Lengericher muss sich wegen gewerbsmäßigem Betrugs verantworten
Bewährungsstrafe dankt günstiger Prognose

Lengerich/Ibbenbüren -

Eine günstige Sozialprognose und das umfangreiche Eingeständnis seiner Taten sind vor dem Amtsgericht Ibbenbüren strafmildernd für den Angeklagten aus Lengerich in die Waagschale gefallen. Der 57-Jährige wurde wegen gewerbsmäßigem Betrug zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Dienstag, 10.03.2020, 20:31 Uhr aktualisiert: 11.03.2020, 17:16 Uhr
Das Amtsgericht Ibbenbüren
Das Amtsgericht Ibbenbüren Foto: Wilhelm Schmitte

Im Betrugsverfahren vor dem Schöffengericht Ibbenbüren gegen einen selbstständigen Ingenieur aus Lengerich ging es um Taten aus den Jahren 2016 und 2017. Der Oberstaatsanwalt warf dem 57-Jährigen vor, in 38 Fällen gewerbsmäßigen Betrug begannen zu haben. In einem großen Teil der Fälle zudem in Tateinheit mit einer Urkundenfälschung.

Der dabei entstandene Gesamtschaden belief sich dabei nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf über 60 000 Euro. Für ein solches Vergehen des gewerbsmäßigen Betrugs sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor.

Vor dem Amtsgericht waren die Vorwürfe aus mehreren Verfahren zu einer Anklage zusammengefasst worden. Zum einen war da der Vorwurf, der Beschuldigte habe durch die Fälschung der Unterschrift seiner Mutter von deren Konto über den Tatzeitraum von einem Jahr eine Summe von über 40 000 Euro auf sein eigenes Konto transferiert.

Des Weiteren wurde ihm vorgeworfen, einem Kunden Leistungen in Höhe von 7600 Euro berechnet und nicht geleistet zu haben. Hinzu kamen unbezahlte Schulden und Handwerkerrechnungen sowie Kosten für einen Mietwagen (3500 Euro), bei denen der Angeklagte schon im Vorfeld gewusst haben soll, dass er die geschuldeten Beträge nie würde bezahlen können.

Diese umfangreichen Vorwürfe wurden zu Beginn der Verhandlung vom Lengericher vollumfänglich eingeräumt. Mit diesem Geständnis konnte die Beweisaufnahme deutlich abgekürzt werden und es war nicht nötig, die geladenen Zeugen, darunter die Mutter des Angeklagten, zu vernehmen. „Es tut mir unendlich leid und ich schäme mich in Grund und Boden,“ sagte der Mann vor Gericht.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, warum er auf diese Möglichkeit verfallen sei, seine Schulden zu tilgen und seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, wusste der Angeklagte keine Antwort. Er habe damals alles verloren gehabt, Ehe gescheitert, Vermögen verloren, Firma pleite, dass habe einen „Bruch“ gegeben, von dem er sich nicht wieder erholt habe.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Verteidiger hielten in ihren Plädoyers eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten für angemessen. Das Gericht schloss sich dieser Forderung an und setzte die Strafe für drei Jahre zur Bewährung aus. Der Richter begründete das mit dem bisher straffreien Leben des Mannes, für den es eine günstige Sozialprognose gäbe, und der Tatsache, dass die Taten längere Zeit zurücklägen.

Dass der Mann inzwischen seine Mutter pflege, spielte für das Gericht ebenfalls eine Rolle. „Sie jetzt hinter Gitter zu stecken würde ihre Mutter erneut treffen. Den Preis für den Sohn des Jahres bekommen sie sicher nicht mehr,“ so der Richter.

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