Nach über 40 Jahren Lehrtätigkeit in der Musikschule hört Norbert Britzwein auf
„Als Kind habe ich wenig geübt“

Lengerich -

Als Schüler hat er mal kurze Zeit Cello gespielt. Doch Norbert Britzwein ist dem Instrument, das er mit sieben Jahren zu spielen begonnen hat, treu geblieben: der Flöte. Zunächst war das die Blockflöte, inzwischen hat der die Querflöte den Rang abgelaufen.

Dienstag, 26.05.2020, 06:31 Uhr aktualisiert: 26.05.2020, 17:20 Uhr
Norbert Britzwein ist seit Gründung der Musikschule dort als Lehrer tätig. Jetzt schließt er dieses Kapitel.
Norbert Britzwein ist seit Gründung der Musikschule dort als Lehrer tätig. Jetzt schließt er dieses Kapitel. Foto: Michael Baar

„Zu Beginn habe ich wenig geübt.“ Norbert Britzwein gibt das unumwunden zu. Nun liegt das zum einen über 60 Jahre zurück. Zum anderen beherrscht er das Instrument, mit dem alles begonnen hat, heute noch meisterhaft: die Blockflöte. Als Lehrer der Musikschule Tecklenburger Land hat er in Lengerich vielen Schülern im Wortsinn die Flötentöne beigebracht. Dass er zwischendurch in den Ruhestand gegangen ist, hat ihn nicht gestört. Doch jetzt, kurz vor Vollendung des 69. Lebensjahres, hört er als Honorarkraft – die er seit der Pensionierung ist – auf.

Mit sieben Jahren habe ich mit Blockflöte begonnen und gespielt und gespielt.

Norbert Britzwein

Das mit dem „wenig geübt“ relativiert er wenige Sätze später. „Mit sieben Jahren habe ich mit Blockflöte begonnen und gespielt und gespielt“, sagt bei seiner offiziellen Verabschiedung in ganz kleinem Kreis. Stefanie Bloch , Leiterin der Musikschule, spricht von ihm als „Koryphäe der Kammermusik“. Und Bürgermeister Wilhelm Möhrke muss unwillkürlich schmunzeln, als die Worte „wenig geübt“ fallen. Der Chef der Stadtverwaltung sollte – mehrere Jahre lang – Klavier spielen lernen.

In der Musikschule Bremerhaven erlernt der damals Siebenjährige das Flöte spielen. Geboren wurde er in Wilhelmshaven, aber die Familie ist bald darauf nach Bremerhaven gezogen. „Mein Vater hatte dort Arbeit gefunden, in Wilhelmshaven ist das ja heute noch schwer“, erzählt Norbert Britzwein. Mit 16 Jahren greift er das erste Mal zu Querflöte. Die Blockflöte mit all ihren Varianten beherrscht er da schon. Einen Abstecher zum Cello, noch während der Schulzeit, beendet er schnell wieder. „Blasen ist doch ein bisschen schöner als Saiten streichen“, kommentiert er diese kurze Episode mit trockenem Humor.

Nach der Schule Ausbildung zum Musikalienhändler

Nach der Schule beginnt er eine Ausbildung zum Musikalienhändler in Hamburg. Insgesamt fünf Jahre arbeitet er in diesem Beruf. „Noten waren teuer, ich kam da günstig ran.“ In diesem Satz wird deutlich, dass ihm das Musizieren eine Herzensangelegenheit ist, nicht der Handel mit Instrumenten und Noten. „Ich wollte studieren“, erzählt er. Dieser Wunsch führt ihn nach Münster, zu einer Blockflöten-Professorin. Und auch die Querflöte wird zum Studiengegenstand, ebenfalls bei einer Professorin in Münster.

Schon als Heranwachsender hat Norbert Britzwein in Kirchen bei Konzerten mitgespielt. Klassik und Kirchenmusik – daraus macht er keinen Hehl – sind sein Ding. So lernt er auch Ulrich Grosser kennen, der eine Blockflöte für sein Ensemble sucht. Aus dem einen Konzert werden mehr. „Dann hat Uli Grosser gefragt, ob ich nicht an die Musikschule nach Lengerich kommen will, um dort zu unterrichten“, erinnert sich der Musiker. „Wir zahlen gut“, habe der erste Leiter der Musikschule hinzugefügt. Stimmte das? „Ich hatte keinen Vergleich, aber es war okay“, stiehlt sich ein Lächeln auf seine Lippen.

Ich hatte keinen Vergleich, aber es war okay.

Norbert Britzwein über sein Gehalt als Musiklehrer

So kommt der junge Mann von der Nordseeküste nach Lengerich, gehört zum Gründungsteam der Musikschule und bleibt – über 40 Jahre. „Ich hatte nie das Bedürfnis, woanders hin zu gehen“, fühlt er sich am Südhang des Teutoburger Waldes ausgesprochen wohl.

Kammer- und Kirchenmusik ist er immer treu geblieben. „Die Kantorin hat mich geschult, die Liebe zur Musik in mir geweckt“, blickt er zurück. Kein Wunder, dass er 30 Jahre im Kammerorchester der Musikschule in leitender Funktion mitspielt. „Leider gibt‘s das nicht mehr.“

Und wie steht‘s mit anderen Musikrichtungen? „Ich höre ganz gerne Jazz“, bekennt Norbert Britzwein. Im gleichen Atemzug kommt die Begründung, warum er keinen Jazz spielt. „Das ist sehr intensiv und alles kann man nicht.“ Probiert hat er in den 1970er und 1980er Jahren mal avantgardistische Musik. „Das hat Spaß gemacht, war laut und anders“, fasst er seine Erfahrungen in wenigen Worten zusammen.

Das hat Spaß gemacht, war laut und anders.

Norbert Britzwein über avantgardistische Musik

Den einzigen Wandel, den es in den über sechs Jahrzehnten, die er Musik macht, gegeben hat, ist der Wechsel des Lieblingsinstruments. Die Blockflöte ist der Querflöte gewichen. Einen Lieblingskomponisten „habe ich nicht, mir ist die Schönheit des Stückes wichtiger“. Auf sanftes Insistieren von Stefanie Bloch folgte ein „ach ja, Bach“. Im Moment höre er gerne Beethoven, was auch dem Geburtstag des Komponisten vor 250 Jahren liege.

Eigentlich möchte sich der Kammermusik-Spezialist etwas „von dem ganzen Barock-Kram“ lösen. Das Erlernen der italienischen Sprache soll dabei helfen. Nicht, weil er immer Urlaub in „bella Italia“ gemacht hat. „Ich war noch nie dort, aber es ist eine schöne Sprache.“

Einladung zu Lehrerkonzerten als Mitwirkender

Natürlich werde er weiter Block- und Querflöte spielen, versichert der Tee-Liebhaber. Den Korb mit den vielen verschiedenen Sorten des Aufguss-Getränkes nimmt er gerne von Stefanie Bloch entgegen. Aber als die sagt, er sei herzlich eingeladen, bei Lehrerkonzerten und anderen Veranstaltungen der Musikschule doch dabei zu sein, strahlen seine Augen. Norbert Britzwein ist Musiker, durch und durch.

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