Zufallsfund auf einem Acker in Wechte
Das älteste Typar in Westfalen

Lengerich -

Es war ein Zufallsfund, den ein Sondengänger vor drei Jahren auf einer Ackerfläche in der Lengericher Bauerschaft Wechte gemacht hat. Jetzt steht fest, dass er ein seltenes Stück gefunden hat: das älteste Typar in Westfalen.

Sonntag, 22.03.2020, 07:54 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 17:06 Uhr
Nach der 2017 in Wechte gefundenen Siegelplatte des Typars rekonstruiertes Siegel, das sehr wahrscheinlich einem Florikinus von Bernen zugeschrieben werden kann.
Nach der 2017 in Wechte gefundenen Siegelplatte des Typars rekonstruiertes Siegel, das sehr wahrscheinlich einem Florikinus von Bernen zugeschrieben werden kann. Foto: Dr. Christof Spannhoff

Die Lengericher Bauerschaft Wechte hat eine lange Geschichte. Aus dieser reichen Vergangenheit haben sich mehrere wichtige Zeugnisse erhalten. Neben dem bekannten Megalithgrab (Großsteingrab) fanden sich vor Ort einst zudem ein Friedhof aus der Bronze- und Eisenzeit sowie eine frühmittelalterliche Siedlung. Bedingt ist diese Dichte an Altertümern wohl durch die Verkehrsgunst der Gegend, denn in Wechte kreuzten sich zwei alte Wege: der in Ost-West-Richtung verlaufende frühgeschichtliche Deetweg (Deet = Volk) und eine Nord-Süd-Passage über Tecklenburg. Nun ist jüngst noch ein weiterer wertvoller Fund hinzugekommen.

In Wechte kreuzten sich zwei wichtige Handelswege

2017 entdeckte ein Sondengänger auf einer Ackerfläche nahe der Straße nach Tecklenburg einen hochmittelalterlichen Siegelstempel, ein sogenanntes Typar. Das wäre an sich nicht sonderlich spektakulär, doch handelt es sich nach der anschließenden Untersuchung und Bewertung durch die münsterischen Archäologen und Historiker Christoph Grünewald , Cornelia Kneppe und Bernd Thier um den ältesten seiner Art in Westfalen.

Die erhaltene Siegelplatte des Stempels aus einer Kupferlegierung ist schildförmig und weist Maße von 34,5 Millimeter Breite, 41,5 Millimeter Höhe und zwei bis 2,8 Millimeter Dicke auf. In seiner Mitte wurden spiegelverkehrt ein Wappenbild und eine Umschrift eingraviert. Letztere lautet: „+ : SIGI – LLUM : FLORE – NTII : DE : BERN – EN :“. Das Typar gehörte also einem Florentius von Bernen, der einen oben und unten gezinnten Balken im Wappen führte.

Eingravierter Name: Florentius von Bernen

Die Adelsfamilie von Bernen (auch Berne oder Berle geschrieben) stammte aus dem Münsterland, genauer aus der heutigen Bauerschaft Berdel südlich von Telgte, und hatte mehrere Mitglieder namens Florentius oder Florentinus. Eine genaue Verbindung des Siegelstempels mit einer Person kann daher nur über die Gestalt des Typars erfolgen.

Aufgrund seiner Größe, der verwendeten Schriftart und der Inschrift lässt sich die Herstellung des Fundstücks durch Vergleich mit datierbaren Siegeln auf die Zeit zwischen den späten 1230er und den späten 1250er Jahren eingrenzen. Damit kommt als Siegelführer nur ein Florikinus von Bernen in Frage, der 1246 im Gefolge des münsterischen Fürstbischofs Ludolf von Holte (reg. 1226–1247) nachzuweisen ist.

Florikinus war ein Bruder des damaligen münsterischen Stadtrichters Themo von Bernen. Auch beider Vater namens Florentius hatte bereits dieses Amt bekleidet. Die von Bernen waren demnach schon früh Dienstleute der Bischöfe von Münster.

Beglaubigungs- und Hoheitszeichen

Ein Siegelstempel oder

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Was aber führte den münsterischen Dienstmann Florikinus von Bernen in den Tecklenburger Raum, wo er seinen Siegelstempel verlor? Möglicherweise kam er nach Wechte wegen einer von 1244 bis 1246 zwischen den Tecklenburger und Ravensberger Grafen geführten Fehde, in die auch münsterische Ministeriale involviert waren. Vielleicht gab es auf dem Weg nach Tecklenburg ein Gefecht, bei dem Florikinus sein Siegel – und eventuell auch sein Leben – verloren haben könnte. Sein Typar ist auf jeden Fall eines der ältesten erhaltenen in Westfalen.

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