Sandstein-Workshop im Atelier von Mandir Tix
Bildhauerei mit der Meißelspitze

Lengerich -

Wenn sich die Teilnehmer in das Material hineinfühlen, ist Mandir Tix zufrieden. Der Bildhauer hatte zu einem Sandstein-Seminar in sein Außen-Atelier eingeladen. Was einige Teilnehmer am eigenen Leib erfuhren – Ibbenbürener Sandstein ist, weil härter, schwieriger zu bearbeiten als Sandstein aus den Baumbergen.

Montag, 08.06.2020, 05:49 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 16:46 Uhr
Zu einer Art Markenzeichen sind für Mandir Tix die Felsendörfer (Skulptur rechts) geworden. Neben ihm steht eine Skulptur mit einer – Corona bedingt? – etwas aus der Form geratenen Erde.
Zu einer Art Markenzeichen sind für Mandir Tix die Felsendörfer (Skulptur rechts) geworden. Neben ihm steht eine Skulptur mit einer – Corona bedingt? – etwas aus der Form geratenen Erde. Foto: Michael Baar

Sandstein ist nicht gleich Sandstein. Das weiß Mandir Tix, das wissen jetzt auch die Teilnehmer seines Bildhauer-Workshops. „Der Ibbenbürener Sandstein ist härter als der aus den Baumbergen“, erläutert der Bildhauer mit einem Schmunzeln. Was man beim Bearbeiten beispielsweise an den Handgelenken spüre.

Eine Erfahrung, die auch einige Workshop-Teilnehmer gemacht haben. Der Künstler steht allein auf dem Hof seines Ateliers in Niederringel. „Wir sind früher angefangen und waren dementsprechend auch früher fertig“, erläutert er, warum um ihn herum kein Hämmern und Klopfen mehr zu hören ist.

Beim Bearbeiten spürt man den Unterschied zwischen Ibbenbürener und Baumberger Sandstein.

Mandir Tix

Sieben Teilnehmer hatten sich seit Freitag daran versucht, den harten (oder weicheren) Stein in Kunst zu verwandeln. Mit, so empfindet es der Bildhauer, zum Teil sehr beachtlichen Ergebnissen. Zu sehen sind die an diesem späten Sonntagmittag nicht mehr. Die Teilnehmer haben ihre Skulpturen mit nach Hause genommen. Auch die stilisierte Rosenblüte, die aus einem 25-Kilogramm-Brocken entstanden ist.

Es sind nicht nur Novizen, die sich an den drei Tagen am Sandstein versucht haben. Ein Mann habe schon an drei seiner Workshops teilgenommen, erzählt Mandir Tix. Ibbenbürener Sandstein sei vor Jahren das Arbeitsmaterial einer Frau gewesen. „Sie hat jetzt den Baumberger Sandstein erlebt und fand das viel angenehmer“, berichtet er.

Aus einem 25-Kilo-Brocken wird eine stilisierte Rose

Für ihn ist es keine Überraschung, dass er am Freitag, dem ersten Tag, Hinweise geben muss, wie das Material mit Hammer oder Meißel bearbeitet werden muss, um das gewünschte Resultat in Form einer Skulptur zu erzielen. „An der Meißelspitze findet Bildhauerei statt“, sagt er dazu.

Förderlich aus seiner Sicht ist, dass viele Teilnehmer mit einer Idee von dem, was sie machen wollen, ins Atelier in Niederringel kommen. Wenn auch die anderen nicht so stringent rangehen, wie eine Künstlerin aus Lengerich. „Da merkte ich sofort, sie hat eine Idee im Kopf und weiß, was sie will und wie sie das erreichen kann.“

Insgesamt 13 Personen hatten sich für den Workshop angemeldet. Zu viele in Zeiten von Corona. Mandir Tix hat deshalb den Kursus geteilt. In zwei Wochen werden die sechs, die jetzt nicht teilnehmen konnten, ihr Workshop im Bildhauer-Atelier erleben. Ebenfalls von Freitag bis Sonntag.

Man muss sich in den Sandstein einfühlen.

Mandir Tix

Am gebürtigen Bad Nauheimer sind die Einschränkungen nicht spurlos vorbeigegangen. „Von heute auf morgen war Schluss“, ist ihm das Bedauern anzuhören, dass das Projekt „Kultur und Schule“ eine Zwangspause einlegen muss. An drei Schulen bringt Mandir Tix Mädchen und Jungen gestaltende Kunst näher. Vor den Sommerferien werde da nichts mehr laufen, ist er sicher.

Drei große Ausstellungen, für die er gebucht war – Krefeld, Darmstadt und Unkel – sind abgesagt worden. Damit ist die Chance dahin, dort Kunstwerke an den Mann oder die Frau zu bringen. Wann es mit großen Ausstellungen weitergeht? Der Bildhauer zuckt die Schultern. „Es gibt Projekte, für die ich Bewerbungen auf den Weg gebracht habe“, sagt er dann. Ob er dabei sein wird, oder die Schauen doch noch abgesagt werden – alles ist ungewiss. „Der Aufwand dafür ist nicht gerade klein.“

Künstler plant seine fünfte Werkschau

Real war dagegen sein Erlebnis, als die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Kraft traten. Auf Mund-Nasenmasken ist er wegen seiner künstlerischen Tätigkeit angewiesen, beispielsweise beim Sandstein-Schleifen. Als er welche im Baumarkt kaufen wollte, war das Regal leer. „Zum Glück hatte ich noch ein paar zuhause“, blickt er zurück.

Ein festes Ziel hat er im Blick. Stand heute werde er zur fünften Werkschau in sein Atelier einladen, verweist er auf den 8. und 9. August. Es wäre die fünfte derartige Ausstellung.

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