Personenverkehr auf den TWE-Gleisen?
Machbarkeitsstudie soll Fakten liefern

Lengerich/Tecklenburger Land -

Noch ist der komplette Schienenstrang zwischen Ibbenbüren und Versmold nicht saniert. Gleichwohl gibt es Überlegungen, ob ein regelmäßiger Personenverkehr – beispielsweise zwischen Ibbenbüren und Lengerich – Sinn machen würde. Eine Machbarkeitsstudie soll Antworten liefern.

Mittwoch, 17.06.2020, 15:57 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 16:00 Uhr
Der „Teuto-Express“ ist ein touristisches Angebot auf der TWE-Strecke südlich des Teutoburger Waldes. Wird es nach kompletter Instandsetzung der Strecke durch
Der „Teuto-Express“ ist ein touristisches Angebot auf der TWE-Strecke südlich des Teutoburger Waldes. Wird es nach kompletter Instandsetzung der Strecke durch Foto: Wilhelm Schmitte

Fahren auf der Bahnstrecke zwischen Ibbenbüren und Lengerich in absehbarer Zeit wieder Personenzüge? Eine Machbarkeitsstudie soll sich damit befassen, ob die Strecke auf diese Art wirtschaftlich zu betreiben ist. Das hat die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Schienenpersonenverkehr Münsterland (ZVM) beschlossen.

„Grundsätzlich ist es sinnvoll, insbesondere bei solchen Eisenbahnstrecken, die sich in Betrieb befinden, eine Einschätzung zu erhalten, ob eine Reaktivierung des SPNV – auch perspektivisch – sinnvoll ist“, sagt dazu ZVM-Geschäftsführer Michael Geuckler . Doch wie geht es jetzt weiter? Ein spannendes Thema.

Die Reaktivierung von Bahnstrecken kann ein Beitrag zur angestrebten Verkehrswende sein.

Uli Beele, NWL

Organisiert wird die Vergabe dieser Studie über den NWL, den Nahverkehr Westfalen-Lippe. „Die Reaktivierung von Bahnstrecken kann ein Beitrag zur angestrebten Verkehrswende sein“, sagt dessen Sprecher Uli Beele . Die Strecke Lengerich – Ibbenbüren ist eine von mehreren Strecken im NWL, für welche die Organisation auf Anfrage seiner Mitgliedsverbände erste Machbarkeitsstudien erstellen wird. „Dabei sollen sowohl die verkehrlichen Möglichkeiten zur Anbindung der Strecken untersucht werden, erste Aussagen zum erforderlichen Infrastrukturausbau ermittelt werden und eine erste Abschätzung von Potenzialen für ein SPNV-Angebot auf diesen Strecken erfolgen“, so Beele.

Und das kann durchaus schnell gehen. „Der NWL organisiert aktuell die Vergabe dieser Studien. Bei einem Bearbeitungsbeginn in der zweiten Jahreshälfte ist mit Ergebnissen im Jahr 2021 zu rechnen“, sagt Beele. Die Machbarkeitsstudien umfassten allerdings noch keine detaillierten Infrastrukturplanungen und seien – bei einer positiven Einschätzung – Grundlage für die Beratung zu weiteren Planungsschritten.

Eine Machbarkeitsstudie ist Grundlage für weitere Beratungen

Warum? „Für einen Bahnverkehr auf reaktivierten Strecken ist der Nachweis eines volkswirtschaftlichen Nutzens über eine standardisierte Nutzen-Kosten-Analyse erforderlich“, erläutert Beele. „Dieser ermöglicht eine Finanzierung des Bahnverkehrs über die ÖPNV-Pauschale mit den sogenannten Regionalisierungsmitteln.“ Für die Bahnstrecke Ibbenbüren – Lengerich wird in der Machbarkeitsstudie ein Punkt von ganz besonderer Bedeutung sein – die bauliche und verkehrliche Anbindung der Strecke an die Hauptstrecken in Lengerich und in Ibbenbüren, so Beele.

Die Strecke könnte durchaus auch attraktiv für die Schülerbeförderung sein, wie Linken-Ratsherr Ernst Goldbeck (Ibbenbüren) schon im vergangenen Jahr angeregt hatte. Sogar in beide Richtungen. Wie Björn Lindner, Pressesprecher der RVM, erklärt, hätten derzeit allein rund 200 Schüler aus Lengerich ein Ticket, um mit den RVM-Bussen nach Ibbenbüren zur Schule fahren zu können. Die R45 aus Lengerich zähle zu den am stärksten von Schülern frequentierten Buslinien.

für einen Bahnverkehr auf reaktivierten Strecken ist der Nachweis eines volkswirtschaftlichen Nutzens über eine standardisierte Nutzen-Kosten-Analyse erforderlich.

Uli Beele

Hinzu kämen noch die vielen Schüler, die derzeit vom Bahnhof mit dem Bus zu den Schulen im Osten der Stadt fahren – sie dürften potenzielle Passagiere für den Personenverkehr auf dieser Bahnstrecke sein. Ibbenbürens Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer hatte schon eine mögliche Fläche für einen neuen Haltepunkt am Kepler-Gymnasium ins Gespräch gebracht.

Im Bereich des NWL seien zwei Reaktivierungstrecken in den ÖPNV-Bedarfsplan NRW und den Infrastrukturfinanzierungsplan aufgenommen worden. Für eine weitere Strecke (Osnabrück – Recke) laufe aktuell auf Basis einer detaillierten Planung eine standardisierte Bewertung, mit der ein volkswirtschaftlicher Nutzen nachzuweisen ist.

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