Coronavirus: Desinfektionsmittel und Schutzmasken sind gefragt
Der Beratungsbedarf steigt

Lengerich -

Erkrankt ist am Coronavirus in Lengerich bislang wohl noch niemand, zumindest ist kein Fall bekannt. Dennoch hinterlässt Sars-CoV-2 bereits seine Spuren in der Stadt: Schutzmasken und vor allem Desinfektionsmittel sind gefragt, aber kaum noch zu bekommen.

Freitag, 28.02.2020, 16:46 Uhr aktualisiert: 01.03.2020, 15:48 Uhr
In der Helios-Klinik ist für die Versorgung von Corona-Verdachtsfällen ein Schema für die internen Abläufe entwickelt worden.   
In der Helios-Klinik ist für die Versorgung von Corona-Verdachtsfällen ein Schema für die internen Abläufe entwickelt worden.    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Diese Nachricht des Robert-Koch-Instituts (RKI) kam in Lengerich offenbar nicht mehr rechtzeitig an. Lars Schaade , Vizepräsident der Bundesbehörde, sagte am Freitagvormittag in Berlin, dass regelmäßiges und gründliches Händewaschen und eine korrekte Nies- und Hustenetikette im Alltag der effektivste Schutz vor dem Coronavirus seien. Desinfektionsmittel und Schutzmasken hielt der Experte für unnötig. Zur selben Zeit waren die in der Stadt schon Mangelware beziehungsweise ausverkauft. Das zumindest wurde aus Apotheken berichtet.

Ein Apotheker erzählt, dass er am Donnerstag so viel Desinfektionsmittel über die Ladentheke gereicht habe wie sonst in einem ganzen Jahr. Wann er nun Nachschub bekomme, wisse er nicht. „Die Bestellung ist raus.“ Ähnliche Aussagen sind von Berufskollegen in Lengerich zu hören.

Atemmasken waren in den vergangenen Tagen weniger gefragt, aber auch nicht in so großer Zahl vorrätig. Die Apotheker verwiesen zudem darauf, dass die an sich medizinischem Personal und Kranken vorbehalten sein sollten. Und: Schutz versprächen ohnehin nur sogenannte FFP3-Masken.

Wer dennoch unbedingt etwas vor Nase und Mund haben möchte: In einer Apotheke zeigt die Gesprächspartnerin auf ihrem Handy ein Youtube-Video. Zu sehen ist, wie in 20 Sekunden aus dem Blatt einer Küchenrolle, zwei Gummibändern und mit Hilfe eines Tackers eine Maske entsteht.

Beratung war und ist in den Apotheken ebenso gefragt wie in Arztpraxen. Von Hausärzten hieß es am Freitag, dass der große Andrang – sei es telefonisch oder in Form eines Besuchs in der Praxis – bislang ausgeblieben sei. Eine Arzthelferin bezeichnete die Einstellung der Lengericher in Sachen Coronavirus als „unaufgeregt“. Andernorts hieß es, es gehe den Leuten vor allem um die richtigen Verhaltensweisen.

Eine Apothekerin ging hatte da einen sehr einprägsamen Tipp: Beim Händewaschen ein kurzes Lied wie beispielsweise „Happy birthday“ anstimmen. Habe man das bis zum Ende gesungen, sei der nötigen Hygiene Rechnung getragen. Des Weiteren empfahl sie, ein Stück Seife zu verwenden. Auch das verleite dazu, lange zu waschen, da das komplette Einreiben länger dauere als mit Flüssigseife. Sie und die anderen Apotheker betonten zudem, dass es ratsam sei, sich an die Vorgaben des RKI zu halten.

So halten es auch die Verantwortlichen der Helios-Klinik. Dr. Matthias Wankmüller, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses, teilt auf Anfrage der Westfälischen Nachrichten mit: „Unser medizinisches und pflegerisches Personal ist nach einem Hygieneplan auf Grundlage der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) eingewiesen. Von unseren Krankenhaushygienikern wurde außerdem in den vergangenen Wochen für die Versorgung von Verdachtsfällen einer Infektion mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) ein Schema für interne Abläufe in unseren Kliniken entwickelt.“

Die zu treffenden Schutzmaßnahmen für Covid-19-Erkrankte entsprechen demnach denen an Grippe erkrankten Patienten. Bei Verdachtsfällen sollen in enger Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen werden, um den Befund zu sichern und die betreffenden Patienten zu isolieren.

Zur Vorbereitung der stationären Aufnahme eines Patienten, bei dem nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine Corona-Infektion vorliegt, sei ein Behandlungsraum als Isolationsraum ausgestattet. „Unsicherheiten und mögliche Fragen der Kollegen sind vor Ort mit unseren Hygienefachkräften geklärt worden“, erklärt Wankmüller weiter.

Die Kapazitäten im Haus seien momentan unter anderem auch durch die saisonale Influenza gut ausgelastet, die Voraussetzungen für die Versorgung einzelner Erkrankungsfälle aber gegeben. Bei zunehmenden stationären Corona-Fällen würde nach einem Stufenplan verfahren.

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