Für Ergotherapeutin Corinna Wolff ist ihre Praxis derzeit unerreichbar
Zum Nichtstun gezwungen

Lengerich -

Nach einer krankheitsbedingten Pause wollte Corinna Wolff am Montag wieder in ihre Ergotherapie-Praxis zurückkehren. Doch daraus wurde nichts. Somit gehört nun auch die 42-Jährige zu denjenigen, die massiv durch die Corona-Krise betroffen sind – und ihre Patienten.

Donnerstag, 26.03.2020, 17:14 Uhr
Corinna Wolff mit einer von ihr genähten Schutzmaske und typischen Utensilien für die Arbeit mit Patienten.
Corinna Wolff mit einer von ihr genähten Schutzmaske und typischen Utensilien für die Arbeit mit Patienten. Foto: Corinna Wolff

Corinna Wolff ist Ergotherapeutin. Sie hilft unter anderem Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben. Das ist zumindest in „normalen“ Zeiten so. Doch derzeit ist nichts normal. Für die Lengericherin heißt das, dass sie keinen ihrer rund 40 Patienten sieht, geschweige denn mit ihnen arbeiten kann. Für die selbstständige „Einzelkämpferin“ wie für die meist älteren und alten Frauen und Männer, mit denen sie zu tun hat, eine überaus schwierige Situation. Corinna Wolff wird primär mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu kämpfen haben. Für ihre Kundschaft steht die Gesundheit im Mittelpunkt.

Ihre Praxis hat die Ergotherapeutin in einer Pflegeeinrichtung. Was zu anderen Zeiten ein Vorteil ist – sie ist nahe an vielen ihrer Patienten –, erweist sich nun als unüberwindbares Hindernis. Denn die Regel, die für Familie und Freunde von Heimbewohnern gilt, gilt auch für sie: Betreten verboten. Und jene Kunden, die sie daheim besucht, sagen ihr nun aus Sorge vor einer Covid-19-Infizierung ab. „Was ich natürlich verstehen kann.“

Nachdem sie bis Ende vergangener Woche einige Zeit krankheitsbedingt ausgefallen war, wollte sie am Montag wieder starten. Doch dann kamen am Sonntag die Maßnahmen zur Beschränkung sozialer Kontakte. Sie sei „kalt erwischt“ worden, sagt Corinna Wolff. Nun hat sie 100 Prozent Verdienstausfall, muss aber ihren Lebensunterhalt weiter bestreiten und die Fixkosten für die Praxis tragen.

Trotz dieser finanziellen Misere würde sie Termine selbst dann nicht wahrnehmen, wenn ein Patient entgegen aller Empfehlungen um eine Behandlung bäte. Denn körperliche Nähe sei bei Schultermobilisationen, Anzieh-Training und anderen Tätigkeiten unvermeidlich. Zwar habe sie sich während ihrer krankheitsbedingten Auszeit bereits Mundschutz-Masken genäht, erzählt die 42-Jährige. „Aber darüber hinaus gibt es keine Schutzausrüstung.“ Somit wäre auch ihr das Ansteckungsrisiko einfach zu hoch.

Auf der Internetseite des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten gibt es inzwischen unter den zahlreichen Informationen rund ums Thema Coronavirus auch einen Hinweis zum Thema „Telemedizin“. Doch mit Blick auf ihre Klientel und deren technische Kenntnisse und Ausstattung glaubt Corinna Wolff nicht, das Videos oder Skype eine adäquate Lösung für die fehlenden Therapie-Einheiten sein können.

Was sie und ihren Worten zufolge viele Berufskollegen aus dem Bereich Heilmittelerbringer – also auch Logopäden und Physiotherapeuten – umtreibt, sei die derzeitige Unsicherheit beim Thema staatliche Hilfen. Einerseits, informiert der Ergotherapeuten-Verband seine Mitglieder, sei die Inanspruchnahme von medizinisch notwendigen Diensten und damit auch therapeutischer Leistungen nach wie vor möglich, andererseits hätten viele Praxen bereits schließen müssen. Und beim sogenannten Rettungsschirm des Bundes könnte die Branche leer ausgehen: „Aktuell sieht es so aus, als ob die Heilmittelerbringer dort (noch) nicht berücksichtigt werden“, schreibt der Verband an seine Mitglieder.

Corinna Wolff stellt die Schließung ihrer Praxis indes nicht in Frage. Sie befürchte jedoch, sagt die Lengericherin, dass ein wichtiger Baustein des Gesundheitswesens, dem es aufgrund geringer finanzieller Spielräume bereits in der Vor-Corona-Zeit nicht gut gegangen sei, massive Schäden erleide. „Schon jetzt gibt es zu wenig Therapeuten. Wenn nun Praxen aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen, wird die Situation noch prekärer.“

Für sich sieht die 42-Jährige diese Gefahr derzeit nicht. Sie habe Rücklagen, die ihr über diese schwere Zeit hinweghelfen sollten, berichtet sie. Für ihre Patienten immerhin eine gute Nachricht.

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