Ab 28. Mai weitere Lockerungen bei Kindertagesstätten
In kleinen Schritten geht‘s vorwärts

Lengerich/Tecklenburger land -

Dass in den Kindertagesstätten vor den Sommerferien wieder der normale Betrieb läuft, glaubt Arnd Rutenbeck nicht. Der Geschäftsführer des Kindertagesstättenverbundes im evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg sieht die 27 Einrichtungen gut aufgestellt.

Dienstag, 19.05.2020, 06:09 Uhr aktualisiert: 19.05.2020, 16:29 Uhr
Bis alle Zahnbürsten und -becher in den Kindertagesstätten wieder benutzt werden, wird noch einige Zeit vergehen.
Bis alle Zahnbürsten und -becher in den Kindertagesstätten wieder benutzt werden, wird noch einige Zeit vergehen. Foto: Detlef Dowidat

Wird in den Kindertagesstätten bis zu den Sommerferien – die beginnen am 29. Juni – wieder der Normalbetrieb laufen wird? Arnd Rutenbeck ist da „sehr, sehr skeptisch“. Schließlich kämen am 28. Mai erst mal die angehenden Schulkinder wieder in die Einrichtungen, erläutert er im Telefonat mit den Westfälischen Nachrichten .

Der Geschäftsführer des Kindertagesstättenverbundes des evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg verweist auf die Entwicklung seit dem Lockdown vor gut zwei Monaten. Mitte März habe etwa die Hälfte der im Verbund zusammengefassten 27 Tageseinrichtungen auf Notbetreuung umgeschaltet. Seit April werde ein solches Angebot in allen Einrichtungen vorgehalten. Neben den Kindern der Eltern, deren Beruf als systemrelevant eingestuft wurde, sind auch Kinder mit Integrationsstatus wieder in den Tagesstätten.

Mit den angehenden Schulkindern werden nach Schätzung des Geschäftsführers etwa 40 bis 50 Prozent der Kinder wieder in den Einrichtungen betreut. Seit April war es ein gutes Viertel der insgesamt rund 1850 Mädchen und Jungen, die eine evangelische Kindertagesstätte besuchten.

Rund die Hälfte der Kitas lief seit dem Lockdown im Notbetrieb

Dass Eltern auf eine schnellere Öffnung der Tageseinrichtungen drängen, „kann ich sehr gut verstehen“, sagt Arnd Rutenbeck. Aus seiner Sicht kommen dabei zwei Faktoren zusammen: Zum einen hätten Eltern, die bislang zuhause ihr Kind betreut haben, kaum noch Urlaub. „Zum anderen sehnen sich die Kinder natürlich nach ihren Freunden.“

Die Eltern machen Druck, die Tageseinrichtungen weiter zu öffnen. „Sie unterscheiden dabei aber sehr genau“, hat der Geschäftsführer festgestellt. Der Druck werde auf das Ministerium ausgeübt. „Die Eltern wissen, dass wir als Träger dafür nicht zuständig sind.“

Dass Eltern auf eine schnellere Öffnung der Tageseinrichtungen drängen, kann ich sehr gut verstehen.

Arnd Rutenbeck

In einem Punkt blickt er der erweiterten Öffnung gelassen entgegen. „Von den Räumen her passt es in allen Einrichtungen.“ Schließlich sei man von einer Betreuung in normaler Gruppengröße noch weit entfernt. „Maximal 50 bis 60 Prozent der Kapazität“ dürfen nach seinen Worten genutzt werden. Was je nach Alter zu unterschiedlich viel Kindern in den jeweiligen Gruppen führt. Normalerweise zählt eine U2-Gruppe zehn Kinder, bei den Zwei- bis Sechsjährigen sind es 20 Mädchen und Jungen, bei den Drei- bis Sechsjährigen 25 Kinder.

Engpässe in der Betreuung schließt Arnd Rutenbeck ebenfalls aus. Auch wenn an die 20 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einer Risikogruppe gehören und deshalb nicht mit Kindern arbeiten dürfen.

Keine Engpässe in der Kinderbetreuung

Die Erzieherinnen und Erzieher sind in den Tagesstätten nicht zum Tragen eines Mund-Nasenschutzes verpflichtet. „Wenn jemand vom Team das möchte, erhält er eine Typ2-Maske“, erläutert der Geschäftsführer. Allerdings versteht er die Kolleginnen und Kollegen die sagen, dass sie einem Kind, das sie wochenlang nicht gesehen haben, nicht mit einer Maske gegenüber treten könnten. „Zumal Kinder keine Masken tragen dürfen, unter anderem wegen der Verletzungsgefahr“, fügt er hinzu.

Kinder dürfen in den Einrichtungen keine Masken tragen.

Arnd Rutenbeck

Desinfektionsmittel, angepasste Reinigungsintervalle, Einweg-Masken für Eltern, die unversehens in der Kita auftauchen, Handlungs- und Verhaltensanweisungen – in diesem Bereich sind nach den Worten von Arnd Rutenbeck alle Tagesstätte gut aufgestellt. Nur mit den Masken, die der Verbund bestellt hat, ist etwas schiefgelaufen. „Das war vor sieben Wochen, die sind bis heute nicht angekommen.“

Ob es so etwas wie die Auswirkungen der Corona-Pandemie schon mal gegeben hat? „Das gab‘s noch nie“, stellt Arnd Rutenbeck fest. Eine Grippewelle habe vielleicht einzelne Einrichtungen getroffen. Das habe zwei Wochen gedauert. „Aber dass gesunde Kinder nicht in die Kita gehen dürfen, ist für mich absolutes Neuland.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7414778?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker