Informationstafeln für den Dyckerhoff-Rundwanderweg
Von Wanderfalken und Niederwald

Lengerich -

Die Strecke um den Dyckerhoff-Steinbruch ist ein beliebter Wanderweg. Natur und Wirtschaft sind dort thematisch vereint. Spätestens im nächsten Frühjahr werden 13 Informationstafeln aufgestellt, die an markanten Wegepunkten Erläuterungen geben: von Wanderfalken, Hoch- und Niederwald bis zum Kalksteinabbau.

Freitag, 17.07.2020, 05:55 Uhr aktualisiert: 17.07.2020, 17:06 Uhr
Lina Rohlmann erläutert den Teilnehmern an der Wanderung – Thomas Volk, Frank Lammert, Markus Hehmann, Hartmut Escher, Christian Weber, Reinhard Machill und Michael Mücke (von rechts) die Konzeption einer Schautafel.
Lina Rohlmann erläutert den Teilnehmern an der Wanderung – Thomas Volk, Frank Lammert, Markus Hehmann, Hartmut Escher, Christian Weber, Reinhard Machill und Michael Mücke (von rechts) die Konzeption einer Schautafel. Foto: Michael Baar

Der Dyckerhoff-Rundwanderweg verbindet auf gut 8,5 Kilometern Länge Genuss in der Natur mit Einblicken in den Steinbruch des Lengericher Unternehmens. Spätestens ab nächstem Frühjahr werden Wanderer etwas länger für diese Tour brauchen. Dann sollen entlang der Strecke insgesamt 13 Informationstafeln aufgestellt sein.

Lina Rohlmann hat sich mehrere Monate mit dem beschäftigt, was entlang der Route zu entdecken ist. „Das reicht von den Wanderfalken auf dem Werkgelände über Hoch- und Niederwald bis zum Steinbruch“, erläutert die Studentin. Bei einer Stippvisite auf dem Rundwanderweg weist sie an verschiedenen Punkten auf die Aspekte hin, die sie im Rahmen eines dreimonatigen Umweltpraktikums entdeckt und in eine neue Beschilderung umgesetzt hat.

Seit dem 16. Jahrhundert wird nachweislich Kalkstein im Teuto abgebaut.

Lina Rohlmann

Die Senke neben dem Hermannsweg sieht wie ein gewöhnlicher Einschnitt im Gelände aus. Dabei steckt viel mehr dahinter. „Seit dem 16 Jahrhundert wird nachweislich Kalkstein im Teutoburger Wald abgebaut“, erläutert die junge Frau den Mitwanderern. Richtig Schwung in die Sache gekommen sei erst mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie. 1931 seien dann die vielen kleinen Werke alle unter das Dach von Dyckerhoff geschlüpft.

Ein kurzer, steiler Anstieg, dann geht der Blick über einen Zaun in einen Einschnitt des Teuto. Im Winter 2016/2017 sind die dort stehenden Fichten gefällt worden. Gepflanzt wurden Buchen, zeigt Markus Hehmann auf die kleinen Bäumchen. Erfolgt sei diese Umwandlung im Zuge der Kompensationsmaßnahmen des Unternehmens, Fichten- und Buchenwald umzuwandeln, erklärt der Naturschutzbeauftragte von Dyckerhoff.

Kompensation: Aus Fichten- wird Buchenwald

Reine Buchen- oder Buchenmischwälder hätten eine größere Biodiversität, ergänzt Hartmut Escher. Das würde es Insekten erschweren, Schäden im Wald anzurichten, so der Geschäftsführer des Natur- und Geoparks Terra.vita. „Das ist hier fast schon vorbildlich im Vergleich zum Osnabrücker Land, beinahe schon paradiesisch“, gerät er ins Schwärmen.

Aus den FFH-Schutzgebieten wolle man alle Fichtenbestände heraus haben, lenkt Markus Hehmann die Aufmerksamkeit auf einen weiteren Aspekt. Doch das Bestreben hinter dem Europäischen Verbund von Naturschutzgebieten werde nicht uneingeschränkt begrüßt. „Waldbauern, gerade mit kleinen Parzellen, sind auf das Bewirtschaften ihrer Flächen angewiesen. Da wird die Fichte bevorzugt“, schimmert Verständnis für dieses Ansinnen in seinen Worten durch.

An dieser Stelle kann die Kalksteinschicht bis zwei Kilometer dick sein.

Dr. Tobias Fischer

Wenige Schritte weiter ist der Aussichtspunkt auf den Steinbruch erreicht. Auf der Hängematte hat es sich ein Paar gemütlich gemacht, lauscht den Vogelstimmen, die immer wieder von den mechanischen Geräuschen aus dem Bruch übertönt werden. Dr. Tobias Fischer lässt sich davon nicht irritieren. Mit Gesten untermalt beschreibt der Terra.vita-Geologe, wie sich vor Jahrmillionen die Kalksteinschicht gebildet hat. vor 130 Millionen Jahren hätten die Wanderer am Strand eines Urmeeres gestanden, 40 Millionen Jahre später hätte es einer Taucherausrüstung bedurft, um an dieser Stelle Luft zu holen.

Nachhaltiges Handeln

Einblicke in die Arbeit in Großschutzgebieten wie Biosphärenreservate, Nationalparke oder Naturparke erhalten – das ist das Ziel des Commerzbank-Umweltpraktikums. In diesem Kontext hat die Studentin Lina Rohlmann Erfahrungen in Bildungsarbeit, Organisation und eigenständiger Ausarbeitung kreativer Projekte gesammelt. So soll ein bewusstes und nachhaltiges Handeln in der Regionalentwicklung und Umweltbildung gefördert werden.

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Einen Moment lang verschlägt es den Wanderern die Sprache. „An dieser Stelle kann die Kalksteinschicht bis zu zwei Kilometer mächtig sein“, hat Tobias Fischer gerade gesagt. Eine Diskussion darüber gibt es nicht. Die Gruppe wirft noch einen letzten Blick in den Steinbruch, wendet sich ab. Wenige Schritte sind erst zurückgelegt, als ein heftiger Knall einige zusammenzucken lässt. Aus dem Steinbruch steigt eine Wolke Gesteinsmehl auf. „Das war nur eine Sprengung“, stellt Dyckerhoff-Betriebsratsvorsitzender Reinhard Machill lakonisch fest.

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