Jugendarbeit in Corona-Zeiten
Auf der Straße wird der Kontakt gesucht

Lengerich -

Kontakte knüpfen und halten in Zeiten, in denen der direkte Kontakt zwischen Menschen stark eingeschränkt ist, ist alles andere als einfach. Und wenn dann auch noch das Jugendzentrum wegen der Corona-Krise geschlossen ist, wird Jugendarbeit noch schwerer. Dennoch ist das Team aktiv.

Sonntag, 03.05.2020, 16:40 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 17:22 Uhr
Das Jugendzentrum an der Bergstraße ist seit Wochen geschlossen.
Das Jugendzentrum an der Bergstraße ist seit Wochen geschlossen. Foto: Wilhelm Schmitte

Wie soll offene Jugendarbeit funktionieren, wenn Jugendzentrum und Jugendtreff Hohne nicht mehr offen, sondern Corona-bedingt geschlossen sind? Vor diesem Dilemma stehen Thomas Brümmer und sein Team seit dem 14. März. Und, sagt der Leiter der Einrichtung an der Bergstraße, die Ungewissheit, wie und wann es wieder einigermaßen normal weitergehen kann, sorge auch dafür, dass momentan in Sachen Sommerferienprogramm alles in der Schwebe sei.

Wer auf die Internetseite des Jugendzentrums schaut, findet unter Neuigkeiten sowohl Hinweise zum jährlich stattfindenden Zeltlager in Vechta als auch zur Ferienbetreuung mit den „Bunten Wochen“ im Jugendzentrum. Da es aktuell weder vom Kreis noch vom Land Stellungnahmen gebe, wie mit den Ferienprogrammen in den Kommunen umzugehen ist, gingen die Dinge ihren gewohnten Lauf, so Brümmer.

Der Großteil der Planungsarbeit für die sechs schulfreien Wochen ab Ende Juni ist ohnehin längst erledigt. Und mit verschiedenen Veranstaltern sei bereits Kontakt aufgenommen worden, um bei einer Absage nicht auf Stornierungskosten hängen zu bleiben. Im Fall des Zeltlagers würden die aber anfallen, wenn bis etwa Mitte Mai keine Klarheit herrsche, nennt der Jugendzentrumsleiter einen Zeitpunkt, bis zu dem es idealerweise eine Antwort auf die Frage gibt, was beim Sommerferienprogramm trotz Corona geht und was nicht. „Die Eltern und Kinder wollen ja auch irgendwann einmal Klarheit haben“, fügt Brümmer hinzu.

Er räumt bei diesem Thema offen ein, dass er sich kaum vorstellen könne, dass Tagesfahrten organisiert werden. Bei anderen Angeboten sei es hingegen sicher gut hinzubekommen, Vorgaben wie die Abstandsregeln einzuhalten. Dazu habe man sich im Jugendzentrum auch schon einige Gedanken gemacht, versichert der Leiter.

Eine Aktion, die wie berichtet angesichts der Schließung auf die Beine gestellt worden ist, ist der „Kindernachmittag to go“. Immer dienstags hängen dann fürs junge Publikum Tüten vor dem Eingang, die mit Bastelmaterialien gefüllt sind. Ein Angebot, das nach wie vor sehr gut angenommen werde, erzählt der Jugendzentrumsleiter. „Vergangene Woche waren alle 25 Stück in zwei Stunden weg.“ Neu hinzukommt nun Discord. Diese Social-Media-Plattform ermöglicht es Nutzern zum einen miteinander zu spielen, zum anderen kann darüber auch kommuniziert werden. Brümmer: „Wer also mit uns sprechen will, bekommt dazu so die Möglichkeit.“

Eine weitere Gelegenheit, den Draht zur jungen Klientel zu halten, bietet sich ihm und den anderen Mitarbeitern der offenen Jugendarbeit durch die Unterstützung des städtischen Fachdienstes Sicherheit und Ordnung. Für den ist das gesamte Team werktags im Einsatz, um zu schauen, ob sich die Menschen in Lengerich an die Corona-Regeln halten. „Das macht zurzeit den Großteil unserer Arbeit aus“, berichtet Brümmer, der von einer „wichtigen Erfahrung“ spricht.

Seinen Worten zufolge nutzen viele Bürger die Chance, mit den städtischen Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen und Fragen zu stellen. Bei den Touren durch die Stadt treffen sie immer wieder einmal auch auf Kinder und Jugendliche, die sie aus dem Jugendzentrum oder dem Jugendtreff Hohne kennen. Aus den Gesprächen habe man erfahren, dass in den ersten Corona-Tagen sehr viel Playstation und ähnliches gespielt worden sei. Doch nun falle dem ein oder anderen die Decke doch auf den Kopf. Was oft den Wunsch verstärke, Freunde zu treffen – und dann und wann zur unerlaubten Ansammlung kleinerer Gruppe geführt habe. „Es mussten auch schon welche 200 Euro zahlen“, bilanziert der Jugendzentrumsleiter.

Allerdings sind dafür nicht er und die anderen Mitarbeiter vom Jugendzentrum zuständig, sondern die „Profis“ von Polizei und Fachdienst.

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