Blick in die Partnerstadt im US-Bundesstaat Ohio
Corona hat Wapakoneta im Griff

Lengerich/Wapakoneta -

Die Corona-Krise hat auch die Lengericher Partnerstadt Wapakoneta im US-Bundesstaat Ohio fest im Griff. Inzwischen gibt es dort 13 positiv getestete Personen. Ob der im Spätsommer geplante Schüleraustausch stattfinden kann, steht derzeit in den Sternen.

Freitag, 20.03.2020, 12:31 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 15:14 Uhr
Leere Regale auch in der Lengericher Partnerstadt Wapakoneta (US-Bundesstaat Ohio). Das Foto hat Daniel Deutsch, gebürtig aus Lienen, in einem Supermarkt gemacht.
Leere Regale auch in der Lengericher Partnerstadt Wapakoneta (US-Bundesstaat Ohio). Das Foto hat Daniel Deutsch, gebürtig aus Lienen, in einem Supermarkt gemacht. Foto: Daniel Deutsch

Hat die Corona-Pandemie auch Lengerichs Partnerstadt Wapakoneta im US-Bundesstaat Ohio im Griff? Ursula Hohmann-Assig, Vorsitzende des Förderverein der Freundschaft zwischen den beiden Städten, hat Kontakt zu den Freunden aufgenommen und berichtet darüber in den Westfälischen Nachrichten:

„Wapakoneta war bis vor kurzem eine Corona freie Stadt. Rücksprachen mit den Verantwortlichen des Sister City Vereins legten nahe, dass man keine Probleme erwartete. Deshalb war Cheryl Drexler , Vorsitzende des Vereins in Wapakoneta, auch guter Dinge, dass der diesjährige Schüleraustausch planmäßig stattfinden könne.

Vor einer Woche hat sich das Blatt gewendet

Nach gut einer Woche allerdings hat sich das Blatt komplett gewendet. Nun befindet sich auch Wapakoneta im Krisenmodus. Es gibt inzwischen 13 positiv getestete Personen. Das soziale Leben hat sich schlagartig geändert. Auch in Wapakoneta ist eine Panikstimmung eingekehrt. „In der Öffentlichkeit traut man sich nicht einmal mehr zu husten“, so Michelle Gearing von der High School.

‚In der Öffentlichkeit traut man sich nicht einmal mehr zu husten.

Michelle Gearing, Wapakoneta High School

Die Regale in den Supermärkten werden ähnlich wie in Deutschland leergekauft, insbesondere Toilettenpapier, Reinigungsmittel und Desinfektionsmittel finden reißenden Absatz. Die Preise für Handdesinfektionsmittel steigen im Internet ins Astronomische. Alle Schulen, so erläutert Michelle Gearing, Deutschlehrerin an der Redskin High School, werden für drei Wochen geschlossen, die Schüler erhalten online Aufgaben, die sie zu Hause erledigen sollen.

Cheryl Drexler wiederum berichtet von ihrer Tochter, die in Lima an einer City School tätig ist, dass es dort ein für uns erstaunliches Problem wegen der Schulschließungen gibt. Sie machen sich Sorgen um die vielen Schüler, deren einzige Nahrungsversorgung die Schule ist. Die Lehrer arbeiten daran, die Ernährung sicherzustellen, indem sie das Frühstück und das Mittagessen an bestimmten Abhol-Stationen täglich für diese Schüler bereithalten. Sie fürchten deshalb, dass sich die Schüler möglicherweise auch nicht an die Regeln halten, sich vorwiegend zu Hause aufzuhalten.

Für Schüler gibt es Abhol-Stationen fürs Frühstück und Mittagessen

Basketball und andere Sportveranstaltungen sind bereits für die gesamte Spielsaison eingestellt, nachdem zwei aktive Spieler positiv getestet wurden. Allgemein sollen auch keine öffentlichen Veranstaltungen mit 100 und mehr Leuten stattfinden. Cheryl Drexler ist im Gesundheitsdienst tätig und merkt an, ‚ich bin schon sehr lange in diesem Bereich tätig, aber so etwas habe ich noch nie erlebt, nicht einmal bei Sars oder Ebola‘.

Es gibt vor allem Lieferengpässe bei Hygienematerial in Krankenhäusern und den Virustests. Ihre große Hoffnung ist, dass die Krankenhäuser zumindest in der Lage sind, die Virus-Notfälle (severe cases) angemessen zu versorgen und zu behandeln. Zur Zeit wird fieberhaft an Notfallplänen gearbeitet, denn die USA stehen eher noch am Anfang des Virusausbruchs und man ist überzeugt, dass man erst in frühestens zwei Monaten einschätzen kann, wie sich das Virus weiter verbreitet.

Zur Zeit wird fieberhaft an Notfallplänen gearbeitet.

Cheryl Drexler, Vorsitzende Sister Citys Verein Wapakoneta

Aber jetzt schon macht sich Cheryl Drexler große Sorgen in Bezug auf die langfristigen Folgen der Seuche. Sie rechnet mit Rückschlägen in allen Bereichen, zum Beispiel mit Versorgungsengpässen, Arbeitsplatzverlusten, Investitionsrückgang, alles wird in Frage gestellt.

Statt sich auf die Ankunft der deutschen Gastschüler vorzubereiten, sitzt Cheryl Drexler nun täglich am Computer, um die Corona-Situation aktuell bei der WHO und dem CDC (Center for Disease Control and Prevention) zu überprüfen.“

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