Beherbergungsbetriebe im Krisenmodus
Die Pandemie sorgt für leere Betten

Lengerich -

Zu den Branchen, die die Corona-Pandemie besonders hart getroffen hat, gehört das Hotel- und Gaststättengewerbe. Davon wissen auch die Verantwortlichen vom Hotel Zur Mühle, vom Gasthof Prigge und vom Boardinghouse am Teuto zu berichten.

Donnerstag, 23.07.2020, 16:24 Uhr
Das Hotel Zur Mühle: Wer mit Übernachtungsgästen Geschäfte macht, hat es derzeit schwer. Es gibt allerdings nach der Wiedereröffnung auch erste Zeichen, die Hoffnung machen.
Das Hotel Zur Mühle: Wer mit Übernachtungsgästen Geschäfte macht, hat es derzeit schwer. Es gibt allerdings nach der Wiedereröffnung auch erste Zeichen, die Hoffnung machen. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Anfang des Jahres schien es so, als ob 2020 ein gutes Jahr werden könnte. Unisono kommen Christina Dikomey, Henrik Berlemann und Dennis Gödert zu dieser Einschätzung. Dafür sprachen die Buchungszahlen, die für den Gasthof Prigge/Akademie Talaue (Dikomey), das Boardinghouse am Teuto (Berlemann) und das Hotel Zur Mühle (Gödert) seinerzeit vorlagen. Doch dann kam Corona. Und was vorher noch so gut ausgesehen hatte, entwickelte sich für die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe zu einem Desaster. Henrik Berlemann kommt zu dem Schluss, dass es momentan vor allem darum gehe, „eine ganz schwierige Situation“ irgendwie durchzustehen.

Immerhin gibt es einige Lichtblicke. Nachdem ab etwa Mitte März wochenlang praktisch nichts ging, erlaubte die Landesregierung im Mai zunächst wieder den Restaurant- und wenig später den Hotelbetrieb. Eine Ausnahme von den strengen Regeln gab es im Hotel Zur Mühle und im Boardinghouse, wo zwischenzeitlich Altenheim-Mitarbeiter und medizinisches Personal Unterkunft fanden, nachdem in der Helios-Klinik und im Haus Widum Quarantänemaßnahmen verhängt worden waren.

Ebenso einhellig wie die Beschreibung der Vor-Corona-Zeit fällt bei dem Lengericher Trio die Analyse der Ist-Situation aus. Es kämen zwar wieder Gäste und es gebe wieder Buchungen. Doch das alte Niveau werde bei Weitem nicht erreicht. Christina Dikomey berichtet von einem ganzen Ordner voller Absagen – von der Tagung über die Familienfeier bis zu Gästen, die eigentlich eine Aufführung auf der Freilichtbühne in Tecklenburg hätten besuchen wollen. Gerade die Bühne fehlt, das untermauern auch Dennis Gödert und Henrik Berlemann. „Zehn, elf Wochenenden waren im Januar schon ausgebucht“, sagt Berlemann über die große Nachfrage unter den Musicalfans. Ähnliches schildert Gödert vom Hotel auf der anderen Seite der Tecklenburger Straße. Für den Mai verbucht er einen Einbruch von rund 80 Prozent.

Christina Dikomey erklärt beim Blick zurück an den Anfang der Krise, als 100 Prozent Kurzarbeit für die Belegschaft anstanden und sie nach allen Möglichkeiten suchte, laufende Kosten zu reduzieren, dass sie da schon „Existenzängste“ geplagt hätten. Inzwischen sehe es zwar nicht mehr so schlimm aus, aber „man sitzt immer noch auf einem Feuerstuhl“. Etwas, was die Stimmung aufhelle, sei das „gute Biergartengeschäft“. Aber auch in Sachen Tagungen und Konferenzen gebe es erste „Lichtblicke“.

Eine Frage, die sie sich ebenso stellt wie Dennis Gödert und Henrik Berlemann auch, lautet: Wie nachhaltig wirkt sich die Corona-Krise auf die Arbeitsweisen von Unternehmen aus? Setzen die weiterhin verstärkt auf Video-Konferenzen oder geht es doch früher oder später zurück zu den Dienstreisen, wie sie bis etwa Ende Februar üblich waren? Monteure seien bereits wieder zu Gast, erzählt Dennis Gödert. Und Henrik Berlemann ergänzt, dass die Außendienstler früher oder später auch rausfahren müssen; zu sehr gehe es in deren Geschäft um persönliche Kontakte, als dass sie auf den Besuch beim Kunden verzichten könnten.

Touristische Gäste gebe es inzwischen auch wieder, so die weitere Analyse der Herbergen-Gastgeber. Doch die Zahl der Radler, Wanderer und sonstiger Kurzurlauber könnte durchaus noch größer sein, wünschen sie sich.

Ein Lob verteilt Christina Dikomey an all jene, die kommen. Maske tragen, Adressen angeben, Abstand halten – die Einhaltung der bestehenden Corona-Regeln laufe ohne Probleme. „Die meisten sind da sehr verständnisvoll“, lautet ihre Erfahrung. Allerdings ist es allein mit der Kontrolle nicht getan. Alles, was in Zusammenhang mit dem Hygienekonzept stehe, müsse auch dokumentiert werden. Und das sei mit reichlich Aufwand verbunden.

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