1485 wurde das Siechenhaus gebaut
Aussätzige mussten außerhalb leben

Lengerich -

Vor über 500 Jahren hatte Lengerich mit der Pest zu kämpfen. Wie damals mit der Seuche umgegangen wurde, und warum seinerzeit ein spezielles Siechenhaus gebaut werden musste, ist im Stadtführer „Lengerich entdeckt von Kindern und Erwachsenen“ nachzulesen.

Sonntag, 22.03.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 14:32 Uhr
Auf einer Doppelseite im Stadtführer „Lengerich entdeckt von Kindern und Erwachsenen“ wird die Geschichte des Siechenhauses erzählt, das vor über 500 Jahren eingerichtet wurde.
Auf einer Doppelseite im Stadtführer „Lengerich entdeckt von Kindern und Erwachsenen“ wird die Geschichte des Siechenhauses erzählt, das vor über 500 Jahren eingerichtet wurde. Foto: Michael Baar

In Zeiten der Corona-Pandemie gibt es viele Hinweise, wie man sich verhalten sollte, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Leider, so ist zu beobachten, halten sich nicht alle Menschen daran. In vergangenen Jahrhunderten gab es Krankheiten, bei denen rigoros mit den Betroffenen umgegangen wurde. Das war auch in Lengerich der Fall, wie im im Stadtführer „Lengerich entdeckt von Kindern und Erwachsenen“ nachzulesen ist. Damals war die Lepra ein großes Problem.

Fünf Meilen entfernt

Johan von Vincke, ein Ritter aus Schollbruch, und Margareta von Rechte, Äbtissin des Stifts in Leeden, gründeten 1485 ein Siechenhaus. Das wurde im Kosakenhook errichtet. Strikte Vorgabe damals: es muss fünf Meilen von der Stadt entfernt sein. Umgerechnet sind das rund acht Kilometer. Lepra, eine ansteckende Krankheit, dessen Erreger Haut, Schleimhäute und Nervenzellen angreift, führte zu Erblindung, schränkte den Tastsinn ein, entstellte die Haut und ließ Knochen und Gelenke verwachsen.

Dass gerade in Lengerich diese Krankheit auftrat, hatte mit der geografischen Lage als Kreuzungspunkt zweier wichtiger Handelswege zu tun. Und, die Stadt war ein bedeutender Pilgerort. In der Kirche (der heutigen Stadtkirche) beteten die Erkrankten zur Heiligen Margarete von Antiochia, tranken geweihtes Wasser aus dem Brunnen vor dem Gotteshaus und hofften auf Heilung.

„Aussätzige“

Wohnen durften die Betroffenen nicht im Dorf (Lengerich war damals noch keine Stadt). Sie wurden weggeschickt, mussten außerhalb unterkommen, wurden als „Aussätzige“ bezeichnet. Aussatz war auch ein anderes Wort für Lepra damals. Die Erkrankten durften zu ihren Familien keinen Kontakt haben und es war ihnen nicht erlaubt, andere Menschen zu berühren.

Wenn Leprakranke in die Stadt gingen, mussten sie eine weithin hörbare Klapper benutzen, einen dichten Mantel mit Kapuze, Hut und Handschuhe anziehen. Diesen Weg unternahmen diese Menschen, um Almosen zu sammeln. Zu dem Zweck nutzten sie eine lange Stange, an der ein Beutel oder Bettelsack befestigt war.

Das Siechenhaus am Kosakenhook gab es etwa 300 Jahre. Nachdem die Lepra fast besiegt war, durften dort auch sehr arme Menschen einziehen. Das Haus verfiel immer mehr, heute erinnert nur noch ein Stein an den einstigen Standort.

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