Kommunalwahl am 13. September
Wichtige Themen für neuen Rat

Lengerich -

Nach der Kommunalwahl gilt es für den neuen Stadtrat, über einige wichtige Weichenstellungen zu entscheiden.

Sonntag, 19.07.2020, 16:41 Uhr aktualisiert: 20.07.2020, 16:58 Uhr
Der Umzug der Feuerwache (oben links) dürfte in den kommenden Jahren konkret werden
Der Umzug der Feuerwache (oben links) dürfte in den kommenden Jahren konkret werden Foto: Dietmar Jeschke

Am 13. September bestimmen die Lengericher, wer die Geschicke der Stadt in den nächsten fünf Jahren leiten wird. Bei der Kommunalwahl geht es, außer um dem Landratsposten, um das Amt des Bürgermeisters und die Zusammensetzung des Stadtrates. Da es danach aussieht, dass Wilhelm Möhrke keinen Gegenkandidaten haben wird – die Bewerbungsfrist läuft am Montag, 27. Juli, um 18 Uhr ab –, wird er wohl weiter erster Bürger der Stadt bleiben. Anders sieht es naturgemäß beim Rat aus. Von Wahlkampf ist momentan in Lengerich kaum etwas zu spüren, doch die Parteien werden in den kommenden Wochen sicher um Stimmen für sich und ihre Kandidaten werben. Wer auch immer am Ende das Rennen macht, es warten auf sie Entscheidungen über einige wichtige Weichenstellungen.

Zwar sind in den vergangenen Jahren große Projekte entscheidend vorangetrieben worden, beispielsweise die Gründung der Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg, die Entscheidung für einen Neubau für die Schule, die Neugestaltung der Fußgängerzone und der Glasfaserausbau. Und möglicherweise kann auch in Sachen klr-Gelände in absehbarer Zeit Wichtiges verkündet werden. Aber gleichwohl müssen nach wie vor weitere für die Entwicklung der Stadt sehr wichtige Themen abgearbeitet werden.

Wichtige Themen abarbeiten

So dürfte das Stichwort Bauen für Rat und Verwaltung weiterhin einen hohen Stellenwert haben: Die neue Feuerwache soll endlich her, angesiedelt am Kreisverkehr Ladberger Straße/Ecke Bodelschwinghstraße. Dadurch stellt sich die Frage, was an der Schulstraße mit dem alten Gebäude und vielleicht auch mit dem dahinterliegenden Parkplatz passiert. Die zukünftige Gestaltung ist auch an anderen Orten offen. Die Bodelschwingh-Realschule hat bald ausgedient. Zusammen mit dem angrenzenden Markt-Parkplatz stünde ein großes Areal für große Pläne bereit. Die Wiese vor der Gempt-Halle wird momentan lediglich dann und wann als Parkplatz genutzt. Wie zu hören ist, könnte das bald Geschichte sein. Beim Stichwort Hotel äußert sich manch ein Lengericher nach wie vor skeptisch, ob so etwas an diesem Standort realisiert werden kann, doch hinter den (öffentlichen) Kulissen scheinen die Verantwortlichen das Vorhaben auch in Corona-Zeiten voranzutreiben.

Für 2021 hat sich der Rat eine Frage aufgehoben, die besonders in Hohne von Interesse sein dürfte: Soll die abgerissene Fußgängerbrücke über die Bahngleise durch einen Neubau ersetzt werden oder nicht? Und dann wäre da natürlich noch der Bahnhof. Klar ist, die Bahnstation soll modernisiert und das Gebäude abgerissen und durch ein sogenanntes Entreé ersetzt werden. Wann ist immer noch offen. Die Stadt ist nicht Herr des Verfahrens, sondern auf die Zusammenarbeit mit der Bahn angewiesen. Bei vielen Zugreisenden ist die Geduld indes längst am Ende.

