Hans-Ulrich Duwendag und Dr. Wolfgang Völker präsentieren neues Somalia-Buch
Als die Welt noch in Ordnung war

Lengerich -

Eine dramatische Zeit hat Hans-Ulrich Duwendag als Mitarbeiter der Deutschen Botschaft in der somalischen Hauptstadt Mogadischu erlebt. Jetzt hat er, gemeinsam mit Dr. Wolfgang Völker, ein weiteres Buch über das Land am Horn von Afrika vorgestellt. Es beschreibt die Zeit, als Mogadischu noch als „Perle am Indischen Ozean“ bezeichnet wurde.

Mittwoch, 08.07.2020, 16:44 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 17:42 Uhr
Hans-Ulrich Duwendag (links) und Dr. Wolfgang Völker mit einem Bild aus dem Jahr 1931, auf dem Pater Bentivoglio Panzeri von seinem Mitbruder Benvenuto Savoldi und einem Waisenjungen die Tonsur geschnitten wird.
Hans-Ulrich Duwendag (links) und Dr. Wolfgang Völker mit einem Bild aus dem Jahr 1931, auf dem Pater Bentivoglio Panzeri von seinem Mitbruder Benvenuto Savoldi und einem Waisenjungen die Tonsur geschnitten wird. Foto: privat

Die Zeiten, als Mogadischu, die Hauptstadt Somalias, als „Perle des Indischen Ozeans“ bezeichnet wurde, liegen Jahrzehnte zurück. Startschuss für Bürgerkrieg, Terror, Zerstörung und die Not von Menschen mit Hunger und Leid war die Ermordung des Bischofs Salvatore Colombo am 9. Juli 1989, erinnert sich Hans-Ulrich Duwendag . Der Lengericher war damals in der Deutschen Botschaft am Horn von Afrika tätig. Kurz vor seiner Flucht aus Mogadischu hat er wertvolles Kulturgut des Landes gerettet: Fotos aus den friedlichen Tagen von Somalia, aus der italienischen Kolonialzeit und der Nachkriegszeit bis 1990.

Staubiger Koffer mit Glasplatten und Planfilm-Negativen

„Vom Franziskaner-Pater Venanzio Tresoldi habe ich 1989 einen staubigen koffer mit Glasplatten und Planfilm-Negativen erhalten“, erzählt er. Aufbewahrt worden waren die im Archiv des Klosteranbaus der Kathedrale von Mogadischu. Der Lengericher ist damals immer nach Dienstschluss mit einem Wagen in die Innenstadt gefahren, hat das Auto unter Bewachung abgestellt und den Franziskaner aufgesucht. „Der freute sich immer, wenn ich kaltes Bier mitbrachte“, lacht Hans-Ulrich Duwendag.

Pater Venanzio Tresoldi freute sich immer, wenn ich kaltes Bier mitbrachte.

Hans-Ulrich Duwendag

Dass er die nur einen Kilometer lange Strecke mit dem Auto zurücklegte, hatte einen einfachen Grund. Überfälle und Anschläge auf Europäer gehörten damals fast zur Tagesordnung. „Der Pater war froh, als ich ihm anbot, die Glasplatten und Negative mitzunehmen, um von ihnen Kopien anzufertigen“, erinnert sich der Lengericher. Das hat er während eines Heimaturlaubs getan und Papierabzüge hergestellt.

Zurück in Mogadischu händigt er dem Pater den Koffer wieder aus. „Auf den Rückseiten der Abzüge habe ich mir Notizen zu den Motiven gemacht, die mir der Pater gegeben hat.“ Was beide damals nicht wissen – es ist gerade noch rechtzeitig gewesen, die Bilder und Erinnerungen an ein friedliches und schönes Mogadischu zu sichern. Als Hans-Ulrich Duwendag am 7. Januar 1991 aus der Stadt fliehen muss, kann er nur das mitnehmen, was er am Leib trägt. Seine Papierabzüge sind da schon wieder in Deutschland. Das Archiv der Franziskaner in der somalischen Hauptstadt geht eineinhalb Jahre später in Flammen auf. Glasplatten und Negative sind unwiederbringlich verloren. Von der Kathedrale bleiben nur die Außenwände stehen.

Nach Ermordung des Kardinals eskalieren die Feindseligkeiten

Kongenialer Partner von Hans-Ulrich Duwendag, schon bei seinen vorherigen Büchern, ist Dr. Wolfgang Völker . Er hat in unermüdlicher Kleinarbeit die Informationen seines Freundes in den geschichtlichen Kontext gebracht und den sprachlichen Feinschliff vollzogen. „Die Lage war schon in den Jahren vor dem Attentat auf den Kardinal immer unruhiger geworden“, erzählt er. Auslöser seien Stammeskonflikte gewesen. Hätten sich die unterschiedlichen Ethnien zunächst gegenseitig massakriert, habe sich der Zorn schließlich auf den Präsidenten Siad Barre konzentriert.

Bewusst haben sich die beiden Lengericher bei ihrem jüngsten Buch dafür entschieden, die ersten Jahrzehnte Somalias im 20. Jahrhundert Revue passieren zu lassen. „Eine unschätzbare Hilfe war dabei der Pater Venanzio Tresoldi, mit dem sich Hans-Ulrich unzählige Male unterhalten hat und der ihm letztlich die Glasplatten und Negative zur Verfügung gestellt hat“, beschreibt Wolfgang Völker die Basis des Buches.

Bei seinen Recherchen hat er unter anderem Kontakt zum Franziskanerorden aufgenommen. „Doch die hatten kein Interesse.“ Die Verwunderung darüber ist heute noch aus seiner Stimme herauszuhören. Was aber nichts daran geändert hat, dass Hans-Ulrich Duwendag und Wolfgang Völker ihr Buch dem Franziskaner Pater Venanzio Tresoldi OFM gewidmet haben. OFM steht übrigens für die lateinische Bezeichnung ordo fratrum minorum (Orden der Minderen Brüder).

Die zentrale des Franziskaner-Ordens hatte kein Interesse an den Bildern.

Dr. Wolfgang Völker

Kurzweilig wird die Geschichte des Landes erzählt, die deutschen Interessen am Horn von Afrika dargestellt und die Zeit der italienischen Herrschaft beleuchtet. Ergänzt mit vielen, einmaligen Bildern ist so ein Kleinod entstanden: Kurzweilige Lektüre mit beträchtlichem historischen Hintergrund.

Neues Buch von Hans-Ulrich Duwendag und Dr. Wolfgang Völker

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  • Ansicht auf Mogadischu um 1935.

    Foto: privat
  • Im Klosteranbau 8rechts) war bis 1991 das Archiv der Franziskaner-Ordens. Aufnahme aus dem Jahr 1930.

    Foto: privat
  • Außenansicht des Garesa-Palastes. Heute stehen nur noch die Außenmauern des ehemaligen Museums.

    Foto: privat
  • Der Innenhof des Garesa-Palastes, in dem das Museum für die Geschichte Somalias untergebracht war.

    Foto: privat
  • Einweihung der Kathedrale von Mogadischu am 26. Februar 1928.

    Foto: privat
  • Ein Franziskaner-Pater bekommt seine Tonsur geschnitten.

    Foto: privat

 

„Mogadischu – als die Perle noch glänzte“ ist im Agenda-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3896886705, Preis 19,90 Euro).

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