Zerstörungen im Teutoburger Wald
Es ist zu wild fürs Wild

Lengerich/Lienen -

Dass immer mehr Mountainbiker, Nordic-Walker und Wanderer im Teutoburger Wald unterwegs sind, ist das eine. Was Hartmut Grotholtmann, Leiter des Hegerings Lengerich, und seinen Lienener Kollegen Ernst-August Sieck wirklich stört ist die Tatsache, dass immer mehr Nutzer die Wanderwege im Teuto verlassen.

Samstag, 16.05.2020, 06:27 Uhr aktualisiert: 16.05.2020, 06:30 Uhr
Hartmut Grotholtmann – mit Hund Cajus –, Ernst-August Sieck und Olaf Dölling (von links) appellieren vor allem an Wanderer und Mountainbiker, im Teuto mehr Rücksicht auf die Natur zu nehmen und auf den Wegen zu bleiben.
Hartmut Grotholtmann – mit Hund Cajus –, Ernst-August Sieck und Olaf Dölling (von links) appellieren vor allem an Wanderer und Mountainbiker, im Teuto mehr Rücksicht auf die Natur zu nehmen und auf den Wegen zu bleiben. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Mehrfach sagt Hartmut Grotholtmann diesen einen Satz, der viel erklärt: „Das ist so, seit der Wald zur Turnhalle erklärt worden ist.“ Eine Einschätzung, die Ernst-August Sieck mit zustimmendem Kopfnicken untermauert. Die beiden Hegeringleiter – Sieck in Lengerich, Grotholtmann in Lienen – sprechen über Probleme im und am Teuto, die durch Mountainbiker, Nordic-Walker und Wanderer verursacht würden.

Weil die in immer größerer Zahl die ausgewiesenen Wanderwegen verließen oder ihre Hunde in FFH- und Naturschutzgebieten nicht anleinten, gebe es Störungen und Zerstörungen, die nicht mehr zu tolerieren seien. So steht es in einem Schreiben, mit dem sich das Duo an Wilhelm Möhrke und Arne Strietelmeier gewandt hat, die Bürgermeister von Lengerich und Lienen.

Störungen in Naturschutzgebieten

Beim Pressetermin ist neben den beiden Hegeringleitern auch Olaf Dölling dabei, Vorstandsmitglied des Hegerings Lienen. Er sagt, unter anderem und vor allem gehe es darum, dass Tieren zusehends die Ruhe- und Rückzugsräume fehlten. Gerade jetzt sei die Brut- und Setzzeit, zugleich aber – der Corona-Pandemie sei Dank – seien Wald und Wiesen das Ziel von einer immens großen Zahl von Menschen. Vögel wie Waldschnepfe, Fasan oder Kiebitz würden massiv gestört. Gleiches gelte für Damwild und Rehe.

Von Hunden gehetzte trächtige Ricken haben deshalb Fehlgeburten erlitten.

Olaf Dölling, Hegering Lienen

Dölling berichtet beispielhaft von trächtigen Ricken, die von Hunden gehetzt worden seien und dadurch eine Fehlgeburt erlitten hätten. Hartmut Grotholtmann erzählt von einem Jägerkollegen, der abends an der Sudenfelder Straße beobachtet habe, wie mehr als 40 Rehe über die Fahrbahn gelaufen seien, nachdem sie jemand aufgeschreckt habe.

Dass es dort und auch an der Iburger beziehungsweise Lengericher Straße zu vielen Wildunfällen kommt, führen sie auch darauf zurück, dass die Tiere an den Teuto-Hängen immer wieder und immer öfter gestört werden.

Welche Dimension das Ganze ihren Angaben zufolge inzwischen hat, lässt sich auch aus weiteren Schilderungen ablesen. So erzählt das Trio von Mountainbikern, die Paletten mitbringen, um sich im Wald Sprungschanzen zu bauen oder „richtig viel Arbeit reinstecken“, um mit Hilfe von Schaufeln und Holz herausfordernde Streckenabschnitte anzulegen.

Sprungschanzen aus Paletten 

Ernst-August Sieck betont, dass es sich dabei um Extrembeispiele handele. Aber Gedankenlosigkeit und fehlendes Wissen – beides sei durchaus verbreitet – bereite eben auch Probleme. Und wenn dann noch der E-Bike-Boom dafür sorge, dass Publikum im schwierigen Gelände unterwegs sei, dass dort bislang nicht zu sehen gewesen sei, führe das zu den genannten Problemen in einer bisher nicht bekannten Größe.

Er, Grotholtmann und Dölling versichern, dass sie beileibe nicht alle Ausflügler über einen Kamm scheren und an den Pranger stellen wollen. Natürlich sei der Wald ein Erholungsraum. Und natürlich sei es völlig in Ordnung, wenn auf dem Hermannsweg und anderen Routen Menschen wandern, mit ihren Hunden laufen oder radfahren. Ihnen gehe es allein darum, die Auswüchse zu benennen und sie nach Möglichkeit einzudämmen. Im Brief an die Bürgermeister formulieren es Sieck und Grotholtmann so: „Naturschutz für Flora und Fauna ist derzeit kaum noch gegeben, da alle üblichen Hinweise und Gebote missachtet werden.“

Naturschutz für Flora und Fauna ist kaum noch gegeben, da alle üblichen Hinweise und Gebote missachtet werden.

Ernst-August Sieck und Hartmut Grotholtmann

Hilfe durch Kommunen

Auf ihr Schreiben haben sie bereits Antwort bekommen. Arne Strietelmeier stellt, auch im Namen von Wilhelm Möhrke: „Für ein effektives Vorgehen bei Verstößen (...) benötigen wir von Ihnen noch gezieltere Informationen.“ Zudem verweisen die Bürgermeister darauf, dass die Mitarbeiter der beiden kommunalen Ordnungsämter angesichts der Corona-Krise „nur bedingt“ in der Lage sind „Verhaltensweisen im Naherholungsgebiet im Teutoburger Wald“ zu kontrollieren.

Was die Verantwortlichen der beiden Hegeringe nicht verwundert und wofür sie Verständnis äußern. Sie erhoffen sich nun vor allem Hilfe durch die Kommunen bei der Anschaffung weiterer Hinweis- und Verbotsschilder. „Das Aufstellen können wir übernehmen“, sagt Hartmut Grotholtmann. Zu finden sein sollen die dann unter anderem an Wanderparkplätzen vom Canyon im Westen bis zur Lienener Grenze nach Bad Iburg im Osten.

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