Eichenprozessionsspinner
Täglich tauchen neue Nester auf

Lengerich -

Eine belastbare Zwischenbilanz in Sachen Eichenprozessionsspinner hält Holger Lange nicht für möglich. „Wir sind mitten in der Saison“, sagt der Fachdienstleiter. In der Stadtverwaltung gehen täglich mehrere Hinweise auf Nester in Eichen ein.

Dienstag, 23.06.2020, 06:06 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 17:38 Uhr
Raupen des Eichenprozessionsspinners auf einem Baumstamm. Ob die von der Stadt aufgehängten Beutelfallen (kleines Bild) ein Erfolg sind, lässt sich nach Angaben der Verwaltung derzeit nicht seriös beantworten.
Raupen des Eichenprozessionsspinners auf einem Baumstamm. Ob die von der Stadt aufgehängten Beutelfallen (kleines Bild) ein Erfolg sind, lässt sich nach Angaben der Verwaltung derzeit nicht seriös beantworten. Foto: dpa/mba

„Wir sind noch mitten in der Saison“, sagt Holger Lange . Deshalb ist es dem Fachdienstleiter in der Stadtverwaltung nicht möglich, eine belastbare Zwischenbilanz in Sachen Eichenprozessionsspinner (EPS) vorzulegen. „Momentan gehen täglich einige Meldungen in der Verwaltung ein“, berichtet er im Telefongespräch mit den Westfälischen Nachrichten .

An kritischen Punkten werden Nester abgesaugt

Dementsprechend ist das von der Stadtverwaltung beauftragte Unternehmen damit beschäftigt, Nester des EPS aus den Bäumen zu saugen. „Nur an kritischen Punkten“, betont Holger Lange. Und da nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob damit „Ruhe“ auf dem Baum herrscht, müssen die Eichen nachkontrolliert werden. „Das ist jetzt gerade das kritische Stadium, in dem die Nester gebildet werden“, verdeutlicht er.

Eine Aussage darüber, ob die Fallen-Beutel bereits Ergebnisse gebracht haben, ist ihm nicht möglich. „Das gehört zur Aufgabe des Unternehmens, das für die Stadt dazu ein Monitoring macht“, erläutert er.

Die Meldungen, die in der Verwaltung auflaufen, kommen nicht nur aus den Außenbereichen. Gerade an Spielplätzen seien die Menschen sensibilisiert für die Raupen. Was er für „gut“ hält. Betroffene Spielplätze würden nicht komplett gesperrt, sondern „nur die betroffenen Bereiche“. Also direkt unter der und um die befallene Eiche.

Es ist gut, dass viele Menschen für das Problem sensibilisiert sind.

Holger Lange, Fachdienstleiter

Einen Vergleich zum Vorjahr scheut der Fachdienstleiter ebenfalls. Ob mehr der Raupen unterwegs sind oder weniger, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös beantworten. Dafür hat Holger Lange in seinem Garten eine erstaunliche Beobachtung gemacht. „Im vergangenen Jahr hatten wir an den Eichen wenige, große Nester. Im Gegensatz dazu sind es in diesem Jahr viele kleine Nester.“ Woran das liegen könnte? „Ich habe keine Erklärung dafür.“

Auf Eis gelegt worden ist vorerst die Schulung von Mitarbeitern des Baubetriebshofs, damit die in akuten Problemfällen mit dem Eichenprozessionsspinner tätig werden können und nicht auf die möglicherweise anderweitig eingespannte Fachfirma gewartet werden muss. Das wird erst – so der Stand der Planung – im Herbst erfolgen.

Raupen unterscheiden nicht zwischen öffentlichen und privaten Bäumen

Gerade im Außenbereich stehen viele der städtischen Eichen. Doch etliche Bäume wachsen auf privatem Grund – eine Unterscheidung, die von den Raupen nicht getroffen wird. Sie bauen ihre Nester dort, wo es ihnen passt. Mit möglicherweise unangenehmen Folgen für Radfahrer und Wanderer. Das belegt die E-Mail eines Lengerichers an die WN-Redaktion. Der gute Mann hat am Samstag eine Fahrradtour nach Telgte unternommen. Das ganze Gebiet sei vom EPS befallen, schreibt er. Das Ergebnis: „Nun haben wir überall am Körper Pusteln von den Brennhaaren.“ Nach seiner Auffassung müssten die Kommunen mehr tun als nur an Schulen und Kindergärten aktiv zu werden und im Umland „lediglich ein paar kleine Hinweisschildchen aufzuhängen“.

Für den Holger Lange ist das „ein grundsätzliches Problem“, weil die Kommunen nur für ihre Eichen zuständig sind. Im ungünstigsten Fall können die Brennhaare in der Luft eine Distanz von bis zu 800 Metern zurücklegen. Ob die allergische Reaktion dann von einer Raupe auf einem kommunalen oder privaten Baum ausgelöst worden ist –          „das wird niemand beantworten können“, sagt der Fachdienstleiter. Zumal die Grundeigentümer für die EPS-Bekämpfung auf ihren Bäumen zuständig sind.

Die Region gehört zu den Hotspots in Sachen EPS

Und dann hat er noch einen interessanten Hinweis: Das nordwestliche Nordrhein-Westfalen zählt zu den Hotspots in Sachen EPS. Weitere Landstriche, wo die Raupen Probleme machen, befinden sich im Südwesten Nordrhein-Westfalens, in der Pfalz und im Saarland, südliche Hamburgs sowie in Berlin und Brandenburg. „Das geht aus einer Übersicht des Naturschutzbundes hervor“, berichtet der Fachdienstleiter.

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