Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners
Stadt wählt einen anderen Weg als Straßen-NRW

Lengerich -

Der Landesbetrieb Straßen.NRW setzt bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners auf ein Biozid. Die Stadt Lengerich wählt einen anderen Weg, hängt schwarze Beutel in Bäumen auf, in die die Raupen fallen sollen.

Mittwoch, 29.04.2020, 12:10 Uhr
Es wird befürchtet, dass die Raupen des Eichenprozessionsspinners auch in diesem Sommer wieder zu einer Plage werden.
Es wird befürchtet, dass die Raupen des Eichenprozessionsspinners auch in diesem Sommer wieder zu einer Plage werden. Foto: Klaus Meyer

Im Bereich Südring/Ibbenbürener Straße lässt es sich in Lengerich exemplarisch beobachten: Bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners gehen die Straßenlastträger keinen einheitlichen Weg. Während der Landesbetrieb Straßen-NRW flächendeckend auf den Einsatz eines Biozids setzt, belässt es die Stadt dabei, ein solches Mittel zunächst nur versuchsweise an zwei Stellen zu nutzen. Des weiteren seien am vergangenen Freitag Fallen aufgehängt worden, berichtet Holger Lange .

Der Fachdienstleiter Straßenbau sagt, dass die im Bereich des Fuß- und Radweges zwischen Eislaufwiese und Südring-Unterführung zum Einsatz kämen. Entlang der Hauptverkehrsstraße waren zuletzt auch Mitarbeiter des Landesbetriebs unterwegs. Wie Anfang April von der Behörde angekündigt, wird mit Spritzen, die einer Schneekanone ähneln, das frische Grün von Eichen besprüht.

Strenge Vorgaben für Biozid-Einsatz

„Allerdings“, das betont Thomas Straub, Leiter der Straßen-NRW-Straßenmeisterei in Westerkappeln, „gelten dabei strenge Vorgaben.“ Beispielsweise werde in der Nähe von Erdbeer- und Spargelfeldern auf den Einsatz ebenso verzichtet wie in Natur- und Wasserschutzgebieten sowie im Bereich bewohnter Bereiche. Seit dem 14. April sind seine Leute im Einsatz gegen die derzeit noch jungen Raupen. 350 Kilometer Straße werden im gesamten Tecklenburger Land abgefahren. Wie viele Eichen, die zu besprühen sind, an den Fahrbahnrändern stehen, vermag Straub nicht zu sagen.

„Das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis liefert den Ausgangsstoff für das spezielle Mittel, mit dem die jungen Raupen des Eichenprozessionsspinners bekämpft werden. Die Raupe frisst das Blatt und erst im Darm der Raupe entfaltet der für Menschen und Tiere ungefährliche Stoff seine Wirkung. Die Raupen sterben ab, bevor sie das für den Menschen gefährliche Lebensstadium erreichen können“, heißt es erklärend in einer Mitteilung zu der Aktion von Straßen-NRW.

Die Folgen des Biozids für die Umwelt sind schwer abzusehen.

Holger Lange, Leiter Fachdienst Straßenbau in der Stadtverwaltung Lengerich

Holger Lange kommentiert den Einsatz des Mittels zurückhaltend. Die Stadt wolle, wie auch bei den Fallen, zunächst einmal sehen, wie die Wirkung des Biozids ist. Zudem seien die Folgen für die Umwelt „schwer abzusehen“. So hält der Umweltverband BUND, wie gestern berichtet, den Biozid-Einsatz für unverantwortlich, weil auch andere Schmetterlinge und Insekten sowie Gewässer gefährdet würden. Auch in diesem Punkt werde die Verwaltung weitere Informationen sammeln, bevor 2021 möglicherweise ein weitergehender Einsatz folge, sagt Lange.

Die Fallen sind nach Angaben des Fachdienstleiters mit schwarzen Beuteln versehen, in die die Raupen hin-einfallen. Durch Sonneneinstrahlung würden sich die Behälter derart aufheizen, dass die kleinen Tiere verenden und aufgesammelt werden können.

Lange erinnert daran, dass in der Stadt im Herbst und Winter viele Nistkästen in-stalliert worden seien – „auch von Bürgern und Firmen“ –, um natürliche Fressfeinde der Eichenprozessionsspinner anzulocken. Darüber hinaus gebe es einen Vertrag mit einem Unternehmen, das für die Entfernung der Nester des Nachtfalters zuständig sei.

Da es momentan sehr warm ist, befürchten Experten, dass es auch 2020 wieder zu einem starken Eichenprozessionsspinner-Aufkommen kommt.

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