Streetworker-Antrag führt zu Grundsatzdiskussion
Die Jugend sorgt für Zündstoff

Lengerich -

Braucht Lengerich einen Streetworker? Diese Frage war im Sozialausschuss Anlass für eine intensive und kontroverse Diskussion. Unter anderem ging es auch um die Frage, ob es in der Stadt größere Missstände im Umfeld von Jugendlichen gibt oder ob sich alles in einem weitgehend normalen Rahmen bewegt.

Donnerstag, 05.03.2020, 18:46 Uhr
Ist das klr-Gelände ein Brennpunkt? Schmierereien und Vandalismus hat es dort im Laufe der vergangenen Jahre zuhauf gegeben. Und gebrannt hat es auch mehrfach – zuletzt erst vor ein paar Tagen. Sind solche Orte Grund genug, einen Streetworker einzustellen? Die Verwaltung und andere Behörden und Verantwortliche meinen Nein.
Ist das klr-Gelände ein Brennpunkt? Schmierereien und Vandalismus hat es dort im Laufe der vergangenen Jahre zuhauf gegeben. Und gebrannt hat es auch mehrfach – zuletzt erst vor ein paar Tagen. Sind solche Orte Grund genug, einen Streetworker einzustellen? Die Verwaltung und andere Behörden und Verantwortliche meinen Nein. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Als die Debatte über den CDU-Antrag zur Schaffung einer Streetworker-Stelle in Lengerich am Anfang stand, zeigte sich Stefan Zimmermann „erstaunt“ über den Inhalt der Sachdarstellung, die die Verwaltung zu dem Thema erarbeitet hatte. Am Ende und etliche Redebeiträge später bewertete der Ratsherr der Union „die Diskussion gelinde gesagt als grenzwertig“. Zwischen diesen beiden Einschätzungen fand eine ebenso lange wie kontroverse Debatte.

Zimmermann, der am Mittwochabend die Sitzung leitete, war offenbar irritiert, dass die Verwaltung im Vorfeld zu der Einschätzung gekommen war, dass „gegenwärtig kein Handlungsbedarf“ besteht, einen Streetworker zu beschäftigen. Das geschah auf Grundlage von Gesprächen, an denen neben Mitarbeitern aus dem Haus Jugendzentrumsleiter Thomas Brümmer , das Jugendamt des Kreises, die Jugendhilfe und die Polizei beteiligt waren. Dabei ging es um „mögliche Brennpunkte“, ist der Sitzungsvorlage zu entnehmen. Zwar wurde einerseits vom Fachdienst Ordnung und Sicherheit „das vermehrte Aufkommen von Beschwerden über Lärm geschildert“. Aber die Polizei berichtete andererseits, „dass die Situation in Lengerich im Vergleich zu anderen Kommunen mit ähnlicher Einwohnerzahl im Kreis Steinfurt absolut nicht auffällig ist“. Und etwas weiter heißt es vom Kreisjugendamt: „Es werden keine Auffälligkeiten von Jugendlichen in Lengerich gesehen.“ Gleichwohl stand als Ergebnis der Gespräche die Empfehlung, eine sogenannte Sozialraumanalyse in Lengerich zu erstellen, um die in der Innenstadt vorhandenen „heterogenen Räume und Personengruppen“ genauer zu untersuchen.

Dieser Vorschlag stieß bei Andreas Kuhne auf Kritik. Der SPD-Fraktionsvorsitzende meinte, es seien alle „Problemlagen“ bekannt, somit brauche es keine Analyse, die das bestätige, „was wir ohnehin schon wissen“.

Die CDU hatte in ihrem Antrag unter anderem geschrieben: „Mit der mobilen Jugendarbeit soll Ausgrenzung und Stigmatisierung der jungen Menschen in Lengerich verhindert oder verringert werden.“ Stefan Zimmermann betonte, es gehe darum, mit Menschen ins Gespräch zu kommen anstatt ordnungspolitisch tätig zu werden. Die Stadt hatte, auch darauf verweist die CDU, einen Sicherheitsdienst engagiert, nachdem es im Umfeld von Schulen wiederholt zu Vandalismus und Einbrüchen gekommen war. Solche Maßnahmen könnten nach Einschätzung der Union durch den Einsatz eines Streetworkers überflüssig werden.

Jugendzentrumsleiter Thomas Brümmer sah indes in dem Antrag eine „Stigmatisierung“ der Jugendlichen. Lengerich wolle „kinder- und jugendfreundlich“ sein, da gelte es, „die Kirche im Dorf zu lassen“. Er verwies darauf, dass das subjektive Sicherheitsgefühl mancher Bürger einfach nicht mit der Realität übereinstimme, somit die Situation „nicht so extrem ist wie es offenbar aktuell wahrgenommen wird“.

Ihm sprang Petra Thiemann-Niermann bei. Die Vorsitzende des Stadtsportverbandes, die als sachkundige Bürgerin im Sozialausschuss sitzt, konstatierte zum einen, dass es zu wenig Angebote und Treffpunkte für junge Menschen in Lengerich gebe. Zum anderen bekannte sie: „Ich bin noch nie in Lengerich von einem Jugendlichen doof angemacht worden.“

Befürworterin einer Sozialraumanalyse war neben Bürgermeister Wilhelm Möhrke als Verwaltungschef Sandra Kätker von den Grünen. Sie erhofft sich tiefergehende Aufschlüsse darüber, „was in Lengerich Sache ist“.

Schlussendlich stand das Ergebnis, dass Verantwortliche des Kreisjugendamtes – von dort kam die Idee Sozialraumanalyse – demnächst im Ausschuss erläutern, was genau es mit der Analyse auf sich hat. Die soll laut Vorlage 10 000 Euro kosten, 6000 Euro müsste die Stadt bezahlen.

Der Streetworker-Antrag der CDU ist damit aber noch nicht vom Tisch. Auch mit ihm wird sich der Ausschuss erneut befassen.

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