Theater in der Klinik spielt „Der Vorname“
„Adolphe“ sorgt für erhitzte Gemüter

Lengerich -

Darf man seinem Sohn den Vornamen Adolf geben? Die ThiK-Theatergruppe hat die Komödie „Der Vorname“ auf die Bühne in der LWL-Klinik gebracht. Aufgezeigt wird die allgemeine Befangenheit in Vorurteilen und amüsant eine respektvolle Debattenkultur angemahnt.

Sonntag, 01.03.2020, 15:50 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 09:59 Uhr
Darf Vincent (Jörg Teckenbrock, links) seinen Sohn Adolphe nennen? Pierre (Christian Flechsig) ist entschieden dagegen.
Darf Vincent (Jörg Teckenbrock, links) seinen Sohn Adolphe nennen? Pierre (Christian Flechsig) ist entschieden dagegen. Foto: Arnd Tillmann

Viel Beifall hat die ThiK-Theatergruppe für Matthieu Delaportes und Alexandre de la Patellières Komödie „Der Vorname“ erhalten, die am Samstagabend im Festsaal der LWL-Klinik Premiere feierte. Absolut aktuell fragt das Stück, ob man heute für seinen Sohn den Vornamen Adolf wählen darf, zeigt die allgemeine Befangenheit in Vorurteilen und mahnt amüsant eine respektvolle Debattenkultur an.

„Der Vorname“ spielt in einem bildungsbürgerlichen Wohnzimmer mit Bücherwänden, die vom intellektuellen Anspruch seiner Bewohner zeugen. Vor allem von Pierre Garaud (Christian Flechsig), einem Literatur-Professor, und seiner Frau Elisabeth Garaud-Larchet (Kathrin Ehmann), einer Französisch-Lehrerin am Gymnasium. Aus dem Off erfährt man, dass sich die beiden auch nach zehn Ehejahren lieben wie am ersten Tag.

Theater in der Klinik spielt „Der Vorname“

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  • Lengerich ThiK Theater in der Klinik Premiere "Der Vorname"

    Foto: Arnd Tillmann
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Elisabeth im blauen Wollkleid bereitet gerade ein marokkanisches Büfett für ein paar Gäste vor und zeigt sich überhaupt durch ständiges Beschäftigtsein als der praktische Teil der Familie. Dagegen ist Pierre, der nicht ganz stilsicher einen grünen Pulli zur Jeans trägt, eher patriarchalisch und ein Mann des Worts. Zu dem pflegt er ein streberhaft besserwisserisches Verhältnis, gern im Sinne von Political Correctness, und im Ringen um das rechte Wort verliert er leicht die Sache aus dem Blick, um die es geht.

Noch im schwarzen Dienstanzug erscheint als erster Gast der Posaunist Claude Gatignol (Peter Schnepper). Er ist ein Jugendfreund Elisabeths und ihres Bruders Vincent Larchet (Jörg Teckenbrock), der kurz darauf eintrifft. Der Unterschied zwischen beiden könnte kaum größer sein. Während Claude ein ruhiger, auf Harmonie bedachter Mann ist, tritt Vincent als erfolgreicher Geschäftsmann breitbeinig selbstsicher auf. Er bestimmt auch die Diskussion des Abends mit der Mitteilung, seinen Sohn, von dem er zum allgemeinen Entzücken ein erstes Ultraschall-Bild herumzeigt, den Vornamen Adolphe geben zu wollen.

Da ist es mit dem Entzücken schnell vorbei, und so emotional wie spitzfindig wird debattiert, ob man das darf, wo sich doch sofort die Assoziation Hitler einstellt. Wie sich die beiden Alphamännchen Pierre und Vincent aufplustern und fast bis zur Handgreiflichkeit streiten, ist so spannend wie erheiternd. Zurück bleibt aber schließlich nur die Erkenntnis, dass Andersgläubige selten von der Richtigkeit der eigenen Religion zu überzeugen sind.

Nach einer Pause und dem verspäteten Erscheinen von Vincents Freundin und werdender Mutter Anna Caravati (Pia Brockmann) gehen sich die einzelnen Teilnehmer höchst vergnüglich an den Kragen. Pierre muss sich seinen Geiz, Vincent seinen unübersehbaren Egozentrismus vorwerfen lassen. Claude erfährt überrascht, dass ihn alle für schwul halten. Schließlich platzt noch Elisabeth der Kragen über die Missachtung ihrer Leistung als Ehefrau, Mutter und Gastgeberin, wobei der schöne Schein zehnjährigen Eheglücks zu Bruch geht. Neben den Frauen geht nur Claude moralisch unbeschadet aus dem beziehungslosen verbalen Gemetzel hervor und gestaltet mit einem aufrechten Bekenntnis den eindringlichsten Moment des Abends. Seine ihm dafür von Vincent angeschlagenen Zähne sind ein klares Symbol und die deutlich Mahnung für eine zivile, respektvolle Debattenkultur nicht nur über Vornamen.

Regisseurin Gitta Brockmann hat das unterhaltsame Stück flott inszeniert, die Abläufe stimmen und die Pointen sitzen. Das fünfköpfige Thik-Ensemble zeichnet die Charaktere genau, nimmt das begeistert mitgehende Publikum von Anfang bis Ende mit seinem intensiven Spiel gefangen und erhält verdient den langanhaltenden Schlussapplaus.

Die nächsten Termine: Samstag, 7. März, um 20 Uhr und Sonntag, 8. März um 18 Uhr.

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