Gustav Echelmeyer hat seinen zweiten Krimi veröffentlicht
Gier als Triebfeder des Handelns

Lengerich -

Für die Form eines fiktiven Krimis hat sich Gustav Echelmeyer entschieden, „weil ich dadurch gut andere Inhalte transportieren kann“. Der Lengerich hat jetzt sein zweites Buch vorgestellt, ein drittes ist in Arbeit.

Dienstag, 12.05.2020, 05:53 Uhr aktualisiert: 12.05.2020, 17:50 Uhr
Gustav Echelmeyer an seinem Schreibtisch, nicht bei der Arbeit an seinem dritten Buch, sondern bei der Vorbereitung eines Online-Seminars für seine Tätigkeit als Dozent an der Universität im russischen Iwanowo.
Gustav Echelmeyer an seinem Schreibtisch, nicht bei der Arbeit an seinem dritten Buch, sondern bei der Vorbereitung eines Online-Seminars für seine Tätigkeit als Dozent an der Universität im russischen Iwanowo. Foto: Michael Baar

„Wenn der Fuchs den Hühnerstall verriegelt“ heißt das Buch. Der Gedanke, es könnte sich um Lektüre für Kinder handeln, wird vom Untertitel eines Besseren belehrt. „Das Evangelium der Gierigen“ führt weg von der Jugendliteratur. Und mit Kirche hat der Inhalt auch nur im übertragenen Sinn zu tun. „Es geht um Einfluss, Machtgefühle, Überlegenheit“, beschreibt Gustav Echelmeyer das Fundament seiner Geschichte.

Es geht um Einfluss, Machtgefühle, Überlegenheit.

Gustav Echelmeyer

Bewusst hat er sich für die Erzählform des Krimis entschieden. „Dadurch kann ich gut andere Inhalte transportieren“, sagt der Lengericher mit Blick auf seine früheren Buch-Veröffentlichungen. Den Anstoß, sich mit dem Thema Gier zu beschäftigen, hat er nach eigenen Angaben aus den Westfälischen Nachrichten erhalten: „Ich habe die Berichte im Wirtschaftsteil über Cum-Ex-Geschäfte gelesen. Das hat meine Neugier geweckt und ich habe begonnen, zu dem Thema zu recherchieren.“

Entstanden ist daraus die fiktive Geschichte des Arno Thalheimer . Der arbeitet in einer Landesbehörde, entwickelt Vorgaben für Banken – und entdeckt dann, dass den Geldhäusern ein Schlupfloch geblieben ist. Die Banken verpflichten Arno Thalheimer für ein zig-Faches seines Beamtensalärs. Erst nach und nach geht ihm auf, dass Moral und Gerechtigkeit bei seiner neuen Tätigkeit nicht vorkommen.

Ihr da unten, wir hier oben. Eine Million mehr oder weniger – egal.

Ihr da unten, wir hier oben. Eine Million mehr oder weniger – egal. Wir machen unsere Gesetze selbst. Mit diesen Schlagworten werden die Protagonisten der Handlung sehr gut beschrieben. Schließlich geht es um ein sehr gutes Geschäft, das zu scheitern droht, was mit allen Mitteln verhindert werden muss.

Gustav Echelmeyer beschränkt sich beim Erzählen keineswegs auf einen nüchtern-sachlichen Stil. Der 71-Jährige lässt ebenso reißerische Formulierungen in die Geschichte einfließen wie zärtlich-poetische Beschreibungen. „Im Kopf des Lesers sollen Bilder entstehen“, beschreibt er seinen schriftstellerischen Ansatz.

Im Kopf des Lesers sollen Bilder entstehen.

Gustav Echelmeyer

„Ich war 40 Jahre im Schuldienst tätig, da bleibt so etwas einfach hängen“, schmunzelt er im Gespräch mit den WN. Ähnlichkeiten mit der Realität sind zufällig, unterstreicht er. „Wer glaubt, sich wiederzuerkennen, soll auf sein eigenes Leben blicken.“ Ein Satz, der deutlich macht, was sich Gustav Echelmeyer von den Lesern wünscht: Darüber nachzudenken, ob der Homo sapiens lernfähig ist, gerade auch aus der Corona-Krise. Ob er Änderungen anstrebt und umsetzt, ob Verständnis für die Gründe von Entwicklungen entsteht.

Von der Förderschule bis zur Universität

Sein nächstes Buch, das steht für Gustav Echelmeyer fest, wird kein Krimi. „Darin wird es um Netzwerke gehen, die den Bestand der liberalen Demokratie gefährden. Um Menschen, die eine andere Republik wollen“, verrät er im Gespräch mit den WN.

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„Das Thema Gier wird in der Literatur seit Jahrtausenden behandelt“, verweist er auf den Prolog seines Buches. Dort sind sehr alte Geschichten, Gedichte und neue Lieder über die Vergänglichkeit irdischer Güter aufgelistet. „Wann wird man je versteh‘n?“ Marlene Dietrich hat diesen Song populär gemacht. Das Original ist ein Anti-Kriegslied des US-Songwriters Pete Seeger – „Where have all the flowers gone“.

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