Züge werden in absehbarer Zeit nicht mehr nur auf der Strecke zwischen Münster und Osnabrück unterwegs sein, sondern auch gen Lienen und Tecklenburg. Auf den TWE-Gleisen soll der Güterverkehr reaktiviert werden. Die Lappwaldbahn als Eigentümer ist an der Arbeit, der Lengericher Abschnitt bald dran. Was passiert dann an den vielen Bahnübergängen? Welche werden wie modernisiert? Und wer zahlt dafür? Nicht auszuschließen ist, dass auch von Anwohnerseite noch einmal Protest laut wird. In der Vergangenheit war das am Lütke Kamp in Hohne bereits der Fall.

Ähnlich wie beim Bahnhof sieht es auch in anderen Segmenten der Verkehrsinfrastruktur aus: Die Stadt hat oftmals nicht die Entscheidungshoheit, Dinge entscheidend voranzutreiben. Bürgermeister und Politik können somit beispielsweise immer wieder nur appellieren, beim Radwegebau die Anbindung nach Niedersachsen in Angriff zu nehmen.

Zurück zum großen Ganzen: Gegenüber den Westfälischen Nachrichten hat Bürgermeister Möhrke einst gesagt, dass Lengerich weiter wachsen soll. Dafür braucht es Wohnungen und Häuser. Allein durch die zuletzt oft beschworene Nachverdichtung im Zentrum dürfte das schwer zu realisieren sein. Soll es also neue Baugebiete ebenso geben wie neue Gewerbegebiete (südlich des Südrings), um Neubürger und Unternehmen auch von außen in die Stadt zu holen? Und muss mehr getan werden, um günstigen Wohnraum zu schaffen?

Noch stärker in den Fokus als ohnehin schon dürften die Finanzen in nächster Zeit rücken. „Die kommunalen Haushalte werden am Ende des Jahres so hohe Einbußen erleiden, wie wir sie noch nicht erlebt haben“, sagte in dieser Woche die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Städtetages, Verena Göppert. „Die Gewerbesteuer ist in den vergangenen drei Monaten katastrophal eingebrochen.“ Aktuell rechnet Lengerichs Verwaltung mit einem Minus von rund 1,7 Millionen Euro gegenüber den im Haushalt kalkulierten Einnahmen. Sollte es nicht zur erhofften schnellen wirtschaftlichen Erholung kommen, könnte sich diese Zahl als Makulatur erweisen.

Ist der weiterführende Schulbereich in Lengerich inzwischen zukunftsfest gemacht worden, fehlen dazu im Primarbereich noch Maßnahmen. Speziell im Offenen Ganztag existiert Handlungsbedarf, um dem eigenen Ansprüchen – jedem Kind ein Platz, das einen haben möchte – dauerhaft gerecht zu werden.

Abseits all dieser handfesten Themen wird Bürgermeister Möhrke sicher nicht müde, weiter dafür zu kämpfen, das Image der Stadt aufzupolieren. Seiner Ansicht nach haben zu viele Lengericher ein zu schlechtes Bild von ihrer Heimatkommune. Aber auch um Gäste von außen zu locken, rührt der Bürgermeister immer wieder die Werbetrommel.

Weiter den eingeschlagenen Weg verfolgen werden er und seine Mannschaft in der Verwaltung wohl auch beim Thema Digitalisierung. Manches können Bürger inzwischen bequem von daheim aus erledigen statt persönlich an der Tecklenburger Straße 2-4 vorstellig werden zu müssen. Das Ende der Fahnenstange ist aber sich noch nicht erreicht bei dieser Entwicklung. Darüber hinaus werden sich Rat und Bürgermeister immer wieder die Frage stellen müssen, wie sie die Bürger „mitnehmen“, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Die Erarbeitung des Gesamtstädtischen Leitbilds und des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (Isek) sowie die Vorgehensweise im Zuge der Planungen für die Fußgängerzone haben bereits gezeigt, wie es funktionieren kann.

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