr aktualisiert: 11.02.2020, 17:28 Uhr
Ein tief bewegendes Musikerlebnis wurde den Zuschauern bei der Aufführung der „Missa Votiva für Soli, Chor und Orchester e-Moll ZWV 18“ unter der Leitung von Christoph Henzelmann (Bild rechts) in der Stadtkirche geschenkt.
Ein tief bewegendes Musikerlebnis wurde den Zuschauern bei der Aufführung der „Missa Votiva für Soli, Chor und Orchester e-Moll ZWV 18“ unter der Leitung von Christoph Henzelmann (Bild rechts) in der Stadtkirche geschenkt. Foto: Axel Engels

Während draußen die Sturmböen um die Stadtkirche tobten, erlebten die relativ vielen Liebhaber sakraler Musik mit der „Missa Votiva“ des barocken Komponisten Jan Dismas Zelenka ein außergewöhnliches Musikerlebnis.

Lange Zeit waren die Werke des eigenwilligen und zu Lebzeiten nicht so anerkannten Komponisten selten zu hören. Da kann man sich bei Christoph Henzelmann nur bedanken, dass er zusammen mit dem Motettenchor Lengerich dieses inspirierende Werk einstudiert hat. Für den instrumentalen Part wurde das Kourion-Orchester Münster gewonnen, das für solch ein barockes Werk mit seiner kultivierten und überaus detailgenauen Spielweise wohl die beste Wahl war.

Auch die solistischen Partien waren mit der Sopranistin Charlotte Jarosch von Schweder, der Altistin Katarina Andersson, dem Tenor Phillip Körner und dem Bassisten Nicolas Kröger bestens besetzt. Sie verliehen mit ausdrucksstarken Stimmen der starken Glaubensaussage jenseits des reinen Notentextes ein adäquates Gewand.

Der Jesuit Jan Dismas Zelenka war Kontrabassist, wirkte lange Zeit als „Kirchencompositeur“ am sächsischen Hof in Dresden, dessen Kapelle er auch leitete. Seine Werke fanden sich in der Bibliothek von Johann Sebastian Bach, der dessen Größe sicherlich als einer von wenigen Zeitgenossen erkannt hatte.

In seiner „Missa Votiva für Soli, Chor und Orchester e-Moll ZWV 18“ spürte man deutlich die Einflüsse, die Jan Dismas Zelenka durch seine Ausbildung in Prag und Wien erhalten hat. Schon beim Kyrie war man fasziniert von den für die barocke Zeit recht ungewöhnlichen Wegen, die der Komponist bei der „Missa Votiva“ eingeschlagen hat. Da glänzte der Motettenchor mit einem farbenreichen Klang über dem bestens aufgestellten Orchester, genoss man die Solopartie der Sopranistin Charlotte Jarosch von Schweder, die mit dem Chor exquisit harmonierte.

Im großen „Gloria in excelsis Deo“ mit seinen hohen Anforderungen zeigte sich die überaus fundierte Vorarbeit durch Christoph Henzelmann ganz deutlich. Das von dramatischen Elementen erfüllte „Gloria“ erklang mit großer Gefühlstiefe, erinnerte in seiner Anlage gleichsam an barocke Opernwerke. Die Solisten und der Chor brachten ihre Qualitäten ein, sangen ihre Partien mit Esprit und Leidenschaft.

Das Orchester reagierte auf kleinste Anweisungen von Christoph Henzelmann sehr direkt, so dass bei feinster Intonation und Stimmgruppentrennung der Sängerinnen und Sänger der besondere Charakter in ein lebendiges Gewand gekleidet wurde. Die „Missa Votiva“ von Jan Desmas Zelenka ist mit großen Messvertonungen von Bach und Telemann auf eine Stufe zu stellen, überrascht dabei mit spannungsgeladenen thematischen Verarbeitungen und stellt zugleich hohe Anforderungen an alle Ausführenden.

Das 1739 entstandene Werk war bei den exquisiten Solisten, dem sehr gut vorbereiteten Motettenchor sowie den Münsteraner Instrumentalisten bestens aufgehoben. Christoph Henzelmann zeigte sich als sehr versierter Dirigent, der die stilistischen Besonderheiten mit Feingefühl herausarbei-       tete. Transparenz und Klangvielfalt kamen der „Missa Votiva“ sehr entgegen. So wurde den Besuchern ein tief bewegendes Musikerlebnis geschenkt. Vielleicht sollte dieses Konzert bei besseren äußeren Umständen wiederholt werden, damit noch mehr Menschen in den Genuss dieser barocken Messe kommen.

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