Stadtsparkasse legt Bilanz 2019 vor
Gute Ergebnisse in schweren Zeiten

Lengerich -

Ein Bilanzwachstum über dem Durchschnitt der Sparkassen in Westfalen-Lippe, Rekorde bei Darlehnszusagen und -auszahlungen. Achim Glörfeld präsentierte jetzt gute Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 der Stadtsparkasse Lengerich. Zugleich warnt der Vorstandsvorsitzende vor der größten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, ohne vorhersagen zu können, wie sich das auf die Region auswirken wird.

Samstag, 04.07.2020, 14:09 Uhr aktualisiert: 04.07.2020, 14:20 Uhr
Die Bilanzsumme der Stadtsparkasse ist im Geschäftsjahr 2019 stärker gewachsen als geplant war.
Die Bilanzsumme der Stadtsparkasse ist im Geschäftsjahr 2019 stärker gewachsen als geplant war. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Sein Versprechen hat Achim Glörfeld gehalten. Vor 35 Jahren ist er zum Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Lengerich bestellt worden. „Dem Verwaltungsrat habe ich das Versprechen gegeben, die Selbstständigkeit der Sparkasse zu bewahren“, blickt er zurück. In acht Monaten wird er diese Zusage endgültig einlösen, wenn er in den Ruhestand geht.

Das Geschäftsjahr 2019 ist für die Stadtsparkasse gut gelaufen, berichtet er in der jüngsten Sitzung des Stadtrats. Bilanzsumme ist um 21 auf 456 Millionen Euro gestiegen. Ein Plus von 4,8 Prozent. „Mehr als geplant war und auch über dem Durchschnitt aller Sparkassen in Westfalen-Lippe“, stellt der Vorstandsvorsitzende fest. Mit jeweils rund 57 Millionen Euro wurde bei Darlehnszusagen wie Darlehnsauszahlungen ein Rekordniveau erreicht.

Den Anteil des Kreditportfolios von 76 Prozent an der Bilanzsumme wertet Achim Glörfeld als Beleg dafür, „wie ernst wir unseren öffentlichen Auftrag, die Kreditversorgung unserer Region sicherzustellen, nehmen“. In der Bilanz zeigt sich das mit einer Erhöhung der Kundenforderungen um 3,5 Prozent auf 347 Millionen Euro.

Parallel dazu registriert die Stadtsparkasse bei den Kundeneinlagen eine Steigerung um sechs Prozent auf 292 Millionen Euro. „Insbesondere die Sichteinlagenbestände einschließlich Tagesgelder nahmen zu“, berichtet der Vorstand. Die Kunden würden angesichts des historisch niedrigen Zinsniveaus unverändert hochliquide Geldanlagen bevorzugen.

Im Dienstleistungsbereich haben die für Kunden verwahrten Wertpapierbestände erstmals die Marke von 100 Millionen Euro geknackt. Der Bestandszuwachs um 14 auf 109 Millionen Euro sei von den Kursentwicklungen an den Kapitalmärkten begünstigt worden. Steigerungen habe es ebenfalls bei der Vermittlung von Lebens- und Sachversicherungen gegeben. Zugelegt hat das Geldinstitut zudem bei der Vermittlung von Immobilien. „Trotz knappen Angebots“, wie Achim Glörfeld unterstreicht.

Unter dem Strich erfreuliche Entwicklungen, die sich allerdings nicht im operativen Ergebnis niederschlagen. Aus einem relativ einfachen Grund, so der Vorstand: „Das liegt am von der Niedrigzinsphase ausgelösten Druck auf die Zinsspanne.“ Hinzu kommen Kostensteigerungen in fast allen Bereichen. Die positiven Bewertungen im Wertpapier- und Kreditgeschäft hätten dafür gesorgt, dass trotz eines um rund 500 000 Euro höheren Steueraufwandes gut zwei Millionen Euro in den sogenannten Fonds für allgemeine Bankrisiken eingestellt wurden. „Das hat unser Eigenkapital deutlich gestärkt“, stellt der Experte fest. Einschließlich des ausgewiesenen Bilanzgewinns von 306 000 Euro addieren sich die Eigenmittel auf 47 Millionen Euro.

„Durch Spenden und Zuwendungen an Vereine und Institutionen, nicht zuletzt auch durch das Kulturforum, lassen wir die Bürger an unseren Erfolgen teilhaben“, verweist er auf einen anderen Aspekt des Geldgeschäfts. Diese gelebte lokale gesellschaftspolitische Verantwortung zählt Achim Glörfeld zum Markenkern der Stadtsparkasse.

Für seinen letzten Bilanzbericht hätte er sich ein anderes Umfeld gewünscht. Daraus macht er keinen Hehl. „Ohne Kondolenzlisten und einem Großteil der Anwesenden mit Masken“, blitzt seine humorvolle Art auf. Umgehend wird er wieder ernst, weist auf dunkle Wolken hin, die aufgrund der Corona-Krise für die gesamte Finanzwirtschaft aufziehen. „Wie sich die größte Rezession nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Region und die Stadtsparkasse auswirken wird, lässt sich aktuell nicht abschätzen“, vermeidet er eine Prognose. Dafür hat er noch ein dickes Lob für die Mitarbeitenden der Stadtsparkasse: „Ohne sie, und auch nicht ohne unsere Kunden, hätte ich mein vor 35 Jahren gegebenes Versprechen nicht einlösen können.“

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