Blaumeisen-Sterben geht langsam zurück
Vogeltränken täglich reinigen

Tecklenburger Land -

Vorsichtige Entwarnung gibt der Naturschutzbund Deutschland in Sachen Meisensterben. In den vergangenen Wochen waren vermehrt tote Blaumeisen in Gärten gefunden worden. Jetzt sieht es so aus, als ob die Fallzahlen sinken.

Mittwoch, 13.05.2020, 19:36 Uhr aktualisiert: 13.05.2020, 19:50 Uhr
Viele Blaumeisen sind durch eine bakterielle Infektion verendet. Diese tritt typischerweise im Frühjahr auf.
Viele Blaumeisen sind durch eine bakterielle Infektion verendet. Diese tritt typischerweise im Frühjahr auf. Foto: Felix Büscher

Vor wenigen Wochen machte die Nachricht die Runde, dass vermehrt tote Blaumeisen in Gärten gefunden werden. Kurze Zeit später war klar, dass das Bakterium Suttonella ornithocola Schuld am Tod der Vögel ist. Der Kreis Steinfurt wies darauf hin, Futterstellen und Tränken zu entfernen, damit die Meisen sich nicht so leicht infizieren konnten.

Ob diese Empfehlung noch gelte, wollte jetzt ein Leser wissen. In seinem Garten sei ein Vogelkasten aufgehängt und er wolle auch gern wieder eine Vogeltränke aufstellen, „aber nur, wenn es Vögel nicht gefährdet“. Die Redaktion hat bei Dr. Andreas Raaz vom Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Kreises Steinfurt nachgefragt.

„Das Geschehen flacht inzwischen wieder ab“, sagt der Fachmann und rät zu einem Blick auf die Internetseite des Naturschutzbundes ( NABU ), wo ein Meldeformular und eine Übersichtskarte eingerichtet sind. Die Krankheit trete „typischerweise im Frühjahr auf“, sagt Raaz. Das Bakterium und dessen Folgen seien erstmals in den 1990er-Jahren in England aufgetreten. Das Kreisamt hatte nach der Einschickung eines Vogels zur Untersuchung Klarheit, dass es sich tatsächlich um das Bakterium handelt, das den Meisen den Garaus macht.

Meldungen aus 18 Landkreisen in fünf Bundesländern

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) teilte zum Meisensterben mit: „Die Zahl der Meldungen pro Fundtag geht weiter zurück. Es sind jetzt weniger als 100 Meldungen pro Tag (zum Vergleich: Das Maximum waren fast 1300 Meldungen am Karfreitag, 10. April). Wir erwarten, dass das ‚Meisensterben‘ im Lauf des Mai zum Ende kommt – jedenfalls für dieses Jahr. Insgesamt sind beim NABU bis zum 5. Mai knapp 18 000 Verdachtsmeldungen zum Blaumeisensterben mit knapp 33 000 betroffenen Vögeln eingegangen. Dem NABU liegen Informationen zu positiven Suttonella ornithocola-Befunden aus 18 Landkreisen in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg vor.

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Zu den Tränken merkt Raaz an, dass der Wasserbedarf gerade bei Vögeln, die sich von Insekten ernähren, nicht so hoch ist, und dass die Vögel im Übrigen gerade im ländlichen Raum an Seen, Bächen oder Gartenteichen genügend Wasserquellen fänden. Wer eine Tränke aufstellen wolle, solle diese häufig (am besten morgens und abends) reinigen. „Am besten stellt man mehrere Tränken auf“, sagt Raaz. Dann verteilten sich die Vögel besser, die Gefahr, dass sie sich mit Krankheiten anstecken, sinkt. Raaz hat aber noch einen Tipp: Den Rasensprenger zum Beispiel auch mit einer Zeitschaltuhr anstellen, sodass auch Büsche benetzt werden. „Dann nehmen die Vögel das Wasser in Tropfenform auf, das ist eine gute Methode, um das Bakterium abzuhalten.“ Grundsätzlich gelte, dass Garten- und Vogelfreunde bei dem nun zurückgehenden Krankheitsgeschehen ruhig Tränken aufstellen könnten – bei entsprechenden Tränkenhygienemaßnahmen.

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