Musikschule erteilt wieder Präsenzunterricht
Die Zwangspause ist vorbei

Lengerich -

Seit Montag dürfen Musikschulen wieder Präsenzunterricht erteilen – unter strengen Auflagen. Die Musikschule Tecklenburger Land nutzt das. Leiterin Stefanie Bloch erzählt, wie der Neustart organisiert worden ist und was in der Zwangspause an Unterricht möglich war.

Dienstag, 05.05.2020, 06:36 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 18:02 Uhr
Musiklehrerin Iris Korte mit Schülerin.
Musiklehrerin Iris Korte mit Schülerin. Foto: Michael Baar

Melodienfolgen schweben durch den Flur. Ungewohnte Töne in der Musikschule, die seit sieben Wochen keinen Präsenzunterricht erteilen durfte. Seit Montag ist das anders. „Alle Schülerinnen und Schüler, die wollen, können wieder zum Unterricht in die Musikschule kommen“, freut sich Leiterin Stefanie Bloch . Allerdings, diese Einschränkung ist ihr wichtig, nur zum Einzelunterricht.

Momentan ist nur Einzelunterricht in der Musikschule erlaubt

Die Schließung von Musikschulen war bis zum 3. Mai befristet, erläutert sie im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten . Ob diese Frist verlängert wird, oder ab Montag wieder Präsenzunterricht möglich sein würde – „das ist bis zum Ende der vergangenen Woche offen geblieben“. Was die 55-Jährige nicht davon abgehalten hat, alle Vorbereitungen für einen direkten Wiederbeginn zu treffen.

Ich habe sofort gesagt, wir müssen für den Wiederbeginn des Unterrichts am 4. Mai startbereit sein.

Stefanie Bloch,Leiterin der Musikschule

Während der erzwungenen Schließungszeit gab es immer wieder Konferenzen mit anderen Musikschulen und dem Verband der Musikschulen (VdM). Dabei stand zunächst das Thema digitaler Unterricht im Vordergrund. „Das haben wir im Kollegium, gleich als die Schließung bekannt wurde, besprochen“, blickt sie zurück. Gestartet wurde unmittelbar in der ersten Woche nach dem Verbot des Präsenzunterrichts.

Die Musiklehrerinnen und -lehrer haben das mit ihren Schülerinnen und Schülern organisiert. „Besonders beliebt war bei den Jugendlichen die Video-Telefonie über Whatsapp“, beschreibt sie die Vorgehensweise. Der Vorteil: Der Lehrende kann den Lernenden beobachten und direkt Tipps, beispielsweise für die richtige Körperhaltung beim Spielen eines Blasinstruments, geben.

Das Kollegium hat mit den Schülern den digitalen Unterricht abgesprochen

Auch wenn die Tonqualität nicht an die im Live-Unterricht heranreicht – „das war mir insbesondere für unsere Honorarkräfte sehr wichtig, weil die nur nach erteiltem Unterricht bezahlt werden“, nennt sie eine Intention hinter der schnellen Umsetzung dieser Angebote. Bei den Eltern sei das auch gut angekommen, fügt sie hinzu.

Bei der „Aufrüstung“ der Musikschule-Räume für die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts hat sich Stefanie Bloch an einer entsprechenden Empfehlung des VdM orientiert. Und ihr eigenes Improvisationstalent unter Beweis gestellt. So ist für den Blasmusik-Unterricht eine Trennwand zwischen Lehrer und Schüler vorgeschrieben. „Eine erwachsene Schülerin hat vor ungefähr zwei Wochen vorgeschlagen, Duschvorhänge zu verwenden“, muss sie unwillkürlich schmunzeln.

Wer nutzt privat schon durchsichtige Duschvorhänge? Als Trennwände machen die sich gut in der Musikschule.

Stefanie Bloch

Doch Stefanie Bloch macht sich auf den Weg in den nächsten Baumarkt und ergattert gleich sechs durchsichtige Duschvorhänge. „Wer nutzt die schon“, kann sie sich eine Verwendung dieses Artikels im Privatbereich nicht vorstellen. In einem zweiten Baumarkt wird sie ebenfalls fündig. „Ich habe aber nur so viele gekauft, wie uns noch gefehlt haben, ich habe nicht gehamstert“, lacht die 55-Jährige.

Mit Hilfe des Facility Managements der Stadtverwaltung sind die zweckentfremdeten Duschvorhänge am Montagmorgen aufgehängt worden. Dank der Kassettendecken in der Musikschule einfach an Fäden. „Das hat super geklappt“, lobt sie die Kollegen. Desinfektionsmittel, entsprechende Tücher und Abfalltüten ergänzen das Hygiene-Equipment in jedem Raum, der für den Unterricht genutzt wird.

Schüler haben die Wahl zwischen Präsenz- und Digital-Unterricht

Dabei sind verschiedene VdM-Empfehlungen umgesetzt worden: Für den Klavierunterricht stehen jeweils zwei Instrumente in einem Zimmer. Bei den Saiteninstrumenten darf bei Trennwand und entsprechender Raumgröße die Mund-Nasen-Maske im Unterricht abgenommen werden. Bei Blasinstrumenten ist das unumgänglich, ebenso wie die zwingend vorgeschriebene Trennwand und eine Mindest-Raumgröße von 20 Quadratmetern. (je zehn für Lehrer und Schüler). Beim Klavier reichen auch fünf Quadratmeter je Person.

Der Raumplan ist entsprechend diesen Anforderungen angepasst worden. Zwingend ist die Teilnahme am Präsenzunterricht nicht. „Jeder Schüler entscheidet, ob er in die Musikschule kommen will oder zunächst weiter auf das digitale Angebot zurückgreift“, unterstreicht sie die Entscheidungsfreiheit.

„Ich habe heute schon die erste Stunde Saxofon-Unterricht gegeben“, erzählt sie. Es sei klasse gewesen, „besser als die sehr gute digitale Hilfe“. Auf die Technik wird vorerst noch bei den Ensembles zurückgegriffen werden müssen. Die musikalische Früherziehung ruht weiter. Bei den Bläserklassen am Hannah-Arendt-Gymnasium bleibt es vorläufig auch bei Digital-Unterricht.

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