Das Pflegeteam wird zur Familie
99-jährige Irmgard Janke überlebt Corona-Erkrankung

Lengerich/Ladbergen -

Es waren keine leichten Monate für Irmgard Janke und ihre Familienangehörigen. Die 99-Jährige lebt im Altenheim Haus Widum in Lengerich und war an Covid-19 erkrankt. Jetzt geht es ihr wieder besser, berichtet ihr Sohn Jürgen. Der darf seine Mutter inzwischen wieder besuchen – Kontakt ist allerdings vorläufig nur auf Distanz möglich.

Donnerstag, 07.05.2020, 06:16 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 07:14 Uhr
Ist nach der Corona-Erkrankung wieder fit ist die 99-jährige Irmgard Janke. Sie freut sich darauf, ihre Familie wieder in die Arme nehmen zu dürfen.
Ist nach der Corona-Erkrankung wieder fit ist die 99-jährige Irmgard Janke. Sie freut sich darauf, ihre Familie wieder in die Arme nehmen zu dürfen. Foto: privat

Es ist traurig und emotional belastend: Pflegebedürftige Menschen, die im Seniorenheim leben, dürfen keinen Besuch haben. Die Angehörigen können ihre Mutter oder ihren Vater nicht sehen, geschweige denn, etwas mit ihnen unternehmen, sie aufmuntern oder Trost spenden. Die Corona-Zeit kann sehr bedrückend sein.

Und doch gibt es auch schöne und befreiende Momente. Das hat Familie Janke aus Ladbergen mit ihrer Mutter beziehungsweise Großmutter Irmgard Janke erlebt. Die 99-Jährige lebt im Haus Widum in Lengerich und die Familie dankt vor allem den Pflegerinnen und Pflegern, die ihr in schwerer Zeit beigestanden haben.

Erkrankt an Covid-19

Insgesamt drei Monate lang hatten Jürgen Janke und seine Familie keinerlei Gelegenheit, die Mutter und Großmutter zu besuchen. Erst gab es die Kontaktsperre – dann infizierte sich Irmgard Janke mit dem Covid-19-Erreger, hatte Fieber und Halsschmerzen. Schnellstmöglich und professionell wurde gehandelt und eine Isolierstation eingerichtet. Und dann begann eine harte Zeit – für alle Betroffenen inklusive des Pflegeteams.

Die gute Nachricht vorweg: Die alte Dame, die an einer leichten Demenz leidet, hat alles gut überstanden. „Sie hat in ihrem ganzen Leben keine Vorerkrankung gehabt“, erzählt Jürgen Janke im Telefonat mit den Westfälischen Nachrichten. Doch drei Monate keinen Kontakt zur Familie zu haben, das sei „eine lange Zeit für einen alten Menschen“, schildert der Ladberger. Diese Zeit endete in der vergangenen Woche. Da durfte er seine Mutter erstmals wieder sehen, draußen, im Garten von Haus Widum, mit einem Abstand von drei Metern – und natürlich einem Nasen-Mundschutz. „Das war ein aufregendes Gefühl“, so Janke. „Ich war erstaunt, wie gut sie aussah. Da war Leben in ihr“, freut sich der Sohn.

Das war ein aufregendes Gefühl. ich war erstaunt, wie gut sie aussah.

Sohn Jürgen Janke nach dem ersten Besuch

Dass es der 99-Jährigen gut geht, ist auch dem Pflegeteam zu verdanken – und das weiß Familie Janke zu schätzen. Deshalb hat sie bereits auf Facebook danke gesagt und von den vergangenen Wochen in Haus Widum berichtet:

„Der Pflegedienstplan wurde umstrukturiert und mehrere Pfleger übernahmen die Rundumbetreuung der betroffenen isolierten Bewohner. Das hieß in dieser Situation für das Pflegepersonal, sowohl privat als auch beruflich in die Isolation zu gehen. Neben der Belastung des Schichtdienstes, der Unterbringung in einem Hotel und somit der Vermeidung jeglicher eigenen sozialen Kontakte wurde Tag und Nacht der Kontakt zu den Angehörigen aufrecht erhalten. Auch dabei standen sie uns mit Rat und Tat zur Seite. Darunter gab es auch kritische und emotionale Tage“, schreibt die Familie.

Kontakt zur Familie

Was damit gemeint ist, erläutert Jürgen Janke im Telefonat mit den WN. Dreimal habe es auf der Kippe gestanden, habe sich der Gesundheitszustand gefährlich verschlechtert und man habe mit dem Tod rechnen müssen. Doch die Seniorin hat sich wieder erholt. In dieser Zeit gab es regelmäßige Kontakte mit den diensthabenden Ärzten, mit denen die weitere Vorgehensweise erörtert und abgesprochen wurde. „Eine nicht nur arbeitstechnisch über einen Zeitraum von drei Wochen schwere Zeit, sondern auch ethisch und psychisch nervenaufreibend. Es war ein Kampf an mehreren Fronten“, berichtet die Familie weiter.

Dass es der Seniorin wieder gut geht, „das haben wir, die Angehörigen, Kinder und Enkel, unter anderem den erheblichen Bemühungen der Pflegerinnen und Pfleger zu verdanken. Sie wurden selbst zu Familienmitgliedern. Manche Dinge liegen in Gottes Hand und man sagt, sie sind nicht mit Geld zu bezahlen – aber wenn es jemand verdient hätte, dann die Pflegerinnen und Pfleger, alle, überall“, endet der Bericht auf Facebook.

Die Pflegerinnen und Pfleger wurden zu Familienmitgliedern.

Jürgen Janke

Nun freuen sich alle, wenn sie die 99-Jährige wieder besuchen dürfen. Bislang darf das nur Sohn Jürgen. Und der genießt es – trotz vorgeschriebenem Abstand. Denn er sieht, wie die alte Dame dadurch wieder auflebt. Und verspricht ihr schon jetzt, dass ihr 100. Geburtstag im Februar nächsten Jahres groß gefeiert wird: „mit Bürgermeisterbesuch und einer Kapelle“.

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