Erfahrungen nach der Wiederaufnahme des Unterrichts
Zur Schule um Freunde zu treffen

Lengerich -

Die Freude hat eindeutig überwogen bei den Schülern, die (endlich) wieder zur Schule durften. Ob ein ausgeprägter Bildungshunger dafür verantwortlich war? Eine Übersicht in Lengerich lässt vermuten, dass die Möglichkeit, Freunde wiederzusehen, mindestens genau so groß gewesen ist.

Donnerstag, 28.05.2020, 16:20 Uhr aktualisiert: 29.05.2020, 17:50 Uhr
Daumen hoch oder Daumen runter nach Wiederaufnahme des Unterrichts? In allen Schulformen überwiegt bei den Kindern und Jugendlichen die Freude – bei vielen darüber, sich mit Freunden wieder treffen zu können.
Daumen hoch oder Daumen runter nach Wiederaufnahme des Unterrichts? In allen Schulformen überwiegt bei den Kindern und Jugendlichen die Freude – bei vielen darüber, sich mit Freunden wieder treffen zu können. Foto: Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg

In einem sind die Schilderungen der Schulleiter identisch: Alle sprechen von der Freude der Schülerinnen und Schüler, wieder zur Schule gehen zu dürfen. Ob das am ungestillten Bildungshunger der Kinder und Jugendlichen liegt? Die Berichte in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses lassen darauf schließen, dass der Grund auch woanders liegen könnte.

„Die Kinder sind unheimlich froh, in die Schule zu gehen und Freunde wieder zu treffen“, erzählt Gisela Mar­statt-Stienecker . Seit dem 11. Mai werde im rollierenden System unterrichtet, die Viertklässler hätten zwei Tage Vorlauf gehabt, beschreibt die Rektorin der Grundschule Hohne, wie es an ihrer und den anderen drei Grundschulen in der Stadt läuft.

Jedes Kind wird alle vier Tage vier Stunden beschult.

Gisela Marstatt-Stienecker, Rektorin Grundschule Hohne

Mathematik und Deutsch stehen auf dem Stundenplan. „Jedes Kind wird alle vier Tage vier Stunden beschult“, erläutert sie das Unterrichtsprogramm. Für die Viertklässler komme noch Englisch als Fach hinzu. Im ersten und dritten Jahrgang sind in Hohne die Klassen halbiert worden. Alle zwei Tage werde jeweils eine Hälfte dieser Schüler unterrichtet. Rollierende Systeme seien auch an den anderen Grundschulen im Einsatz. Allerdings unterscheiden sich die Unterrichtstage je nach Jahrgang.

Das Verhalten der Mädchen und Jungen beschreibt Gisela Marstatt-Stienecker als „sehr diszipliniert“. Auch in den Pausen werde auf die Einhaltung der Abstände geachtet. Ebenso beim Fußball, der auf dem Pausenhof gespielt werde.

Kinder verhalten sich auch in den Pausen diszipliniert

Also alles in Butter? Nicht ganz. „Einige Schüler sind müde“, hat die Rektorin beobachtet. Eine mögliche Erklärung dafür hat sie ebenfalls: „Wenn sie nur alle vier Tage zur Schule müssen, bleiben sie an den anderen Tagen wahrscheinlich länger auf.“

In Gruppen zu jeweils 15 Jugendlichen wird an den beiden Realschulen unterrichtet. Mit den Zehntklässlern hat es am 23. April angefangen, die achten und neunten Jahrgänge sind am 11. Mai gefolgt, ebenfalls in einem rollierenden System. Das berichtet Harald Paschen, kommissarischer Leiter der Dietrich-Bonhoeffer-Schule, über das identische Vorgehen beider Realschulen.

Mit Abschluss der Prüfungsphase sei es für die Zehntklässler etwas entspannter geworden. „Vorher waren die fünf Tage in der Woche jeweils sechs Stunden in der Schule. Jetzt kommen sie noch drei Tage pro Woche“, erzählt er. Das Einhalten des Abstands und das Tragen einer Mund-Nase-Maske „klappt meistens“, stellt er fest.

Die größte Gefahr ist der Weg von und zur Schule. Da fallen Masken und Abstand.

Dr. Werner Peters, Leiter Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg

Was gut laufe, obwohl nur sechs Mitglieder des 15-köpfigen Kollegiums an der Bonhoeffer-Realschule Präsenzunterricht geben, sei der Unterricht. „Wir nutzen Iserv und das funktioniert hervorragend.“ Eine Einschätzung, die auch auf die Bodelschwingh-Realschule zutreffe beim Einsatz dieser speziellen Software für Schulen.

Als einzige Schule in der Stadt gilt an der Gesamtschule auch in den Pausen Maskenpflicht. „Unser Schulhof ist einfach zu klein“, sieht Dr. Werner Peters keine Alternative. Unterrichtet wird ebenfalls in einem rollierenden System. Iserv bezeichnet der Gesamtschul-Leiter ebenfalls als „tolle Hilfe, auch für die Weiterbildung“. Mit fünf von 52 Personen sei die Risikogruppe im Kollegium relativ klein.

Dass die Schüler „sehr diszipliniert sind“, relativiert er mit der Bemerkung, dass der Weg von und zur Schule „am gefährlichsten ist. Da werden keine Masken getragen und kein Abstand gehalten“. Eine Schülerin habe sich durch striktes Ignorieren der Hygieneregeln eine zweitägige Auszeit eingehandelt. „Die hat es darauf abgesehen“, berichtet Werner Peters im Schulausschuss.

Eine Schülerin „erzwingt“ sich durch Disziplinlosigkeit schulfrei

Verblüfft hat ihn die Rückmeldung einer Mutter. Die habe sich gefreut, dass der Unterricht wieder angelaufen sei. „Sie wollte aber auch wissen, warum an den beweglichen Ferientagen festgehalten wird“, erzählt er mit Blick auf den Freitag nach Christi Himmelfahrt.

Am Hannah-Arendt-Gymnasium muss sich Ulrich Gerling-Goedert, coronabedingt, mit einem weiteren Thema herumschlagen. „Ab 3. Juni dürfen Kollegen aus der Risikogruppe wieder unterrichten. Wir müssen sie darauf hinweisen, dass sie sich selbst gefährden“, beschreibt der kommissarische Leiter des HAG das Dilemma, in dem er steckt. Zumal das Homeschooling am HAG schon ein alter Hut ist und gut funktioniert.

Nach dem Neustart des Abiturjahrgangs sind seit dem 11. Mai auch die Schüler der Q1 (sie machen im nächsten Jahr Abitur) wieder im HAG – und werden voll beschult. Es folgten die Neuntklässler. Seit dem 26. Mai sind alle Jahrgänge wieder im Unterricht nach rollierendem System. Auch die Kurse laufen wieder – mit klaren Ansagen für die dafür notwendigen zusätzlichen Hygienemaßnahmen.

Eine Mutter wollte wissen, warum an den beweglichen Ferientagen festgehalten wird.

Dr. Werner Peters

Platz bleibt in der Schule nicht. „Je Jahrgang haben wir zwölf Schülergruppen. Mehr gibt das Gebäude nicht her“, stellt Ulrich Gerling-Goedert fest.

Gruß-Video und Weiterbildung

Welche Herausforderungen die Corona-Zwangspause für die Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg mit sich gebracht hat, wird in einem Bericht der Schule deutlich. „Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft wurden zeitweise ins kalte Wasser geworfen“, heißt es dort zur Frage, wie der Unterricht wieder aufgenommen werden könnte.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7427668?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker