Verstoß gegen Corona-Regeln
Teenager kommt spontanes Treffen teuer zu stehen

Lengerich -

230 Euro, für einen Schüler ist das in der Regel eine Menge Geld. So sehen es auch jene vier Teenager, die von der Stadt aufgefordert sind, diese Summe jeweils zu bezahlen. Es geht um einen Verstoß gegen die Corona-Regeln.

Freitag, 24.07.2020, 16:06 Uhr aktualisiert: 24.07.2020, 19:32 Uhr
Ein spontanes Treffen auf dem Netto-Parkplatz an der Lienener Straße kommt vier Teenager teuer zu stehen. Jeder von ihnen muss wegen Verstoßes gegen die Corona-Regeln 230 Euro bezahlen.
Ein spontanes Treffen auf dem Netto-Parkplatz an der Lienener Straße kommt vier Teenager teuer zu stehen. Jeder von ihnen muss wegen Verstoßes gegen die Corona-Regeln 230 Euro bezahlen. Foto: Jürgen Christ

Die beiden jungen Männer reden nicht lange um den heißen Brei herum. Was sie und zwei Freunde gemacht haben, entsprach nicht den strengen Regeln, die seinerzeit wegen der Ausbreitung des Coronavirus galten. Aber das dafür jeder von ihnen mit 230 Euro zur Kasse gebeten wird? Das sei dann doch ein bisschen happig, da sind sich der 15- und der 18-Jährige einig. Diesen Preis hat der zufällige Smalltalk auf dem Parkplatz des Netto-Marktes an der Lienener Straße nun für sie. Ihr Pech: Wären sie nicht von zwei Polizisten, sondern von Mitarbeitern des städtischen Fachbereichs Sicherheit und Ordnung erwischt worden, wäre die Sache wahrscheinlich besser für sie ausgegangen.

Die Teenager erzählen, dass die Zusammenkunft ganz zufällig zustande gekommen sei. Zwei von ihnen hätten mit dem Fahrrad auf dem Parkplatz gestanden, als die anderen beiden mit einem Auto auf der Lienener Straße unterwegs gewesen seien. Das Duo im Pkw sah die Bekannten und legte spontan einen Stopp ein. Auf „eine Zigarette“ habe man miteinander quatschen wollen. An die Corona-Regeln habe da niemand von ihnen auf die Schnelle gedacht. Es war jedoch die Zeit, als sich die Menschen in Deutschland im Freien nur mit einer anderen Person treffen durften. Dabei galt es zudem ausreichend Abstand zueinander zu halten.

Corona-Vergehen eingeräumt

Das mit dem Abstand könnte noch einigermaßen hingehauen haben, berichten die beiden Lengericher. Aber dass sie in zu großer Zahl beieinander standen, dürften die zwei Polizisten, die kurz darauf ebenfalls die Lienener Straße entlangfuhren, sofort gesehen haben. Die lenkten ihren Wagen unverzüglich auf den Parkplatz, wo die Freunde versuchten, sich schnell zu verdünnisieren. „Das war einfach ein Reflex“, rechtfertigt der 15-Jährige das Verhalten.

Die Beamten schritten gleichwohl zur Tat und nahmen die Personalien der jungen Leute auf. Es habe sich um einen Mann und eine Frau gehandelt, erzählen die beiden Lengericher. Der Mann sei freundlich und höflich gewesen, die Frau habe mit den Worten „Ihr wisst genau, was Sache ist“ sofort klare Kante gezeigt. Nähere Erklärungen habe es weder von ihr noch ihrem Kollegen gegeben.

Der Fall landete bei der Stadt. Die verschickte an das Quartett zunächst Anhörungsbogen. In ihren Antwortschreiben räumten die Teenager das ihnen zur Last gelegte Corona-Vergehen ein. Martin Pogrifke, Leiter des Fachdienstes Sicherheit und Ordnung, kennt den Vorgang. Er sagt, wenn die Polizei bei derlei Dingen tätig werde, bleibe der Verwaltung nichts anderes übrig, als das Geld, das der Bußgeldkatalog des Landes vorsieht, auch einzufordern. Und der besagte zu jener Zeit: öffentliche Ansammlungen von mehr als zwei Personen (sofern durch keine Ausnahme gedeckt) macht 200 Euro pro Person plus Bearbeitungsgebühren. Entsprechende Bescheide verschickte die Verwaltung dann.

Ratenzahlung angeboten

Für die vier Schüler eine Stange Geld, wie der 15- und der 18-Jährige betonen. Sie sagen, es habe doch auch viele gegeben, die wegen der Verletzung von Corona-Regeln nur verwarnt worden seien. Was Martin Pogrifke für Lengerich und seinen Fachdienst bestätigen kann. Es gelte dort die Vorgabe, erst einmal mit den Leuten zu sprechen. Bei „95 bis 98 Prozent“ sei die Einsicht dagewesen. Es habe lediglich „fünf bis zehn Fälle“ gegeben, in denen die Kollegen härter durchgegriffen hätten und die Bürger zur Kasse gebeten worden seien.

Seitens der Polizei heißt es, dass es im Kreis keine gesonderten Regelungen gebe, sondern man sich an die Vorgaben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums halte. Ministeriumssprecher Markus Nieczery erklärt auf Anfrage der Westfälischen Nachrichten, dass es für die Beamten in solchen Fällen „immer Ermessensspielraum“ gebe.

Womöglich hatten es die vier Teenager mit Uniformierten zu tun, die sehr genau hingehört haben, als NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im März den Corona-Bußgeldkatalog vorstellte: Der CDU-Politiker sagte damals: „Null Toleranz gilt auch gegenüber Rechtsbrechern im Kampf gegen das Coronavirus.“

Der 15-Jährige sagt, er habe inzwischen die 230 Euro überwiesen. Der 18-Jährige meint lapidar: „Ich noch nicht.“ Martin Pogrifke berichtet, dass die Stadt den Teenagern eine Ratenzahlung angeboten habe.

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