Lengericher Veranstalter kämpfen sich durch die Corona-Krise
Zwangspause hinterlässt Spuren

Lengerich -

Planbar sei derzeit nichts. Das sagen übereinstimmend Andy Besirov von der Veranstaltungsagentur Plan B und Michael Osterbrink vom Veranstaltungsbüro Grawe + Osterbrink. Für beide ist die Ungewissheit, wann und wie es weitergehen könnte, das größte Problem.

Samstag, 11.07.2020, 06:43 Uhr aktualisiert: 12.07.2020, 16:56 Uhr
Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie war das Veranstaltungsbüro Graw + Osterbrink regelmäßig mit Kunsthandwerkermärkten n der Gempt-Halle zu Gast.
Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie war das Veranstaltungsbüro Graw + Osterbrink regelmäßig mit Kunsthandwerkermärkten n der Gempt-Halle zu Gast. Foto: Michael Baar

Dinge vorausplanen, über Monate oder sogar über mehr als ein Jahr – in dem Metier, in dem Andy Besirov und Michael Osterbrink tätig sind, gehört das zum A und O. Besirov betreibt seit 2006 die Veranstaltungsagentur Plan B, Osterbrink zusammen mit Stefan Grawe das Veranstaltungsbüro Grawe + Osterbrink. Die Corona-Pandemie hat die Branche besonders hart getroffen. Nachdem im März massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen worden waren, stand praktisch alles still. Erst langsam kommt das Geschäft wieder in Gang. Doch planbar wie vor Corona sei derzeit nichts, sagen die beiden Lengericher. Diese Unsicherheit bezeichnen sie unisono als ihr momentan vielleicht größtes Problem.

Das Schlimmste ist die Unsicherheit, wie lange es noch dauert.

Andy Besirov

Besirov arbeitet zum Teil „bewusst“ mit noch eher unbekannten Nachwuchskünstlern zusammen, bringt aber auch sehr namhafte Akteure wie Witze-Marathonmann Markus Krebs , Comedy-Routinier Rüdiger Hofmann oder Ex-(Skandal-)Fußballer Mario Basler auf die Bühne. Rund 120 Veranstaltungen pro Jahr werden von Plan B gemanagt. Eine Zahl, die in diesem Jahr weit verfehlt werden dürfte.

„Dellen“, sagt Andy Besirov sagt, habe es im Geschäft immer wieder einmal gegeben, etwa durch die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 oder nach dem Selbstmord-Anschlag auf ein Konzert der US-Sängerin Ariana Grande 2017 in Manchester, bei dem 23 Menschen ums Leben kamen. Doch der jetzige Einbruch habe eine neue Dimension.

Dellen im Geschäft hat es immer mal gegeben

Weil das so ist, hofft der Agentur-Chef auf noch mehr staatliche Unterstützung. Soforthilfe habe er bereits beantragt und die, erzählt er, „sei auch relativ unkompliziert ausgezahlt worden“. Doch Besirov fürchtet um den Bestand der kulturellen Angebote, die üblicherweise ohne staatliche Subventionen auskommen (müssen). Alles in allem, macht er die wirtschaftlichen Dimensionen deutlich, arbeiteten in der Kreativ- und Kulturwirtschaft in Deutschland mehr als eine Million Menschen.

Besirov und auch Michael Osterbrink betonen ausdrücklich, dass sie die von der Politik beschlossenen einschneidenden Maßnahmen richtig finden. Bei Grawe + Osterbrink wie auch bei Plan B ist inzwischen wieder etwas Leben eingekehrt. Michael Osterbrink erzählt, dass man am vergangenen Wochenende in Ibbenbüren einen Open-Air-Trödelmarkt veranstaltet habe. Angesichts des eher schlechten Wetters seien die Besucherzahlen gut gewesen. Und die Beschicker seien natürlich auch extrem froh und dankbar, dass es wieder losgegangen sei. Morgen geht es auf dem Netto-Parkplatz an der Schulstraße in Lengerich weiter. Möglich sei das aber nur mit einem von den Behörden abgenickten Corona-Hygienekonzept.

Durch die Hygienekonzepte gibt es einen erhöhten Aufwand.

Michael Osterbrink

Plan B beteiligt sich aktuell an einer Comedy-Reihe in Osnabrück, die ebenfalls im Freien stattfinden wird. „Und es gab die ein oder andere Autokino-Show“, so Andy Besirov. Angesichts der vergleichsweise geringen Besucherzahlen, die möglich sind, bleibe dabei aber nicht viel übrig. Entsprechend müsse derzeit noch wesentlich genauer geschaut werden, ob sich eine Veranstaltung rechnet oder nicht.

Der Veranstalter spricht von fast 40 Absagen bisher mit etwa 35 000 verkauften Tickets! Wie es weiter geht? Momentan überwiegend mit den beschriebenen Freiluft-Auftritten. Doch was im Herbst kommt, weiß auch Besirov nicht. „Wir haben natürlich auch eine Verantwortung für das Publikum“, schaut er auf die schwierigeren Bedingungen bei Indoor-Events. Konsequenz: Seine Planungen treibt er nicht weiter voran als nötig.

Gespannt ist auch Michael Osterbrink, ob zum Herbst hin wieder Trödel- und Kunsthandwerker-Märkte in Hallen stattfinden können. Er und Stefan Grawe betreiben ihr Geschäft nebenberuflich. „Deshalb ist der Druck bei uns nicht ganz so groß.“ Aber nach rund 20 ausgefallenen Märkten gehe es inzwischen auch bei ihnen um einen fünfstelligen Euro-Betrag beim Thema Corona-Krise. Beim Blick in die Zukunft verweist Osterbrink auf die ersten Monate 2021. Da seien alle Kunsthandwerker-Märkte bereits so gut wie ausgebucht. Bleibt nur noch die Frage, ob sie dann auch stattfinden können.

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