Wie sich das Friseur-Team Lindemann auf die Wiedereröffnung vorbereitet
Eine haarige Angelegenheit

Lengerich -

Ab dem 4. Mai dürfen Friseure wieder öffnen. Allerdings gelten dafür eine Reihe von Regeln. Was das für die Kunden bedeutet, erläutert Familie Lindemann, die in Lengerich zwei Salons betreibt.

Donnerstag, 30.04.2020, 17:08 Uhr aktualisiert: 03.05.2020, 16:40 Uhr
Maskenpflicht gilt sowohl für Mitarbeiter als auch für die Kunden – Familie Lindemann zeigt, wie es geht.
Maskenpflicht gilt sowohl für Mitarbeiter als auch für die Kunden – Familie Lindemann zeigt, wie es geht. Foto: Michael Baar

Ohne Termin wird schon mal gar nichts gehen, sollen die Haare wieder in Fasson gebracht werden. In der nächsten Woche dürfen die Friseure wieder öffnen, zu Kamm und Schere greifen. Haare waschen ist nicht nur möglich, sondern vorgeschrieben. „Farbe oder eine Tönung dürfen wird auch noch aufbringen, das war‘s dann“, fasst Gabi Lindemann den Rahmen des Erlaubten zusammen. „Das ist reine Pflichterfüllung“, sieht ihre Tochter Jenna, ebenfalls Friseurmeisterin, keinen Raum für Kreativität.

Schon der Zutritt zu den Salons ist – einheitlich für alle Betriebe – streng geregelt. Das Tragen eines Mundschutzes während des gesamten Aufenthaltes im Salon ist ebenso Pflicht für die Kundinnen und Kunden wie die Desinfektion der Hände beim Betreten.

Die Corona bedingte Vorgabe des Abstandhaltens wird den Kunden erleichtert, weil die Zahl der Arbeitsplätze drastisch reduziert worden ist. „In Hohne können wir neun Kunden parallel bedienen, in der Bahnhofstraße sechs“, verdeutlicht Udo Lindemann . Entsprechend luftig wirkt der Salon. Die überzähligen Stühle sind im Keller zwischengelagert worden.

Unabhängig von der Frisur der Kunden – bei jedem werden zunächst die Haare gewaschen. Aus einem einfachen Grund: „Trockenhaarschnitte sind verboten“, verweist Julian Lindemann auf die entsprechenden Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen. Die untersagen auch Kosmetik- und Make up-Dienstleistungen sowie das Zupfen der Augenbrauen und das Wimpern- und Augenbrauen färben.

Dass das Lindemann-Team mit Schutzhandschuhen die Haare der Kunden wäscht, ist normal. Zum Schneiden dürfen die Handschuhe dann ausgezogen werden. Und wenn an den Kopfseiten die Schere angesetzt werden muss, darf das Halteband der Mund-Nasen-Maske vom Kunden abgestreift werden. „Der muss die Maske dann mit seiner Hand festhalten – im Gesicht“, erläutert Gabi Lindemann.

Die Notwendigkeit, eine Maske zu tragen, stellt sie nicht in Frage. „Aber es gibt viele Kunden, die sich gerne beim Frisiertwerden unterhalten. Mit Maske wird das nicht möglich sein“, befürchtet sie eine deutliche Einschränkung des Wellness-Gefühls, das den Kunden in normalen Zeiten vermittelt worden ist. Dazu gehörten auch Getränke und Zeitschriften. „Dürfen wir alles nicht anbieten“, fasst es Udo Lindemann lakonisch zusammen.

Gezwungenermaßen weniger Service für die Kunden, dafür mehr Aufwand fürs Team im Salon. Nach jedem Kunden muss er Platz desinfiziert werden. „Kittel und Handtücher sind immer schon nach jedem Kunden in die Wäsche gekommen“, sieht Gabi Lindemann in einer weiteren Vorgabe keine zusätzliche Arbeit. Und auch das Händewaschen nach jedem Kunden sei für das gesamte Team seit Jahren gelebter Alltag.

Möglicherweise umgestellt werden muss die Arbeitsweise im Salon an der Bahnhofstraße. „Bislang haben wir dort ohne Termine gearbeitet“, erläutert Jenna Lindemann. Gut denkbar, dass jetzt auch dort auf Terminvergabe umgestellt werden muss. Schließlich sei die Zahl der Kunden auf sechs Personen begrenzt. „Wenn ein Siebter kommt, muss der vor der Tür warten“, weist sie auf die Anordnung des Landes hin.

In der Vergangenheit gab es Kunden, die ihre Haare im Salon selbst gefönt haben. „Das ist jetzt nicht erlaubt. Wer das trotzdem selber machen will, muss das zu Hause tun“, nennt Gabi Lindemann eine weitere Einschränkung des Normalbetriebs. Dass ein Kunde mit nassen oder feuchten Haaren den Salon verlässt – die vier Friseurmeister schaudert‘s.

Die Vorbereitungen für den Neu-Start am Montag, 4. Mai, sind abgeschlossen. Die Kunden werden aber etwas tiefer ins Portemonnaie greifen müssen. „Für den Mehraufwand durch die Corona-Vorgaben berechnen wir einen Mehrpreis von zwei Euro“, erläutert Udo Lindemann.

„Wer unsicher ist bezüglich der neuen Regeln durch die Corona-Pandemie kann gerne anrufen“, sagt Gabi Lindemann. Seit klar ist, dass die Salons wieder öffnen dürfen, hat die Familie täglich einen vierstündigen Telefondienst angeboten. Eine Folge davon: „Für die nächsten gut drei Wochen sind wir ausgebucht“, sagt die Friseurmeisterin. Was sie und ihre Familie viel mehr gefreut hat, „ist das positive Feedback von vielen Kunden in dieser schwierigen Zeit“.

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