Schwerer sexueller Missbrauch: Haftstrafe für 55-jährigen Lengericher
Geständnis wirkt sich „sehr strafmildernd“ aus

Lengerich/Münster -

Dass er die ihm zur Last gelegten Taten komplett eingeräumt hat, wirkt sich strafmildernd für einen 55-Jährigen aus Lengerich aus. Er ist vor Großen Strafkammer des Landgerichts Münsters wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Donnerstag, 19.03.2020, 17:52 Uhr aktualisiert: 19.03.2020, 19:31 Uhr
Das Landgericht Münster
Das Landgericht Münster Foto: Oliver Werner

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs in drei Fällen ist ein 55-Jähriger aus Lengerich von der Großen Strafkammer des Landgerichts Münster zu Freiheitsstrafen zwischen einem und drei Jahren verurteilt worden. Da der Beschuldigte bereits wegen Missbrauchs und der Anfertigung und Verbreitung kinderpornografischen Materials eine fünfjährige Haftstrafe absitzt, wurde diese bei der Urteilsfindung berücksichtigt. Insgesamt muss der 55-Jährige jetzt sechs Jahre absitzen.

Dem Mann wurde vorgeworfen, in den Jahren 2016 und 2017 seine damals acht- oder neunjährige Tochter in seiner Wohnung in Lengerich sowie während eines Urlaubs sexuell missbraucht zu haben. Weitere Anschuldigungen gegen den Mann lauten auf die Erstellung und den Besitz kinderpornografischen Materials.

Tatvorwürfe: schwerer sexueller Missbrauch, Erstellung und Besitz kinderpornografischen Materials

Nachdem der Tatverdächtige die ihm zur Last gelegten drei Taten am ersten Verhandlungstag komplett eingeräumt hatte ( WN berichteten ), wurde die Verhandlung jetzt mit der Zeugenaussage der Mutter des Opfers fortgesetzt. Sie beschrieb die Auswirkungen der Tat auf ihre Tochter, die sich – weiterhin schwer traumatisiert – in psychologischer Behandlung befindet. „Sehr schlecht geht es ihr“, sagte die Frau auf die Frage der Vorsitzenden Richterin nach dem Befinden des Kindes. Neben psychosomatischen Problemen sei das Opfer weiterhin vor allem innerlich zerrissen zwischen der Zuneigung zum „Papa“ und den schrecklichen Taten.

Meiner Tochter geht es sehr schlecht.

Die Mutter als Zeugin vor Gericht

Die Frau schilderte auch, wie sie 2004 den verheirateten Mann kennengelernt hatte und bis Ende 2006 eine Beziehung mit ihm unterhalten habe. Nach der Trennung habe sie zunächst das alleinige Sorgerecht für ihre 2007 geborene Tochter erhalten.

Von den unregelmäßigen Besuchen beim Vater sei die Kleine immer sehr aggressiv zurückgekommen und die Dreijährige habe Auffälligkeiten gezeigt. Sie habe die Ursache in der Unregelmäßigkeit der Besuche gesehen, so die Mutter. Ab 2013, nachdem der Vater sein Umgangsrecht eingeklagt hatte, seien die Besuche regelmäßiger erfolgt.

Verdacht gegen den Mann keimte im Jahr 2017

Ein Verdacht sei ihr erst 2017 gekommen, als die Tochter aus der Ehe des Mannes Kontakt zu ihr aufgenommen habe. Diese habe sie gewarnt und ihr mitgeteilt, dass sie von ihrem Vater sexuell missbraucht worden sei. Wegen dieses Missbrauchs und der Anfertigung und Verbreitung kinderpornografischen Materials sitzt der Lengericher derzeit eine fünfjährige Freiheitsstrafe ab.

Die als Sachverständige berufene psychiatrische Gutachterin bescheinigte dem Angeklagten, den sie als sozial integriert und beruflich erfolgreich beschrieb, eine sekundäre Pädophilie. Sie erläuterte diese – als Krankheit definierte Disposition – als eine Form der Pädophilie, die schubweise auftreten kann. Immer, wenn sich im persönlichen Umfeld des Kranken die Möglichkeit des Missbrauchs ergebe, bestehe auch die Gefahr eines Missbrauchs. Deshalb sei ihre Empfehlung an das Gericht und den Angeklagten, diesem jegliche Möglichkeit zu näherem persönlichen Kontakt mit Kindern zu unterbinden.

Der Beschuldigte ist für seine Taten voll verantwortlich.

Gutachterin vor Gericht

Die Gutachterin erklärte, dass bei dem Täter keine weiteren psychischen Erkrankungen vorlägen und er daher für seine Taten voll verantwortlich sei. Sein Geständnis wertete sie als glaubhaft. „Pädophilie ist eine bisher nicht heilbare Krankheit, aber die Täter müssen lernen, damit umzugehen und erkennen: das darf ich nicht tun,“ so die Expertin.

Da der Lengericher sein Geständnis unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgegeben hatte, wurden die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten. Zur Urteilsverkündung war wieder Publikum zugelassen.

Das Gericht verurteilte den Lengericher für die drei einzelnen Taten wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu Strafen zwischen einem und drei Jahren. Diese Strafe wird mit den bisherigen Strafen zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst, sodass der Mann für insgesamt sechs Jahre hinter Gitter muss.

Den Ausschlag für das milde Urteil gab der Täter mit seinem Geständnis. Damit habe er seiner Tochter den Auftritt vor Gericht erspart, so die Vorsitzende Richterin: „Nur sechs Jahre, weil wir Ihr Geständnis sehr, sehr strafmildernd berücksichtigt haben.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7334995?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker